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Tipps / Infos

Kanada 2006


Tipps und Infos für eine selbstgeführte Kanutour auf dem Nisutlin River im Yukon Territory Kanada. Die Infos beruhen auf eigener Erfahrung und müssen keine allg. Gültigkeit haben.
Stand August 2006

Ausrüstungsliste Nisutlin River
Ausrüstung.pdf

Verpflegunsliste
Verpflegung.pdf

Der gesamte Nisutlin River aus der Vogelsicht. Satellitenbild aus Google Earth.

 

 


Geführte Tour, selbständige Tour:

Soll man an einer geführten Tour teilnehmen oder lieber auf eigene Faust losziehen? Eine Frage, die man sich gleich zu Beginn gut überlegen sollte. Wer sich in einer Gruppe gut anpassen kann und gerne Unterhaltung geniesst ist bei einer geführten Tour bestens aufgehoben. Zudem muss man sich im Vorfeld kaum um etwas kümmern, ein Luxus, der natürlich seinen Preis fordert. Einen Tourführer dabeizuhaben ist sicher nicht das schlechteste. Er wird viel über den Fluss, seine Landschaften, seine Gefahren usw. erzählen können. Er kennt den Fluss, weiss wo man gut übernachten kann, kennt die Strömung und kann einem gut auf den nächsten Tag vorbereiten.
Genau das wollten wir aber nicht. Auf unseren Motorhomereisen hatten wir immer selber entschieden, wo wir übernachten, was wir essen, wie unsere Tour am nächsten Tag aussehen sollte. Zugegeben, wer auf einem Fluss unterwegs ist, dem ist die Richtung vorgegeben und er kann nicht einfach mal abbiegen. Aber wir wollten selber bestimmen wann wir rasten, wo wir schlafen. Und niemand sollte uns voraussagen, was wir am am nächsten Tag erleben würden - so wurde jeder Tag zum Abendteuer. Vielleicht ein bisschen gefährlicher, aber auf jeden Fall auch interessanter. Wer auf sich allein gestellt unterwegs sein will, sollte jedoch eine gründliche Vorbereitung einkalkulieren.

Vorbereitung:
Wer einen Wildnisfluss auf eigene Faust befahren möchte, sollte sich gut vorbereiten. Für mich war dies ein unbedingtes Muss. Unzählige Stunden habe ich im Internet geforscht. Immer wieder bin ich auf interessante Seiten gestossen, die viel über das Leben in der Wildnis erzählen konnten. Solche Tipps sind sehr wertvoll, sei es nur um zu erfahren wie man aus Mehl Brot macht wenn man gar keinen Ofen hat. Oder wie man sich verhalten soll, wenn mal was Unvorhergesehenes passiert. Weiss man zum Beispiel noch wie der Morsecode funktioniert? All das und vieles mehr gehörte zu unserer Vorbereitung.

Bis jetzt beschränkten sich unsere Kanukenntnisse auf die paar Ausfahrten während der Ferien in Kanada. Wir waren zumeist auf Seen unterwegs gewesen und verfügten demnach über keine Kenntnisse im fliessenden Gewässer. Das hat uns bewogen hier in der Schweiz einen Kanukurs zu besuchen. 30 Kilometer lang war die Flusstour auf der Aare und wir haben das eine oder andere dazulernen können. Gabi absolvierte zusätzlich noch einen zwei tägigen Kurs auf der Reuss.

Nisutlin nisutlin-mike Über den Nisutlin River wird leider nicht viel erzählt im Web und über den Rose River fanden wir fast gar nicht. Es gibt aber zwei nützliche Flussführer, die den Nisutlin River gut beschreiben: eines von Gus Karpes und ein weiteres von dem bekannten Kanuautor Mike Rourke. Beide tragen den Titel "Nisutlin River" und ergänzen sich bestens. Gus Karpes beschreibt den Fluss sehr ausführlich, seine Karten sind jedoch sehr ungenau, zudem fängt sein Flussführer erst beim Nisutlin Campground an. Anders der Fussführer von Mike Rourke. Er setzt mehr auf detallierte Karten und weniger auf die Beschreibung mit vielen Worten. Seine Karten sind sehr genau und helfen einem gut die Orientierung zu behalten. Darüber hinaus ist er der einzige, der den Fluss auf seiner ganzen Länge zeigt, also von der Rose River Bridge No. 1 bis Teslin. Das Buch von Gus Karpens ist in deutscher Ausführung erhältlich, das von Mike Rourke nur in Englisch.
Im Weitern haben wir das kleine Taschenbuch "Wie helfe ich mir draussen" dabei . Dieser Tour- und Expeditionsratgeber kann einem Zivilisationsmenschen gute Dienste erweisen und ist ein hervorragendes Nachschlagewerk. In Whitehores kauften wir uns noch das Fährtenbuch "Animal Tracks of Alaska", in dem alle Tierspuren aufgelistet sind, die in Kanada und Alaska vorkommen.

