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7. Tag

Nisutlin River

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Datum: 16. August 2006, Mittwoch
GPS Koordinaten
:
5. Camp: N60 30.1345 W132 39.9809

 


Bericht:

1812 1813 Gabi ist in der Nacht ein paar Mal wegen Geräuschen aufgeschreckt, während ich von eventuellen nächtlichen Besuchern nichts mitbekommen habe. Vielleicht waren es wieder Vögel, die nachts in den Sträuchern nach Nahrung suchen und diese ordentlich zum Rascheln bringen. Als ich um 8.30 Uhr aus dem Zelt schaue ist der Himmel bewölkt und unser Thermometer zeigt 12 Grad an, was doch relativ hoch ist. Die Sonne schaut an diesem Morgen nur kurz hinter den Wolken hervor. Es sollte auch das letzte Mal sein, dass wir sie heute zu Gesicht bekommen. Auf meinem morgentlichen Rundgang endecke ich im hinteren Teil des Sumpgebietes Elchspuren. Vielleicht stammen sie von der vorübergenden Nacht. Es könnte aber auch sein, dass sie auch schon älter sind. Der Boden ist hier sehr tief, Spuren verwischen daher nicht so schnell.

1810p

 

1816 1819 Gabi probiert an diesem Morgen Bannock zum Frühstück. Eine Art Fladenbrot, das typisch für die Wildnisverpflegung ist. Die Zubereitung aus Mehl, Hefe und Wasser ist eine klebrige Angelegenheit und die fast 30 Minuten Garzeit erscheinen uns ein bisschen lang. Aber es schmeckt und das ist die Hauptsache. Es ist kurz vor 10 Uhr und wir sind gerade beim Einpacken, als flussaufwärts drei Kanus auftauchen: es ist die deutsche Gruppe aus Konstanz, die uns am Nisutlin Campground den Benzinkocher repariert hatte.Um 10.30 Uhr setzen auch wir unser Kanu wieder in den Fluss. Ich beobachte gespannt mein GPS und warte auf den Wegpunkt, den wir eigentlich gestern schon hätten passieren sollen. Wir fahren weiter, Kurve um Kurve, aber der Wegpunkt lässt auf sich warten. Dafür treffen wir wieder auf den Tourguide mit seinen zwei Frauen, die gerade ein Nacktbad geniessen und scheu zu uns herüberblicken. Auch in der Wildnis ist mit Überraschungen zu rechnen. 50 Minuten nach unserer Abfahrt erreichen wir endlich den auf dem GPS eingegebenen Wegpunkt. Nun wissen wir wieder, wo wir uns befinden. Demnach sind wir gestern ca. 8 Kilometer weniger weit gefahren als angenommen. Diesen Rückstand müssen wir heute aufholen, damit wir unser Pensum von durchschnittlich 30 Tageskilometer einhalten können.

Wie konnte so was passieren?
Wie bereits erwähnt, ist ein GPS auf so einer Kanutour, nicht unbedingt notwendig. Eine gute Karte reicht da völlig. Zuhause habe ich mir von Google Earth den Fluss ausgedruckt und die Distanzen gemessen. So bin ich auf ein Tagespensum von 30 Kilometer gekommen (200 Flusskilometer durch 6 Nächte, 7 Tage). Die Kilometerzahl hab ich mir dann auf die Karten geschrieben mit dem Vermerk „Camp“. Jeweils 5 Kilometer vor und 5 Kilometer nach diesem „Camp“ habe ich Wegpunkte markiert. Diese Wegpunkte helfen mir zu erkennen, wann wir unser Tagesziel von 30 Kilometer erreicht haben. Sobald der erste Wegpunkt im GPS auftaucht heisst das für uns, ab jetzt können wir Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz halten. So haben wir jeden Tag 10 Kilometer Zeit um ein Camp zu finden. Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig bürokratisch an. Wenn man aber nur 7 Paddeltage zur Verfügung hat, ist eine gute Tageseinteilung sehr wichtig. Ansonsten riskiert man, dass man zu spät am vereinbarten Treffpunkt ankommt und dann niemand mehr da ist, der einen abholt.

Gestern passiert also folgendes:
Wir waren schon etliche Stunden auf dem Fluss, die Paddlerei hat uns schon arg zugesetzt und wir wollten so schnell wie möglich einen Lagerplatz finden. Da ich das GPS nicht immer laufen liess, wusste ich nicht wie schnell wir unterwegs waren. Meine Berechnungen lagen auf ca. 6 Kilometer in der Stunde was dann bei 5 Stunden paddeln eben diese 30 Kilometer ausmachte. In Tat und Wahrheit waren wir aber nur knapp 5 Kilometer pro Stunden unterwegs, zu langsam. Die Gegend hier am Nisutlin sieht mehrheitlich gleich aus. Die Orientierung fällt schwer, ausser man schaut jede Minute auf die Karte was wir natürlich nicht machten. Zudem kam dieses Flussgeschlengel gerade zum falschen Zeitpunkt. Die vielen Richtungsänderungen können einem schnell mal Orientierungslos machen. So kam es dann, dass wir uns zu früh für einen Lageplatz entschieden. Übrigens habe ich erst zuhause herausgefunden, wo wir an diesem Tag wirklich übernachtet haben. (Siehe Karte Teil 1). Es zeigt einfach, dass man sich nicht auf den menschlichen Orientierungssinn verlassen sollte, wenn man eine „Maschine“ hat, die was anderes sagt. Meistens hat die Maschine, sprich GPS, Recht.

