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5. Tag

Lapie Lakes - Lapie River Canyon

05-tag
Datum:
21. Juni 2010, Montag
Fahrstrecke: 178 Kilometer
Campingplatz: Lapie River Campground
Bewertung: XXXXXX 

 
Government Campground am Lapie River. Schöne Gegend. Eine kleine Wanderung zum Canyon ist ausgeschildert. 12C$


Bericht:

IMG 1904 IMG 1903 Ein wunderbarer Morgen, den wir mit einer Kanutour beginnen. Über eine Stunde paddeln wir auf den glatten Lapie Lakes. Morgentlich unberührt breitet sich der See vor uns aus. Wir fahren zu der Stelle, wo der Fluss in den See mündet. Selbst im 30 cm tiefen Wasser kommen wir mit unserem Ally bestens voran. Wir fahren ein kurzes Stück den Fluss hoch, kehren dann aber wieder um, da ein späteres Wenden auf dem nur ca. 3-4 m breiten Fluss mit sehr sumpfigem Ufer heikel werden könnte. So schön es Abends auf dem See ist, so speziell ist die Stimmung am Morgen. Die Gegend hier um die Lapie Lakes eignet sich laut Milepost gut zum Mountainbiken und zum Wandern. Irgendwo soll es auch noch die Thomson Falls geben. Wir haben aber beim besten Willen keine Wasserfälle gesehen und auch keine Wanderwege ausfindig machen können. Zudem frage ich mich, wo man im dichten Gestrüpp mit dem Mountainbike rumradeln soll. 

Als wir schliesslich zurück zum Camper kommen scheint die Sonne warm auf unsere Outdoor-Dusche, so das wir ein Freiluftbad wagen. Diese Dusche - ein schwarzer Plastiksack mit Schlauch und Brausekopf - haben wir in einem Schweizer Outdoorladen gekauft. Laut Hersteller soll man diese einfach mit Wasser füllen und dann in die Sonne legen. Der schwarze Sack wird dann von der Sonne so stark erwärmt, dass das Wasser schön warm wird. Nun, die Sonne hat natürlich an diesem Morgen noch zu wenig Kraft um das Wasser auf eine wollige Wärme aufzuheizen. Gabi schreckt das aber nicht ab und macht gleich eine Ganzkörperdusche. Ich lasse es beim Haarewaschen bewenden. Wir haben auch eine Dusche im Camper, die wir aber bisher noch nicht benutzt haben, da sie eher was für sehr schlanke Typen ist.

Es ist IMG 1908 kurz vor 11 Uhr als wir diesen schönen Ort am Lapie Lakes (km 162.7) wieder verlassen. Hier hätte ich es wirklich noch ein paar Tage ausgehalten. Die weitere Fahrt ist sehr schön und auch das Wetter spielt vorläufig noch mit. Nur knapp 3 km weiter sehen wir einen weiteren Lake. Auch hier ist laut Milepost ein guter Platz um zu Campen. Gestern kurz vor den Lapie Lakes haben wir die Salmon Range überquert. Richtung Süden floss der Ross River und hier, Richtung Norden folgen wir jetzt dem Lapie River. In dieser Gegen soll es übrigens viele wilde Pferde geben - gesehen haben wir allerdings keines.

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Je näher wir dem Lapie Canyon kommen desto schlechter wird die Strasse und auch das Wetter. Bei km 194.2 erreichen wir den Canyon. Die nächsten 18 km sind laut Milepost die gefährlichsten auf der South Canol Road. Die Strasse ist sehr eng, meistens hat nur ein Auto Platz. Auch steigt sie jetzt stark an und nach kurzer Zeit sind wir schon 150 Meter höher als der Lapie River. Oben angekommen hat man einen wurderbaren Blick auf den River, der sich durch den Canyon schlängelt. Es hat angefangen zu regnen, Blitz und Donner begleiten uns. Zum ersten Mal wird das Fahren echt mühsam. Die Strasse ist derart schnell aufgeweicht, dass wir nur mit Mühe vorankommen. Immer wieder geht es steil bergauf um nur wenige Meter weiter wieder steil bergrunter zu gehen. Der lehmige Boden wird zu einer richtigen Rutschpartie.