Ausrüster:
Einen Ausrüster zu finden, der Equipment für eine Kanutour vermietet ist in Whitehorse nicht schwierig. Es gibt unzählige Kanuvermieter, man hat sozusagen die Qual der Wahl. Wir hatten bereits von der Schweiz aus mehrere Monate im Voraus diverse Offerten per E-Mail angefordert, verglichen und schliesslich unsere Wahl getroffen. Zu unserer Verwunderung variierten die Preise zum Teil sehr stark. Das besten Angebot machte uns Yukon Wide Adventures. Er war der einzige, der genau das offerierte, was wir verlangt hatten: Transport zur Rose River Bridge No1, gesamtes Kanuequipment mit Campingset und Sattelitentelefon, Transport von Teslin zurück nach Whitehorse. Alle anderen wollten uns noch dies und jenes andrehen, was gar nicht notwendig war.

Nisutlin River, Rose River :
Der Nisutlin River wird als einfacher, unkomplizierter Fluss beschrieben und er ist es tatsächlich. Es gibt auf seiner gesamten Länge von 200 Kilometer keine Stromschnellen. Er ist ohne Probleme mit Kinder zu befahren und gilt als der Familienfluss. Wer mit Kinder unterwegs ist, sollte den Nisutlin Campground als Einstiegstelle auswählen und nicht die Rose River Bridge No1. Der Rose River ist sehr eng, kurvenreich und er erreicht zum Teil ein recht flottes Tempo. Viele Baumstämme ragen aus dem Wasser und ein schnelles Manöverieren ist unbedingt notwenig. Wir hatten da auf den ersten Meter so unsere Schwierigkeiten, nichts dramatisches, aber man muss gut Acht geben und schnell reagieren. Die Tour ab der Rose River Bridge No1 dauert 7 Tage. Weniger wäre Stress und wer's gemütlich mag, sollte lieber sogar Tage einrechnen. Ab Nisutlin Campground sind es 5 Tage und 140 Kilometer bis Teslin.

Die Fliessgeschwindigkeit des Nisutlin Rivers haben wir mit dem mitgebrachten GPS Gerät gemessen. Stand August 2006. Änderungen je nach Jahreszeit möglich, da der Wasserstand immer wieder variieren kann.
Im oberen Teil des Rivers ist die Durchschnittsgeschwindigkeit mit ca 6 km/h recht angenehm, Paddelschläge sind meistens nur nötig um die Richtung zu ändern. Das gilt auch für den Rose River.
Je näher man Teslin kommt, desto langsamer wird der Fluss. Im mittleren Teil ist ein vorwärtskommen ohne Paddelschläge fast nicht mehr möglich. Hier zeigte mein GPS eine Druchschnittsgeschwindigkeit von etwa 3 km/h an.
Auf den letzten 60 Kilometer sind dann Paddelschläge zwingend notwendig. Treiben lassen ist hier nicht mehr möglich da die Geschwindigkeit zu langsam ist (höchstens 1-2 Stundenkilometer). Mit Paddelschlägen erhöht sich die Geschwindigkeit um etwa 3 Stundenkilometer. So sind im unteren Teil immer noch 5 km/h möglich.
Bei 7 Tage Reisezeit heisst das ca. 30 Kilometer pro Tag und somit 6-7 Stunden im Kanu sitzen. Eigentlich ist auf der ganzen Tour paddeln angesagt und das kann bei ungeübten Kanuten doch am Abend den einen oder anderen Schmerz verursachen.
Das saure Dessert ist aber die Nisutlin Bay am Schluss der Reise mit ihren 10 Kilometer Länge. Uns begleiteten heftige Winde, ca. 40cm hohe Wellen und die Fliessgeschwindigkeit war gleich null. Für die 10 Kilometer brauchten wir fast 4 Stunden. Unter stetigem starken Paddeleinsatz sind wir nie schneller als 3 km/h gefahren. Das war ganz starker Tobak.

Satelittentelefon:
Ein Satelittentelefon dabei zu haben war für mich selbstverständlich. Ich hätte diese Tour ohne Telefon nicht gemacht. Obwohl ich das Telefon nur einmal bei der Funkitonskontrolle an der Rose River Bridge No1 angeschaut hatte, gab es uns doch ein beruhigendes Gefühl. Im Notfall hätten wir damit Hilfe anfordern können. Aber Achtung! Ähnlich wie beim Handy gibt es Funklöcher. Vor allem, wenn ihr in bergigem Gelände oder auf canyonartigen Flussläufen unterwegs seid, kann es passieren, dass ihr ausgerechnet im Notfall keinen Empfang habt. 100% Sicherheit gibt es hier draussen eben doch nicht.

