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6. Tag

Lapie River Canyon - Frenchman Lake

06-tag
Datum:
22. Juni 2010, Dienstag
Fahrstrecke: 218 Kilometer
Campingplatz: Frenchman Lake Campground
Bewertung: XXXXXX


Government Campground am Frenchmen Lake. Schöne Gegend. Hat nur ca. 12 Stellplätze, die rasch belegt sind, da der See vor allem unter Anglern sehr bekannt ist. 12C$


Bericht:
IMG_0826 Es war kurz nach 9 Uhr als wir uns wieder auf den Weg machten. Den heutigen Tag werden wir auf dem Campbell Highway verbringen. Der Name kommt von Robert Campbell, der erste weisse Mann, der diese Gegend erkundet hat. Der Campbell Highway ist das ganze Jahr offen. Von Watson Lake, am Alaska Highway, bis nach Carmacks, am Klondike Highway, sind es 583 Kilometer, 40% davon geteert, mehrheitlich vom westlichen Teil der Strecke. Wer von Watson Lake direkt nach Dawson City möchte, kann diese Strecke als Alternative nehmen. Sie ist gegenüber dem Alaska und Klondike Highway um 32 km kürzer. Die Reisezeit dürfte aber um einiges länger sein, wegen der reduzierten Geschwindigkeit auf dem ungeteertem Teilstück. Vorallem die Strecke von Watson Lake bis Ross River, 363km, ist ein enge Angelegenheit. Meistens hat nur ein Fahrzeug auf der Strasse Platz. Wir sind die Strecke im Jahr 2003 gefahren.

IMG 0837 IMG 0836 Gravel, Teer, Gravel und wieder Teer. Auf den knapp 50 km bis nach Faro ist ausser der Strassenbeschaffenheit nichts besonderes zu erwähnen. Uns begegnete kein einziges Auto. Bei km 414.3 erreicht der Campbell Highway die Stichstrasse ins 9 km entfernt Faro. Im Jahr 2003 sind wir hier einfach vorbeigefahren, dieses Jahr nehmen wir den kurzen Weg nach Faro unter die Räder.

IMG 0853 IMG 0839 Faro ist eine alte Minenstadt, die zu Boomzeiten über 2000 Einwohner zählte. Heute leben hier 341 Menschen. Faro ist also ein Kaff ähnlich Ross River, allerdings ein wenig schöner und interessanter. Es hat hier sogar ein Visitor Center und einen Campground. Ersteres ist unbedingt anzuschauen. Das schöne Holzhaus am Dorfeingang fällt einem sofort auf. Es ist das Interpretive Center der Campbell Region. Drinnen begrüsste uns eine ca. 50jährige Frau, die ursprünglich aus Bayern stammt. Sie lebt seit 10 Jahren in dieser einsamen Gegend und konnte uns so einige Geschichten erzählen. Das grösste Problem momentan in Faro ist das Benzin, da eine Tankstelle fehlt. Ich konnte das gar nicht glauben. Ein Dorf mit fast 400 Einwohnern, weitab der Zivilisation und es gibt keine Tankstelle, unvorstellbar. Im Jahr 2008 wurde die Tankstelle durch Brandstiftung zerstört und seither hat es die Regierung nicht mehr geschafft hier eine Tankstelle aufzubauen. Auf die Frage wie denn das Leben so sei, wenn's in der Wildnis keine Tankstelle gibt, kam promt die Anwort: eine Katastrophe. Ihr Mann arbeite in der Mine oberhalb Faro und bekommt wenigstens immer Ende Woche einen Lohnanteil in Benzin ausgezahlt. Aber mit 50 Liter pro Woche ist hier in der Gegend, wo die Wege lang sind, nicht viel auszurichten. Viele holen ihr Benzin in Ross River, hin und zurück 150 km; ihr Mann fährt einmal im Monat nach Whitehorse, hin und zurück 725 km, und holt dort das Benzin gleich im 200 Liter Fass. So kommt man einigermassen über die Runden. Aber solange die Tankstelle fehlt, bleiben auch die Touristen aus. Denn die tanken nun in Ross River und fahren dann an Faro vorbei und das ist schlecht für's Geschäft.

Die nette Dame vom Visitor Center bietet uns das Telefon an, um mit unserer Telefonkarte nach Hause zu telefonieren. Ausserdem verfügt das Center über einen wireless Internetanschluss und so kann ich endlich wieder nachschauen, was so an der Fussball WM in Südafrika passiert ist. Interessant, die Schweiz verliert gegen Chile und das nach dem guten Start gegen Spanien. Ebenfalls zweimal hinschauen musst ich beim Resultat von Deutschland gegen Serbien, so was! Als Fussballfan wurmt es mir manchmal schon, dass ich die Spiele nicht anschauen kann.