DSC00230 IMG_0776 Das Profil in den Reifen wird durch den klebrigen Lehm richtiggehend zubetoniert und die ganze Angelegenheit wird langsam kriminell. Ohne 4-Radantrieb hätten wir hier keine Chance. So können wir wenigstens im Schritttempo weiterfahren. Es giesst in Strömen, rund um uns donnert es und die Wolken hängen tief in den Bergen. Es sieht gespenstig aus und doch ist die Stimmung einmalig. Links erhebt sich die Steilwand, an der das Wasser von den Bergen herunter rauscht und rechts geht es steil hinunter in den Canyon. Ich versuche den Wagen so gut es geht in der Mitte der Strasse zu halten - dass uns jetzt nur niemand entgegenkommt! Für diese 18 Kilometer brauchen wir über eine Stunde und sind heilfroh als es überstanden ist.

IMG_0782 IMG_1910 IMG_0785 Bei km 212.9 erreichen wir die enge 1-Lane Brücke über den Lapie River und somit das Ende des Canyon. Gerade als wir über die Brücke fahren wollen kommt uns ein Wagen entgegen. Es ist der erste, den wir seit der Abfahrt sehen. Es ist ein Fahrzeug des Strassenunterhalts also keine Touristen. Das Wetter hat sich auch wieder gebessert. Der strömende Regen hat aufgehört und die Sonnen blinzelt ab und zu sogar hervor.

IMG_1914 Kurze Zeit später erreichen wir bei km 220 die Kreuzung zum Campell Highway. Die South Canol Road ist somit geschafft. Wir waren begeistert von dieser Strasse durch eine wunderbare Landschaft, trotzt dem nassen Ende. Der Strassenzustand ist eher mittelmässig mit viele Schlaglöcher vorallem im Lapie Canyon und am Quiet Lake. Je nach Jahreszeit kann der Zustand aber stark variieren. Ich würde jetzt mal behaupten, dass die Strasse im August und September besser ist als im Juni Juli. Der Grund ist, je länger sie offen ist, desto mehr wird daran gearbeitet. Die Strasse direkt am Lapie Canyon ist sehr eng und unübersichtlich. Für längere RVs und Camper nicht geeignet.

DSC00241 IMG 1919 In Ross River (Einwohner 313) angekommen fuhren wir zuerst tanken, wobei wir wieder auf das Pärchen aus Alaska traffen. Sie werden die North Canol Road nicht befahren, wollen stattdessen heute noch zum Lapie Canyon Campground und morgen weiter in Richtung Watson Lake. Ross River sieht noch so aus wie bei unserem letzten Besuch vor 7 Jahren. Als wäre die Zeit stehengeblieben. Die Tankstelle mit integriertem "Einkaufspalast" ist immer noch ein dunkler, fast fensterloser Schuppen, unaufgeräumt und dermassen schlecht beleuchtet, dass man kaum was sieht. Gabi schrieb ins Tagebuch "Immer noch gleich grusig. Wie man hier arbeiten kann ist mir ein Rätsel. Aber in jedes Loch gehört wohl eine Ratte". Die Dieselzapfsäule an der Tankstelle ist ein absolutes Unikum: Sieht aus als wäre sie vor ein paar Tagen explodiert und nur notdürftig zusammengesetzt worden. Will man tanken, muss man erst im Schuppen den Zapfhahn freischalten lassen. Als ich dann auf den Zähler schaute traff mich fast der Schlag: So teuren Diesel gibts ja nicht mal am Südpool. Erst nach genauerem Hinsehen merkte ich, dass die Zapfsäule in Gallonen rechnet und nicht in Litern. Sowas, wir sind doch in Kanada und da ist das metrische System gültig und nicht das Amerikanische! Hier ist halt alles ein wenig anders. Im Shop, auf die Frage, ob man Klebeband habe, sagte uns der bärtige Kauz, wir sollten doch mal im Lager nachschauen.  Was für ein Irrgarten. Hier mussten wir zuerst über Kisten, Rollen und Tablare steigen bis wir das betreffende Regal sehen konnten. Wir waren ein wenig skeptisch als er uns nach dem Prinzip, links, links, rechts, gradeaus, links, zweimal rechts und da ist das Klebeband, den Weg erklärte. Aber siehe da, dieser Mensch kennt seinen Laden! Als wir ihn dann noch nach dem Zustand der North Canol Road fragten, hob er nur kurz die Schulter und meinte, die Einheimischen fahren die Strecke und wie der Zustand so ist, wir würden es dann ja sehen. Tolle Auskunft. Obwohl unsere Vermietstation Fraserway Fahrten auf der North Canol Road untersagt, entschlossen wir uns doch mal einen Blick auf diese Strasse zu werfen. 