Google Earth:
googleearth Google Earth ist ein mächtiges Programm, dass uns sehr geholfen hat. Unzählige Male habe ich mir den Fluss aus der Vogelsicht angeschaut. Obwohl die Satelitenbilder nicht hochauflössend sind, geben sie einen guten Überblick auf den River und seine Landschaften. Den ganzen Fluss habe ich mir ausgedruckt um die Blätter als zusätzlichen Flussfüher dabei zu haben.
Google Earth eignet sich hervorragend, um Fixpunkte zu definieren und sie dann in ein GPS zu übertragen. Den ganzen Fluss hatte ich so ausgemessen und dann durch 6 Nächte geteilt. So habe ich in etwa sehen können, wo wir nach einer Tagesetappe landen sollten. Im Zusammenspiel mit dem Flussführer von Mike Rourke, in dem die guten Camps eingezeichnet waren, war die Orientierung recht einfach. Durch die zahlreichen Fixpunkte im GPS habe ich auch immer sehen können, wie weit wir noch fahren mussten um unser Tagesziel zu erreichen.

GPS:
Wie bereits erwähnt hatten wir ein GPS dabei. Notwendig ist so ein Gerät auf dieser Tour allerdings nicht. Über die beiden Flussführer, die wir dabei hatten, wäre eine Orientierung auch möglich gewesen. Ein GPS Gerät erhöht aber die Sicherheit zusätzlich.

geko201 Wie jeder weiss, nützt einem die beste Karte nichts, wenn man nicht weiss, wo man sich darauf befindet. Mit den Fixpunkten, die ich über Google Earth eingegeben hatte, konnte ich so unsere Position jederzeit ermitteln und wusste daher "meistens" wo wir uns gerade auf der Karte befanden.
Der Nisutlin River hat sehr viele Richtungsänderungen und so kann es schon mal vorkommen, dass man die Orientierung verliert. So geschehen am vierten Tag: wir campierten auf einer Sandbank, die wir auf der Karte ausgesucht haben. Gemäss Karte schien alles zu stimmen, nur mein GPS war da ganz anderer Meinung. Den Fixpunkt, den ich im GPS eingetragen hatte, sollten wir laut Karte längst passiert haben, mein GPS war aber der Meinung, dass dieser Fixpunkt erst noch kommen werde.
Am nächsten Tag erkannten wir dann, dass wir uns auf der Karte um ca. 6 Kilometer vertan hatte. Die Orientierung in der Wildnis nur per Karte kann also doch schwierig sein.
Damit du einen Eindruck bekommst, wie stark der Nisutlin River seine Richtung ändert, hier ein Beispiel: Flusslänge Rose River Bridge No1 bis Teslin ca. 200 Kilometer. Die Luftline zwischen den genau selben Punkten beträgt aber nur ca. 116 Kilometer.

Daher sollte man ein GPS sicher nicht unterschätzen. Im Zusammenspiel mit Satelittentelefon ist ein GPS Gerät nahezu perfekt, sollte doch mal was unvorhergesehenes passieren. Ein Anruf genügt, Position durchgeben und die Retter müssen nicht mehr lange suchen. Vorausgesetzt man hat Empfang (siehe Satelitentelefon).

Ich hatte ein einfaches GPS dabei, das ich in der Schweiz auch beim Gleitschirmfliegen benütze. Es braucht keine teuren Geräte. Ein Geko 201 von Garmin reicht da alleweil.

Bärenspräy, Moskitos:
Ein leidiges Thema sind die Moskitos. Auch am Nisutlin River hat es diese gefrässigen Tierchen, jedoch nicht in dem Ausmass wie wir eigentlich erwartet hatten. Vielerorts konnten wir lesen, dass der Nisutlin River mit seinen zahlreichen Sümpfen ein regelrechtes Brutgebiet für Moskitos sei. In Whitehorse hatten wir extra ein Oberkörper Mückenschutznetz gekauft, um gewappnet zu sein. Wir hatten immer noch den Liard Trail von letztem Jahr in Erinnerung und schliesslich soll man einen Fehler immer nur einmal machen. Zu unserem Erstaunen waren die aber Mücken eher spärlich unterwegs. Nur am Rose River bei der Einstiegstelle stachen sie ordentlich zu.