IMG 0843 IMG_0846 Um Faro herum gibt es einige ausgebaute Wanderwege, wir entschliessen uns für den kurzen zu den nahe gelegenen Wasserfällen.  Als wir wieder zurück zum Visitor Center kommen dürfen wir auf dem gegenüberliegendem Campground sogar gratis das Abwasser ablassen und neues Frischwasser auffüllen. Der Campground macht einen gepflegten Eindruck und ist auch für grössere Camper geeignet. Einige Plätze habe Storm und Wasseranschluss und auch Duschen sind vorhanden, die wir auch hätten benützen können wenn wir gewollt hätten. Wir fragen uns wie sich so ein Ort finanziert und ob sich so gut ausgebaute Wanderwege überhaupt lohnt bei den wenigen Touristen.

IMG_0851 DSC00276 Die kleine "Stadtrundfahrt" durfte natürlich auch nicht fehlen. Viel gibts aber nicht zu sehen und Verkehr hat es sowieo keinen, da die meisten wahrscheinlich am Benzin sparen sind. Im einzigen Tante Emma Laden, dem Hardware Store, nur wenig besser als der in Ross River, kaufen wir noch diverse Lebensmittel ein und bezahlen dabei fast ein Vermögen. Das Gemüse schaut aus als ob es schon mehrere Tage im Regal zugebracht hätte und vom Frischfleisch wollen wir besser gar nicht erzählen. Es ist schon unglaublich wie hoch die Preise in diesen abgelegenen Ortschaften sind - wie können die Leute hier das bloss bezahlen, da die Löhne ja wohl kaum Schweizer Niveau haben. 

IMG 0858 IMG_0859 IMG_0860 Gegen Mittag verlassen wir Faro. Auf dem Campbell ist der Verkehr sehr spärlich. Alle ca. 10 Kilometer kommt uns ein Auto entgegen und das sind meistens Einheimische, wahrscheinlich Faro-Leute am Benzin holen:-)). Bei km 468.1 erreichen wir den Little Salmon Lake mit Government Campground Drury Creek inkl. Boat Launch (empfehlenswert). Bei km 501.9 erreichen wir den zweiten Gouvernment Campground am Little Salmon Lake. Auch dieser liegt direkt am See und ist aus unserer Sicht ebenfalls empfehlenswert. Wir fahren aber trotzdem weiter. Unser Ziel ist ja der Frenchman Lake.

IMG 1944 Bei km 543.3 erreichen wir die Abzweigung zur Frenchman Lake Road. Diese Strasse ist eine alternative Verbindung zum Klondike Highway. Der Campbell Highway führt von hier ebenfalls zum Klondike ist aber um einiges länger als über die Frenchman Lake Road. Die Frenchman Lake Road ist nur für Reisende interessant, die nach Dawson City möchten. Wer nach Whitehorse fahren will der nimmt besser weiterhin den Campbell. Zudem ist die Frenchman Lake Road nichts für grosse Motorhomes. Bis zum See, 4.5 km ab Abzweigung, ist die Strasse noch breit genug und auch für grosse Motorhomes geeignet anschliessend ist damit aber definitiv Schluss. Doch mehr dazu morgen.

IMG_0899 IMG 0880 Gegen 16 Uhr treffen wir am Frenchman Lake ein. Der Campground ist schon sehr gut besetzt. 5 riesige Ami-Motorhomes mit allem Drum und Dran haben bereits Platz gefunden. Alles amerkianische Rentner, die hier ihren Urlaub verbringen und ihr Glück beim Fischen suchen. Der See selber ist unter den Fischern ein Geheimtipp. Hier soll es Forellen und Hechte geben, die alle normalen Dimensionen überschreiten. Wir sind ja mal gespannt. Wir kennen den Frenchman Lake schon von unserer Reise 2003. Wir machen unser Ally Kanu startklar. Die paar Ami-Rentner am Ufer schauen uns ein wenig skeptisch an als wir unser Kanu ins Wasser setzen. Ganz nach der Devise, was bei den Amis kein Motor hat, ist sowieso nicht brauchbar. Unsere kleine Kanutour führt uns zuerst am linken Ufer entlang. Wir habe uns vorgenommen ca. 1-2 Stunden zu paddeln. Von der Grösse her ist der Frenchman Lake nicht mit dem Sydney Lake oder den Lapie Lakes an der South Canol Road zu vergleichen.

