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5. Tag

High Prairie - Twin Lakes (Mackenzie HWY)

05tag
Datum:
19. Juni 2005, Sonntag
Fahrstrecke: 278 Kilometer
Campingplatz: Twin Lakes Rec. Area
Bewertung: XXXXXX


Schön gelegen am See, nicht sehr gross. Keine Duschen. Kaum belegt. Trail um den See 1h führt z.T. über den alten Mackenzie HW. Spielplatz. Ab 15C$


Bericht:

Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Dumpstation auf dem Campground defekt war und wir unser Abwasser demnach nicht entsorgen konnten, fuhren wir an diesem bedeckten Sonntag weiter Richtung Norden.

IMG_0937 IMG_0940p Unser erster Stopp war Peace River: in der ziemlich trostlosen kleinen Downdown war kaum ein Mensch zu sehen. Naja, Sonntags gegen 12 Uhr nicht unbedingt verwunderlich. Wenigstens konnten wir unser Abwasser loswerden und unser Benzintank auffüllen. Um so grösser war unser Erstaunen, als wir am Ortsende im Shopping Center eine rechte Menschenmenge antrafen. Schon speziell, diese kanadische Stadtaufteilung mit den Versorgungsstation (Lebensmittel) draussen auf der grünen Wiese und den ausgestorbenen Innenstädten.

IMG_0946 IMG_0947 Grimshaw - Mile 0 vom Mackenzie Highway. An diesem historischem Ort durfte natürlich der obligate Fotostopp nicht fehlen. Der Mackenzie, benannt nach dem gleichnamigen Entdecker, der 1779 für die Hudson Bay Company neue Routen suchte, führt von hier aus ins 1001 km entfernte Yellowknife bzw. nach Wrigley, das 1160 km entfernt ist. Der Highway wurde erst 1949 fertiggestellt und noch ist die Strecke Grimshaw - Yellowknife nicht durchgehend geteert. Was sich aber im Jahr 2005 noch ändern wird. Der Mackenzie Highway ist zwar auch im Winter durchgehend befahrbar, jedoch hängt die Öffnung stark mit der Mackenzie Fähre zusammen, die je nach Witterung nicht immer fahren kann. Das Visitor Center, das in einem ausrangiertem Eisenbahnwagen untergebracht ist, sollte man auf keinem Fall verpassen. Obwohl draussen höchstens 15 Grad waren und ein frecher Wind wehte, begrüsste uns drinnen eine Mittfünzigerin barfuss. Diese Nordländer scheinen die Temperaturen irgendwie anders wahrzunehmen. Herzlich warm war auf jeden Fall ihr Empfang und neben allerlei Broschüren und Karten versorgte sie uns noch mit zahlreichen persönlichen Tipps inkl. einer eindrücklichen Warnung vor den Moskitos und den Blackflies dort oben. Obwohl wir diese erste Mahnung nicht ausserordentlich erst genommen haben, sollte sich das im späteren Verlauf unserer Reise noch unschön bewahrheiten. Einmal mehr waren wir dankbar für diese kanadischen Visitor Center, die uns schon so oft auf unseren Reisen eine gute Anlaufstelle waren.

IMG_0954p dehcho In der Sprache der Dene Indianer heisst der Mackenzie River übrigens Deh Cho. Er fliesst vom Great Slave Lake bis in den Artic Ocean und führt ca. 1/4 der kanadischen Wassermenge. Es muss merkwürdig sein für die Indianer, dass die Weissen, um 1800 ihre jahrhundertealte Namen einfach ersetzten. Erst jetzt bemüht man sich hier und da die indianischen und die Namen der weissen (Spät-) Entdecker wenigstens parallel zu benutzen. In Zusammenarbeit mit den Touristikcenter von Alberta, British Columbia und den Nortwest Territories wurde der sogenannte "The Deh Cho Travel Connection" gegründet. Diese grosse Rundtour kann an verschiedenen Punkten begonnen werden. Am besten eignen sich aber die Orte Grimshaw, die Meile 0 am Mackenzie River, oder Dawson Creek , Meile 0 am Alaska Highway. Für welche Meile 0 sie sich auch entscheiden werden, es werden ca. 1800 Kilometer Wildnis und Einsamkeit auf sie warten.

Lohnt sich eine Fahrt in den hohen Norden? Nun, wer über ausreichend Zeit verfügt und ein Fahrzeug hat dem Schotterstrasse zugemutet werden dürfen, sollte sich diesen Teil von Kanada sicher nicht entgehen lassen. Die Reise ist zwar lang und machmal auch einsam, aber sie entschädigt für vieles. Vorallem der westliche Teil mit Fort Simpson und dem Liard Trail, ist heute noch ein spezielles Abendteuer. Und wer kann schon von sich sagen, er sei in Yellowknife gewesen?

IMG_0959 Auf dem Highway, auf dem es nur sehr wenig Verkehr hatte, ging's weiter nordwärts. Die Landschaft wurde schnell abwechslungsreicher und das platte Cowboyland von Edmonton wich mehr und mehr sanften Hügeln und waldigen Tälern. Rastplätze mit Hinweistafeln zu historischen Ereignissen, wie man sie aus anderen Gegenden Kanadas kennt, sucht man auf dieser Strecke allerdings vergebens. Zu jung ist diese Wildnis noch mit den Ortschaften, von denen die meisten gerade erst ihren 50zigsten Geburtstag gefeiert haben.

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Bei Kilometer 143 peilten wir für die Nacht den kleinen Twin Lake Campground (48 Stellplätze) direkt am gleichnamigen See an. Ein altes kleines Männlein mit braunem ledergegertem Gesicht und weissem Bart kassierte die Übernachtungsgebühr und verteilte Brennholz. Für 3C$ erhielten wir eine ganze Schubkarre voll, was bei unserem täglichen Holzverbrauch sicher eine Woche halten wird. Zum erstenmal machten wir auch Bekanntschaft mit den zahlreichen Mücken. Bis jetzt wurden wir von den Viecher noch verschont aber hier am Wasser wurde der Aufenthalt schnell mal unangenehm wenn nicht gerade ein kleines Lüftchen wehte.

 

Links:  
Grimshaw Die Meile 0
The Deh Cho The Deh Cho Travel Connection
Peace River Ein grösserer Ort am Highway Nr. 2

 

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