Die North Canol Road beginnt in Ross River und endet nach 232 Kilometer am Macmillan Pass. Früher, in den Anfängen der Canol Road, führte die Strasse noch bis Norman Wells in die Northwest Territorys. Heute geht's ab dem Pass nur noch zu Fuss, per Mountainbike oder per Motorrad weiter. Die Strasse wird als eng, kurvig und rau beschrieben. Es gibt auf der ganzen Strecke keine Servicestation und keine menschliche Ansiedelung, dass heisst, wer bis zum Macmillan Pass will muss Treibstoff haben für 464 Kilometer. Die Strasse ist nicht empfehlenswert für grössere Motorhomes, viele Vermieter erlauben es gar nicht diese Strasse zu befahren. Ausserdem sollte man sich nicht auf den Weg machen wenn Regentage angekündigt sind. Die Strasse weicht dann auf und wird extrem rutschig. Gemäss einem Bericht im Internet plant man die North Canol Road auszubauen und touristisch attrakiver zu machen. Da bin ich ja mal gespannt.

IMG 1921 IMG_0800 Damit man überhaupt auf die North Canol Road kommt muss man zuerst den Pelly River überqueren. Möglich macht das eine kostenlose Fähre, die täglich von 8-12 Uhr und von 13-17 Uhr fährt (Mai bis Mitte Oktober). Wer nur mal schnell zu Fuss rüber will, kann das auf einer wackligen Brücke tun. Wir überqueren den Pelly River gegen 13.15 Uhr. Die ersten Kilometer folgt die Strasse dem Ross River. Die Strasse ist in einem guten Zustand, was dem Grader zu verdanken ist, der hier gerade durchgefahren ist. Bei km 10.9 erreichen wir die erste 1-Lane IMG_0799 Brücke. Hier treffen wir auch den Grader, der gerade unzählige Löcher in der Strasse am Stopfen ist. Ab hier wird die Strasse merklich schlechter, führt mehrheitlich durch dichten Wald, so dass es kaum Ausblicke gibt. Es sieht auch so aus als hätte es vor kurzem stark geregnet. Die Strasse ist nass und rutschig. Wir fahren trotzdem weiter. Unser Ziel für heute wäre eigentlich der Dragon Lake bei km 104.7 gewesen. Morgen wollten wir bis zum Autofriedhof bei (km 151) fahren und dann beim Sheldon Lake übernachten. Übermorgen dann wieder zurück nach Ross River. So sah unser Plan für die North Canol Road aus. Nun die Betonung liegt auf "Plan", denn es kam ganz anders. Je weiter wir fuhren desto schlechter wurde die Strasse. Der Regen, der vor wenigen Stunden hier niederging, hat alles in eine riesige rutschige Seifepiste verwandelt. Ausserdem folgten Schlaglöcher so gross und tief wie Autoreifen jetzt im Sekundentakt. Die Spurrillen war so aufgeweicht, dass ich an einigen Stellen nur mit 4-Radantrieb vorwärts kam. Für 40 km brauchten wir fast 2 Stunden. Die Wohnkabine hinten wurde derart durchgerüttelt, dass alle Schränke aufsprangen. So eine schlechte Strasse hatten wir im Yukon noch nie erlebt. Kein Wunder wird diese Road von den Autovermietern verboten. Wer hier nicht mit gewisser Sorgfalt fährt, kann schnell was am Fahrzeug kaputt machen.