IMG 0878 Die Gesamtelänge wird auf etwa 17 km geschätzt und daher ist hier ein Motorboot wohl komfortabler als ein Kanu. Der Zugang zum See ist nur am Campground möglich. Wenn man eine defekte Angelrute hat, die Schnurrspule ist defekt bzw. die Kurbel dazu, sollte man vielleicht im Yukon nicht auf Fischjagt gehen. Warum? Ganz einfach: Es hat zuviele Fische. Ich konnte trotz der defekten Angel natürlich nicht widerstehen. So eine oder zwei kleine Aeschen würde ich auch mit einer defekten Schnurrspule noch an Land ziehen können. Gesagt getan. Auf einer kleinen Uferanhöhe versuchte ich also mein Glück. Schon beim ersten Auswurf war eine Aesche am Hacken. Diese war aber zu klein und löste sich schon beim Heranziehen vom Hacken. Also nochmals. Wieder flog der Hacken weit nach draussen. Kaum im Wasser versuchte ich mit der defekten Spule den Hacken langsam aufzurollen - schwierig mit dem defektem Gerät. Irgendwo am Sydney Lake muss ich wohl die dazugehörige Schraube verloren haben. Doch plötzlich ging nichts mehr. Scheisse, dachte ich, jetzt hat sich der Hacken noch irgendwo im Moosboden verfangen. Mit bewegen der Angel und lösen der Schnurr versuchte ich irgendwie den Hacken wieder frei zu bekommen. Doch plötzlich zog irgendetwas daran. Die Schnurr rollte sich immer mehr ab und als ich die Bremse an der Spule einschaltete, hat es mir beinahe die Angel aus den Händen gerissen. Da war was dran und zwar was ganz fettes.

DSC00279 Langsam probierte ich den Hacken reinzuholen, derweil Gabi im Kanu gespannt auf die rüttelnde Schnurr schaute. Durch die defekte Kurbel kann ich kaum drehen. Nach 15 Minuten sehe ich endlich, was ich am Hacken habe. Es ist ein dicker fetter Hecht. Geschätzte 70-80cm lang. Das Problem ist jetzt, wie bringe ich den an Land. Ich stehe auf einer Anhöhe, etwa 1m über der Wasseroberfläche. Runtergehen ist nicht möglich, da direkt der See beginnt und es keinen Strand hat. Eine Aesche hochzuziehen wäre kein Problem, aber ein 70cm langer Hecht, das ist unmöglich. Es gibt nur eine Möglichkeit: Die Angelschnurr durchtrennen. Nur das Problem ist, ich Depp, habe kein Messer dabei. Das liegt in meinem  Rucksack und der ist im Kanu. Ich rege mich auf, wiedermal schlecht vorbereitet. Irgendwie muss ich zu meinem Messer kommen. Irgendwie muss ich diese Schnurr druchtrennen können, irgendwie muss ich dieses Kraftpaket von meiner Angel losbringen, aber wie? Es ist eine ungemütliche Angelegenheit. Nach 15 Minuten wird es endlich ruhiger. Es sieht so aus, als hätte der Hecht aufgegeben. Eventuell könnte ich jetzt den Hacken aus seinem Mund entfernen, geht es mir so durch den Kopf. Ich müsste nur irgendwie diesen Abhang herunterkommen. Kaum habe ich mich damit auseinandergesetzt, schlägt er wieder aus, reist mir fast die Angel aus den Händen. Durch das enegrisch Festhalten der Angel und den Gegendruck von mir reisst es ihm den Hacken aus dem Mund. Uff, geschaft, er hat sich tatsächlich losreisen können. Bin ich froh. Knapp 30 Minuten haben wir jetzt mit diesem Hecht verbracht. Jetzt sind wir wohl beide zufrieden. Er hat seine Freiheit wieder und wir können endlich wieder mit unserem Kanu weiterfahren. Mit dieser Angel werde ich nicht mehr auf Fischjagt gehen. Die Lust ist mir definitiv vergangen.

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Erst beim Weiterfahren sehen wir, dass uns ein junger Weisskopfadler die ganze Zeit beobachtet hat. Was der wohl gedacht hat?

 

Links:  
Faro Ein Minen Dorf am Campbell Highway
Der Campbell Highway Ein paar Infos über den Campbell Highway



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