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Buffalora - Val Mora - Livigno

3. August 2015

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Ausgangspunkt dieser Mountainbike Tour ist der Parkplatz Buffalora (1988m.ü.m.) kurz vor der Passhöhe am Ofenpass. Die Tour beginnt mit einer kurzen Einfahrstrecke den bereits nach einem Kilometer ist schieben angesagt. Super dachte ich, da hast du eine ca. 60 Kilometer lange Tour vor dir, und nach einem Kilometer bist schon am laufen.

Die Tour wurde mit einer Gopro aufgenommen, Video folgt.

 

Nun, das wusste ich natürlich. Ich habe mich gut auf diese Tour vorbereitet. 60 Kilometer im Hochalpinen Gelände darf man nicht unterschätzen. Das Wetter muss zu 100% stimmen es sollte keine Gewitterneigung herrschen. Die reine Fahrzeit ist, je nach Kondition, ca. 6 Stunden. Auf dieser Tour, die Aussieht wie eine Acht, sind vier Pässe zu überqueren, Passo di Gallo 2279m, Passo di Trela 2294m, Passo di Alpisella 2292m und zum Schluss mit dem Jufplaun mit 2334m.ü.m der höchste. Die Steigungen sind aber nicht sehr lang da man nie unter 1830m.ü.m kommt.

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Die erste kurze Schiebestrecke von ca. 10 Minuten, ist wie gesagt bei ca. einem Kilometer. Hinter der Alp Buffalora geht es auf dem Breiten Schotterweg so steil hoch, das fahren kaum möglich ist.
Nach 4 Kilometer kommt die Abzweigung zum Passo di Gallo. Links geht’s weiter hoch zum Jufplaun



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Einen Kilometer später kommt bereits der Grenzübergang zu Italien, dieser ist mit einem schlichten Grenzstein markiert und befindet sich auf dem Passo di Gallo 2279m

 

IMG 3694 IMG 3718 Auf der Italienischen Seite beginnt jetzt ein gut ausgebauter Forstweg, der bei Km 7 in einen super schönen Singletrail mündet. Das Adrenalin steigt und es macht so richtig Spass durch den lichten Arvenwald zu fahren. Die engen Serpentinen, zwingen einem zwar immer wieder stark auf die Bremsen zu drücken, aber der Trail ist in einem sehr guten Zustand, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, da wir uns einer sehr einsame Gegend bewegen wo eigentlich nur Mountainbiker herfahren.  


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Unten angekommen, am Nebenarm des Lago de Livigno, gibt es im Moment (2015) zwei knifflige Passagen wo das Bike geschoben werden sollte. Der lose Schiffer auf dem schmalen Schotterweg, ist nur mit Risiko zu befahren da es Rechts sehr steil bergab geht. Da ich alleine unterwegs bin, wollte ich nichts riskieren.

IMG 3721 IMG 3723 IMG 3725 Im weiteren Verlauf geht es auf einem schönen Forstweg, leicht erhöht über dem Lago di Livigno, Richtung Passo di Fraele. Der Trail endet bei einer Brücke wo man eine grandiose Aussicht auf die Schotterlandschaft des Passo die Fraele hat. Hier treffe ich zum ersten Mal auf andere Mountainbiker.

Der Passo di Fraele, bei Km 15,7 ist mit 1955m.ü.m kaum spürbar. Hier besteht die Möglichkeit links abzubiegen um ins Val Mora zu gelangen. Für mich geht’s aber vorerst weiter zum Lago di San Giacomo.

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Die Standardroute um nach Livigno zu fahren führt durchs Valle Alpisella über den Passo di Alpisella 2292m und beginnt bei Km 17. Ich habe mich entschieden den Passo di Alpisella von der andren Seite zu befahren, also von Livigno aus. Daher führt mein Weg weiter am südlichen Ufer des sehr schönen Lago di San Giacomo entlang.

 

IMG 3733 IMG 3734 Bei Km 19.2 biegt man rechts ab Richtung Passo di Trela 2294m. Jetzt erfolgt der Zweite Aufstieg, von 1960m geht’s auf knapp 2300 Meter hoch. Am Anfang noch recht moderat, wird’s dann erneut recht heftig und ich muss wieder ein paar Schiebpassagen einfügen. Dass man hier alles fahren kann, zeigen mir zwei Italienische Bikerinnen, die hier hochkurbeln als wäre es etwas von leichtesten. Da war ich doch kurz mal Erstaunt. Nun, bei 18-20% Steigung ist bei mir einfach Schluss, schliesslich muss ich 85 Kg den Berg hochtragen.