IMG 0791 IMG 1928 IMG 1929 Bei km 45.2 erreichten wir den Orchie Lake. Hier hat es eine winzige Boatlaunch, mehr aber auch nicht. Nach kurzen Spaziergang während dem wir von Moskitos nur so aufgefressen wurden, entschlossen wir unser Abenteuer North Canol Road zu beenden. Die Option weiterzufahren bestand angesichts des miserablen Strassenzustand nicht und hier zu bleiben und Kanu zu fahren war wegen den Moskitos und fehlendem Stellplatz auch keine Option. Bis zum Dragon Lake wären es immer noch 60 km und das würde bei dem Strassenzustand ca. 2 1/2 Stunden Fahrt bedeuten. Schweren Herzens wendeten wir unseren Truck und fuhren wieder zurück. Jetzt gabs aber plötzlich ein anderes Problem: Die Fähre. Die fährt nämlich nur bis 17 Uhr und es war bereits 15.15 Uhr. Für den Hinweg hatten wir 2 Stunden gebraucht mit ein paar Fotostops, also würde 1 Stunden und 45 Minuten Rückweg für 45 Kilometer locker reichen. Wie man sich doch täuschen kann! Nach einer Stunde fing es an zu regnen und die Strasse nahezu unpassierbar. Der Boden war derart aufgeweicht, dass das Fahrzeug mehr oder weniger einfach den Spurrillen folgte und ich gar nicht mehr steuern musste oder konnte. Jedes Stück steil bergauf und dann wieder steil bergrunter wurde zur Mutprobe, da der Truck immer wieder ins Rutschen kam. Der lehmige Boden ist wie Beton wenn er trocken ist, ist er nass, setzt sich die klebrige Masse in alle Rillen, verstopft sie und man fährt wie auf Slicks. Buchstäblich in letzter Minute um Punkt 17 Uhr erreichten wir doch noch die Fähre. 

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Ich habe mit dem Truck die Fähre genommen, während Gabi zu Fuss die Brücke überquerte und von dort aus dieses Foto machte.

 

In Ross River gings nochmals zum "Einkaufspalast" für's Auftanken. Der bärtige Ladenbesitzer und auch der Fährmann vorher, wunderten sich wohl über die 2 jungen europäischen Greenhörner im Bush. Für die knapp 100 Kilometer haben wir 20.5 Liter Diesel verbraucht. Anschliessend fuhren wir weiter zum Campbell Highway.

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Bei km 364.5 (Campbell Highway), also ca. 13 Kilometer von Ross River entfernt, erreichten wir den Lapie Canyon Campground, wo wir übernachteten. Ausser uns ist auf dem 18 Platz grossen Campground nur noch das Pärchen aus Alaska. Am Abend machten wir noch eine kleine Wanderung zum Canyon hinunter. Der Regen hatte sich inzwischen verzogen und der Sonne Platz gemacht.

DSC00265 Sollte die Regierung wirklich vorhaben die North Canol Road auszubauen bzw. besser zu pflegen, könnte dies den einen oder anderen Tourist vielleicht dazu bewegen in diese Gegend zu kommen. Solange die Strasse aber weiterhin (im Moment zu Recht) auf der Schwarzen Liste der Vermietstationen steht, wird sich wohl kaum einer hierher verirren. Wir haben es probiert und sind gescheitert.  Schade, ich wäre gerne mal die North Canol Road auf der gesamten Länge gefahren, einfach nur um die Einsamkeit und die Landschaft zu spüren.

Hier das pdf (ca. 9MB) das Zeigt wie die North Canol Road ausgebaut werden soll. Interessanterweise finden man diese Unterlagen nicht mehr im Internet.

North Canol Road Project (Download 9MB)

Links:  
Ross River Ein "Kaff" am Campbell Highway
North Canol Road

Ein Projekt zur Neugestalltung der North Canol Road

 

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