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8. Tag

Fort Providence - Yellowknife

08tag
Datum:
22. Juni 2005, Mittwoch
Fahrstrecke: 322 Kilometer
Campingplatz: Fred Henne Park
Bewertung: XXXXXX


Einziger Campground in Yellowknife. Gross aber gut. Am See. Duschen OK. Spielplatz. Sandstrand. Kurze Trails. Ab 15 C$


Bericht:

Die Nacht war eine mittlere Katastrophe. Kaum ein Auge haben wir wegen den Moskitos zugetan. Alle möglichen Ritzen haben wir mit Klebeband verschlossen, aber es hat nichts gebracht. Immer wieder drangen die beissenden Viecher in den Innenraum. Stunde um Stunde standen wir auf, um auf Moskito-Jagd zu gehen. Wir waren total genervt, konnten wir doch nichts dagegen tun. Im frühen Morgengrauen entdeckten wir endlich das Leck: Es war der Dampfabzug über dem Gasherd, der uns eine schlaflose Nacht bescherte. Kaum war es einigermassen hell, war ich auch schon draussen, um endlich das Abzugsloch auf dem Dach zu stopfen bezw. abzukleben. So konnten wir wenigstens das Morgenessen mückenfrei geniessen. Schon um 6 in der Früh, bei trüben Nieselwetter, sind die Viecher so zahlreich unterwegs, dass ein Aufenthalt im Freien beinahe zur Mutprobe wird.

PICT4934 PICT4922 Als wir gegen 8 Uhr den Providence Campground verliessen, war er nur sehr spärlich besetzt, was uns eigentlich nicht sehr verwunderte, hatten wir doch nur sehr selten Touristen auf der Strasse gesehen. Wir sind gespannt, wie das in Yellowknife aussehen wird. Auf dem Frontier Trail (Yellowknife Highway) sind es noch 295 km bis zur Hauptstadt durch den einsamen Mackenzie Bison Sanctuary. Enttäuschung machte sich langsam breit. Sind wir doch schon etliche Kilometer durch Bisonland gefahren, ohne eines der gewaltigen Tiere gesehen zu haben. Aber das sollte sich jetzt ändern. Denn kaum waren wir an diesem frühen Morgen eine halbe Stunde unterwegs, stiessen wir auf eine ca. 60 Tiere zählende Waldbison Herde. Neben mächtigen Bulle gab es auch viele Jungtiere. Wir konnten ohne Probleme direkt daneben anhalten und die gemächlich grasenden Tiere eine Zeitlang beobachten. Aussteigen würde ich aber nicht empfehlen, denn man weiss ja nie, wie sie reagieren würden.

PICT4960 PICT4961 PICT4952 Wir kamen nur langsam voran, denn immer wieder sahen wir Tiere am Strassenrand. Manchmal waren es einzelne Bullen, manchmal kleinere Herden. Ab und zu spazierten sie direkt auf dem Highway, als wollten sie sagen: "Das ist mein Revier und ihr wartet mal schön bis ich mich für eine Strassenseite entschieden habe." Es war ein auf und ab auf den 220 Kilometer bis Rae. Immer wieder sahen wir die mächtigen Giganten am Strassenrand, die kaum mit den Wippern zuckten, wenn wieder mal ein Truck vorbei donnerte. Solche Bullen wie rechts auf dem Foto können gut und gerne 1000 Kilos wiegen und eine Schulterhöhe von 1.90m aufweisen. Allein auf diesem Stück Highway, das auch eine spezielle Naturschutzzone für Bisons ist, sahen wir gegen 200 Tiere.