Bei der Alpe Trela, 2170m.ü.m., wo es ein Restaurant gibt, ist reger Betrieb. Viele Wanderer und Mountainbiker gönnen sich hier eine Ruhepause. Ich fahre weiter, der steile Wiesen Trail direkt dahinter, zwingt mich wieder ein paar Schiebepassagen einzubauen. Hier werde ich von zwei Elektro-Mountainbiker überholt. Trifft man diese demnach auch schon in den Alpen an, da kann man nur hoffen, dass denen nicht plötzlich der Saft ausgeht.

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Der Singletrail schlängelt sich weiter den Trela hoch, zwei, dreimal ist kurz schieben angesagt ansonsten ist der Trail gut zu fahren. Auf dem Trela habe ich mir dann eine längere Ruhepause gegönnt.



IMG 3738 Der Singletrail hinunter nach Livigno ist erste Sahne und macht so was von Spass dass einem fast die Worte fehlen. 7 Kilometer ist er lang, sehr flüssig und in einem Hervorragenden Zustand. Bei Km 28.4 erreicht man eine Brücke, hier links halten und die kurze heftig Steigung in Angriff nehmen, was wiederum für mich eine Schiebepassage bedeutet. Wer hier rechts geht hat die Möglichkeit die Strecke abzukürzen und direkt in den Passo di Alpisella einzusteigen. Der Trail ist aber kaum fahrbar und es ist mit längeren Schiebepassagen zu rechnen. Zudem würde man den folgenden Trail durch den Arvenwald verpassen, der wiederum sowas von genial ist, das man diesen gleich nochmals fahren möchte.

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Bei Km 31 erreiche ich den Lago di Livigno und werde von Menschenmassen fast erdrückt. Obwohl es Montag ist, sind viele Wanderer und Biker unterwegs. Beim Ristoro Val Alpisella gönn ich mir eine Pause im Wissen das ich hier nicht zu lange verweilen darf, den es ist bereits 14 Uhr und ich bin erst ca. in der Hälfte und noch liegen zwei Pässe vor mir.

IMG 3747 IMG 3744 5 Kilometer sind es von Ristoro Val Alpisella, 1838m.ü.m, bis auf dem Passo di Alpisella 2285m.ü.m. Der Aufstieg ist alles auf Naturstrasse, zuerst recht gemässigt, je weiter man nach oben kommt, desto steiler wird er. Irgendwann ist dann wieder mal schieben angesagt. Gut Trainierte Biker können hier die gut 20% Steigung sicher hochfahren, zwei davon haben mich sogar überholt. Der Grossteil wird hier aber sicher ca. 25 Minuten schieben müssen.


Auf dem Alpisella ist dann wieder Pause angesagt. Langsam spüre ich die Strapazen der Letzen Stunden. Ich geniesse die Aussicht, die Einsamkeit, die Ruhe und mache mich anschliessend wieder parat für eine weitere geniale Abfahrt Richtung Lago di San Giacomo.

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Bei Km 38 unbedingt die Abzweigung links auf den Singletrail nehmen, ist ausgeschildert. Auf 2.5 Kilometer werden 260 Höhenmeter vernichtet, Adrenalin Pur. Am Lago di San Giacomo habe ich mir doch tatsächlich kurz überlegt nochmals den Alpisella auf der Forststrasse hochzufahren um diesen genialen Trail abermal unter die Räder zu nehmen. Da ich aber immer noch 17 Kilometer vor mir habe, begrabe ich den Gedanke gleich wieder und mache mich auf den Weg Richtung Val Mora.

 

IMG 3781 IMG 3783 Wiederum geht es über den Passo di Fraele, den man eigentlich nur bemerkt weil er angeschrieben ist. Beim Km 41.6 geht’s dann rechts weg ins Val Mora. Der jetzt beginnende Singletrail ist immer leicht ansteigend und führt mich zum Passo di Val Mora 1934m.ü.m wo auch gleichzeitig die Grüne Grenze zwischen Italien und der Schweiz darstellt. Warum das hier ein Pass ist, ist mir schleierhaft, denn der Singletrail steigt weiter an und führt mich durch eine wunderschöne Trail Landschaft mit vielen Gerölfeldern die mit einer guten Bikebeherrschung allesamt zu fahren sind. Angesicht der späten Uhrzeit habe ich auch kein Problem mit dem Gegenverkehr, denn eigentlich bin ich auf einem Trail unterwegs der mehrheitlich von der anderen Seite befahren wird.

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Das Val Mora erinnert mich stark an die Kanadische Wildnis. Dass sowas in der Schweiz noch zu sehen ist, zeigt die Vielfältigkeit unseres Landes. Bei Km 47.3 besteht die Möglichkeit die Strecke Richtung Buffalora abzukürzen. Der Bergweg ist aber nichts für Mountainbiker daher nicht empfehlenswert, ausser man möchte sein Bike wieder mehrheitlich schieben.