1828 1842 Heute zeigt mein GPS meistens nur noch 3 Km/h Fliessgeschwindigkeit an. Der starke Gegenwind macht uns zu schaffen und erleichtert das ständig notwendige Paddeln nicht gerade. Wir schauen, dass wir mehrheitlich in Ufernähe fahren können, somit sind wir nicht voll dem Wind ausgesetzt. Die Landschaft ist eintönig. Meistens dasselbe Bild. Links und Rechts eine ca. 1.5 Meter hohe Uferböschung, darüber viel Wald. Grössere Lichtungen sind nicht zu sehen. Sand-  beziehungsweise Kiesbänke gibt es nicht mehr so viele. Auf einer dieser Kiesbänke ziehen wir unsere Regenbekleidung an. Wir sehen dunkle Wolken vor uns und manchmal ist auch ein Tropfen zu spüren. Wir wollen aber gewappnet sein, wenn der Regen richtig loslegt. Bald erreichen wir den Thirty Mile Creek, ein Nebenfluss des Nisutlins. Viel zu sehen gibt es aber nicht, es ist nur ein kleines Flüsschen. Hier soll es ein gutes Hochwasser Camp haben. Wir können aber diesbezüglich nichts sehen. Bei diesem Niedrigwasser könnte man auch auf der Kiesbank ein Lager aufstellen.

1840 1838 1830 Der Nisutlin ist anfällig auf die Schneeschmelze im Frühjahr. Neue Kanäle können entstehen, wenn sich der Fluss, in seinem wilden Frühlingstreiben, dazu entschliesst die Richtung zu ändern. Bei Hochwasser wird es gewiss schwierig sein, einen geeigneten Lagerplatz zu finden. Jetzt im August bei diesem Niedrigwasser, ist das aber kein Problem. Hinter einer Flussbiegung treffen wir wieder auf unsere 6 Bodensee Kanuten. Sie machen gerade Rast, als wir an ihnen vorbei fahren. Am frühen Nachmittag erblicken wir am linken Flussufer eine Elchkuh. Da wir von hinten kommen sieht sie uns erst im letzten Augenblick. Sie versucht mit aller Kraft die steile Böschung hoch zu klettern, was ihr dann nach mehreren Anläufen auch gelingt. Dies war nun das zweite Mal, dass wir am Nisutlin Elche beobachten konnten.

Wir erreichen Kilometer 142. Von jetzt an werden auf dem GPS wieder die Wegpunkte aktiv. Das heisst, von jetzt an können wir uns wieder für einen Lagerplatz entscheiden. Der Fluss wird hier wieder kurviger, also bestens geeignet um in einer Kurve wieder eine schöne Sandbank zu finden. Wir müssen nicht lange suchen. In einer Rechtskurve sehen wir eine grosse Sandbank, die sich ideal als Lagerplatz eignet. Wir gehen an Land und suchen die Gegend nach Spuren ab. Auf der Karte sehe ich, dass wir uns bei ca. Kilometer 146 befinden müssen. Wir haben demnach heute ca. 40 Kilometer gemacht, haben aber immer noch einen kleinen Rückstand auf unsere Marschtabelle.

1848 Auch dieser Lagerplatz ist gross, sandig und übersichtlich. Allerdings gibt es nicht allzu viel Holz, so dass unser Lagerfeuer heute etwas mickrig ausfallen wird. Spuren finden wir keine. Laut Karte ist auf der gegenüberliegenden Flussseite ein gutes Hochwassercamp. Weiter hinten soll ein grosses Sumpfgebiet sein. Eventuell würde man dort Elche sehen und gewiss von Moskitos umschwärmt werden. Wir schlagen wieder unser Lager auf. Der weiche Sand macht den Transport vom Kanu zum Zelt und zur Küche recht anstrengend. Dafür blinzelt wieder die Sonne durch die Wolken und gibt der Natur ihre wärmenden Farben. Es ist ziemlich windig und wir haben Mühe ein anständiges Feuer zu machen. Unser Nachtessen besteht aus Nudeln mit Tomatensosse und Trockengemüse. Die dunklen Wolken lassen uns bald im Zelt verschwinden, obwohl wir von unserem Platz  aus einen schönen Blick auf die Berge der Big Salomon Range haben, die uns schon während der ganzen Fahrt begleiteten. In der folgenden Nacht ist es extrem ruhig und wir schlafen tief und fest wie noch nie auf der ganzen Tour.
1856p

 

 

 

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