PICT4967 Von den Waldbisons mal abgesehen, bietet auch diese Strecke nicht viel sehenswertes. Die Gegend ist extrem einsam, es gibt keine Menschen und tanken ist zwischen Providence und Yellowknife nur im abgelegenen Rae möglich. Der Highway selber ist bis zur Brücke über den North Arm sehr gut ausgebaut. Es ist flaches Land mit viel Wald, wobei die Bäume nicht sehr gross sind und gegen Norden immer kleiner werden. Ab und zu druchquert die Strasse Sumpfgebiete, aber sonst hat man immer das gleich Bild vor Augen wie auf dem Foto rechts. Bei Kilometer 160.6 auf dem schönen Rastplatz Chan Lake, traffen wir wieder unseren Ranger, der gestern die Campinggebühr einkassierte. Wir blieben etwas länger als geplant und plauderten ein wenig. Bevor er Ranger wurde war er Truck Driver für Washington - Northwest Terriories, bezahlt nach zurückgelegten Kilometer. Er stammt auf Fort Simpson und hat einen Bruder, der Kanutouren anbietet. Er war schon oft auf den Nahanni River mit Touristen unterwegs, und kann sich kaum erklären, dass es immer wieder solche gibt, die kein Englisch sprechen. Er erzählte uns von Touristen, die in einem See angelten, der gar keine Fische hat und auch nie welche haben wird. Und es soll Touris geben, die sich den Bisons näherten als wären es Haustiere. Interessant zu erfahren war auch, dass er und 3 weitere Ranger sich ein Gebiet von 1500 km2 teilen. Viel Arbeit für ein Land, das hinter dem Highway nichts bietet.

IMG_1050 IMG_1051 IMG_1047 Weiter auf dem Highway, überquerten wir bei Kilometer 243.8 den North Arm (Frank Channel). Die Brücke ist auch ein natürliches Hinderniss für die Waldbisons, da sie hier nicht weiterkommen, wird man kaum noch welche auf der anderen Seite antreffen. Anschliessend zweigt dann die Strasse ab Richtung Rae, 11 Kilometer vom Highway entfernt, ein Indianerdorf mit ca. 2000 Einwohnern. Die letzten 95 Kilometer bis Yellowknife sind dann nicht mehr so gut zu befahren. Zuerst ist der Highway noch geteert, hat aber zahlreiche Schlaglöcher, dann folgt der berüchtigte Abschnitt Schotterstrasse, der die Fahrt nach Yellowknife so berühmt macht. Es ist die einzige Bundeshauptstadt Kanadas, die nicht durch eine durchgehende Teerstrasse erschlossen ist. Ganze 32 km sind geschottert und machmal in einem erbärmlichen Zustand. Kein Wunder wird Tag und Nacht gearbeitet, denn noch in diesem Jahr 2005 soll die Asphaltstrasse fertig werden, die Yellowknife ein wenig attraktiver machen soll. Wie es in Kanada üblich ist , wird nicht die bestehende Strasse ausgebaut, sondern es wird gleich eine neue in die Wildnis geschlagen. Wer Platz hat kann sich sowas eben leisten. Ob die Teerstrasse wirklich fertig wird bis der erste Frost kommt? Bei unserer Durchfahrt waren die Arbeiten auf jeden Fall noch nicht sehr weit vorangeschritten.

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Nur wenige Kilometer vor Yellowknife haben wir wieder Asphalt unter uns. Zuerst liegt der Airport am Wegesrand, der die einsame Hauptstadt täglich mit der Zivilisation verbindet, und dann ist sie da, die Hauptstadt der Northwest Territories. Wir sind am Ziel unserer Fahrt Richtung Norden. Nach über 500 Kilometer Wildnis gibt es plötzlich wieder Ampeln und richtigen Verkehr. Man traut seinen Augen kaum: Eine Stadt im Nirgendwo, schwer vorstellbar, dass hier Menschen leben wollen. Morgen werden wir diese Stadt erkunden.

IMG_1058p IMG_1059 Die Wahl des Campground fiel nicht weiter schwer, da es in Stadtnähe nur einen einzigen gibt, der mit 150 Plätzen aber genügend Platz bietet . Nach der Reservation fuhren wir zuerst ins Visitor Center. Hier erkundigten wir uns nach einem Geschäft, das Mückenschutz anbietet. Denn eine Nacht wie gestern möchten wir nicht noch mal erleben. Im Canadian Tire haben wir dann alles bekommen. Sogar ein Mückennetz für's Bett haben wir gekauft und mit viel Kleppband festgeklebt. Jetzt sind wir gewappnet. Schlimmer als letzte Nacht kann es kaum werden. Oder doch?
Campingpatz-Koordinaten: N 62.28.285, W 114.25.285, Höhe 192m.ü.m

 

Links:  
Bison Sancturay Weiter Homepage über die Bison am Yellowknife Highway (Frontier Trail)

 

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