 

Ich entschliesse mich weiterzufahren bis zur Abzweigung zur Alp Mora bei Km 49. Begleitet von immer wieder pfeifenden Murmeltieren erreiche ich die bewirtetet Alp auf 2084m.ü.m. Der zuständige Alpwirt ist über mein Erscheinen zur dieser doch später Stunde recht überrascht. Nach einem kurzen Smalltalk geht’s weiter Richtung Jufplaun mit einem Hinweis dass es jetzt dann sehr steil werden wird.

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Was jetzt kommt ist harter Tobak. Bis zur Bachüberquerung bei Km 51 kann ich noch fahren, dann ist aber Schluss mit Lustig. Von hier aus geht es dermassen steil bergauf das ich kaum mein Bike stossen kann. Mein GPS zeigt ein Steigungsprozent von 22 und mehr an. Auf kurzer Distanz werden 200 Höhenmeter überwindet. Hier fährt definitiv keiner hoch, auch runter ist kein schleck und nur wer eine exzellente Fahrtechnik hat, könnte das wagen. Ich würde mein Bike definitiv auch runter schieben. 35 Minuten lang quäle ich mich hinauf, immer wenn mein Pulsmesser die 170 erreicht, mache ich Pause, und das kommt etliche Male vor.

Um 17.40 Uhr habe ich es geschafft und stehe auf dem Jufplaun mit 2334m.ü.m. dem Höchsten Punkt meiner Tour. Fast 20 Minuten bleibe ich hier, erhole mich von den Strapazen und geniesse den einzigartigen Blick ins wunderschöne Val Mora.

Nach einem sehr flüssigen Trail auf dem Hochplateau geht’s nach einer Bachüberquerung wieder zurück auf einem groben Fahrweg zur Alp Buffalora wo es nochmals sehr steil bergab geht. Gegen 18.15 Uhr erreiche ich wieder meinen Ausgangspunkt den Buffalora Parkplatz.

Fazit dieser Tour.

Die Tour führt durch eine fantastische, einsame Berg-Landschaft im Grenzgebiet Graubünden - Italien. Bike technisch nicht allzu schwer S0-S2 auf der Singletrailskala. Konditionell sieht's aber anders aus. Hier muss man körperlich schon gut beieinander sein. Trotz meinen über 1600Km zu diesem Zeitpunkt, war ich doch ab und zu am Limit. Vor allem die Schiebepassagen setzen einem zu. Konditionell starke Biker können sicher diese auf ein Minimum senken.

Die Frage stellt sich jetzt, könnte man die Tour auch andersrum fahren und somit die Schiebepassagen umgehen?

Der Downhill vom Jufplaum ins Val Mora ist sehr steil und für einige Biker kaum Fahrbar, daher ist der Spassfaktor gering. Den Passo di Alpisella hinauf vom Lago di San Giacomo her, ist einfach und alles gut auf einer Forststrasse zu bewältigen (Der danebenliegende Singletrail hochzufahren ist nicht empfehlenswert). Die Abfahrt nach Livigno, auf der Forststrasse, ist im oberen Streckenabschnitt steil und gehört eher in die Kategorie Bremsbelegevernichtungsstrecke. Spassfaktor auch gering. Den Passo di Trela von Livigno her, ist lang und im unteren Bereich steil, schieben, auch im oberen Teil einige Schiebepassagen, der Downhill zum Lago di San Giacomo ist im oberen Bereich schön (Singletrail) im Unteren Bereich sehr steil und gehört auch hier in die Kategorie Bremsbelegevernichtungsstrecke, Spassfaktor auch gering. Der Weg hinauf zum Passo di Gallo ist lang, aber alles fahrbar, wobei wir wieder beim Thema sind, runter macht's definitiv mehr Spass.

Ich würde heute wiederum die gleiche Strecke fahren, trotz den Schiebepassagen. Die Downhills sind bei dieser Variante um einiges Interessanter und das ist doch das, was wir Biker so lieben.

Statistik, aufgenommen mit Garmin Edge 1000

Distanz: 57.0 Km
Zeit in Bewegung: 5:29:24 H
Verstrichene Zeit: 8:46:35 H
Höhenunterschied: 1761m
Höhe min: 1831m.ü.m (Livigno)
Höhe max: 2334m.ü.m (Jufplaun)
Durchschnitts Puls: 151 bpm
Max. Puls: 173 bpm
Durchschnitts Geschwindigkeit: 10.4 km/h
Durchschnitts Temperatur: 23.2 C