Meinen teuer erstandenen Mückenschutz (29CAD) habe ich nicht ein einziges Mal anziehen müssen; mir reichte das Einreiben mit Muskol. Gabi hat ihn jedoch ein paar Mal gebraucht, Frauen haben vielleicht süsseres Blut. Dennoch darf man die Lage am Nisutlin River nicht unterschätzen. Spärlich unterwegs heisst, dass man immer noch etwa mit der zehnfachen Menge verglichen mit Mitteleuropa rechnen muss.

Soll man auf einer solchen Tour ein Bärenspray dabei haben oder nicht? Nun, wir hatten keinen. Im nachhinein würde ich aber einen mitnehmen. Nicht das wir so ein Teil hätten gebrauchen können. Es gab aber dreimal Situationen, wo ich in der Nacht aufgestanden bin weil Gabi seltsame Geräusche gehört hatte. Obwohl ich draussen wegen der Dunkelheit nichts sehen konnte und auch immer noch der Meinung bin, dass da nichts war, wäre ich mit einem Bärenspräy sicher entspannter gewesen.

Die Frage stellt sich jetzt natürlich warum wir kein Spray mitgenommen haben. Ein Bärenspray braucht man in erster Linie um angreifende Bären abzuwehren. Wir wollten uns aber in diese Situation erst gar nicht begeben. Sprich, sollten wir einen Bären sehen, werden wir den Rückzug antreten und sicher nicht auf das Tier zugehen. Wer sich an diese Regel hält muss keine Angst vor Bären habe, da diese Tiere niemals grundlos Menschen angreifen. Wir trugen immer ein Bärenglöcklein damit uns die Tiere schon von weiten hören konnten und von selbst das Weite suchten. Somit war die Gefahr einen Bären zu überraschen recht gering. Ein Bärenspray ist übrigens nur wirksam, wenn der Bär ca. 3 Meter vor einem steht. Es gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, so ein grosses Tier überhaupt so nahe heranzulassen.

Trotzdem, ein Bärenspray gibt einem ein sicheres Gefühl. Wer zum ersten Mal in so einer Wildnis unterwegs ist, wird schnell mal merken, dass die Ruhe und Stille nicht jedermanns Sache ist. Überall hört man Geräusche, vorallem Nachts, und das kann einem doch arg zusetzen. Wer dann noch Nachts aufsteht und nachschaut, wird schnell mal merken was Angst bedeutet.

Ausrüstung, Verpflegung:
katadyn-hiker Die gesamte Kanuausrüstung haben wir gemietet. Einzig die Schlafsäcke haben wir von zuhause mitgenommen. Auf einen Tagesrucksack haben wir verzichtet da die Umgebung des Nisutlin Rivers nicht zum Wandern geeignet ist. Stattdessen haben wir beide einen wasserdichten 50 Liter Packsack dabeigehabt, in dem wir unsere Tagesutensilien verstauten. Damit wir nicht immer Wasser abkochen mussten (ratsam wegen des Biberfiebers) kauften wir uns einen Katadyn Wasserfilter. So konnten wir während dem Kanufahren unsere Wasservorräte auffüllen (ca. 4 Liter Trinkwasser pro Tag). Die Ausrüstung war in tadellosem Zustand, mal abgesehen vom defekten Benzinkocher. Einzige die Abdeckplanne könnte ein bisschen grösser sein. Hierfür würde ich beim nächsten Mal eine von Zuhause mitnehmen. Ebenfalls mitnehmen würde ich 4-6 Teleskopstangen und ein Multifunkitonswerkzeug. Teleskopstangen sind nützlich um die Abdeckplanne schön über dem Lager aufzubauen damit dann alles vor Regen geschützt ist und mit dem Multifunktionstool hätten wir unseren defekten Benzinkocher selber reparieren können.

Fast die gesamte Verpflegung haben wir in Whitehorse gekauft. Es gibt genügend Supermärkte, die alles erdenkliche anbieten. Nur Kaffee und Gewürze hatten wir bereits in der Schweiz gekauft. Wer seinen Kaffee oder Tee gern mit Milch trinkt, sollte vielleicht auch Trockenmilchpulver mitnehmen aus der Schweiz.
Auf Gabis Anraten hin, kauften wir auch noch ein Paar Gummistiefel - eine weise Entscheidung, wie sich schon nach kurzer Zeit auf dem Fluss zeigte. Bei schlammigem Ufer oder auch wenn das Kanu mal durch Untiefen gezogen werden muss, behielten wir dank der Stiefel immer trockene Füsse.

 

Links:  
Kanuausrüster Yukon Wide Adventures
Whitehorse Hauptstadt des Yukon Territories
Garmin GPS-Geräte
Katadyn Wasserfilter für die Wildnis

 

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