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3. Tag

Atlin - Sydney Lake

03-tag
Datum:
19. Juni 2010, Samstag
Fahrstrecke: 211 Kilometer
Campingplatz: Freie Uebernachtung
Bewertung:

 

Freie Uebernachtung am Sydney Lake


Bericht:

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Um 3 Uhr morgens bin ich kurz aufgestanden um nach draussen zu gehen. Es war recht frisch. Obwohl mitten in der Nacht, war es kaum dunkel. Vieles in der Umgebung konnte man gut erkennen. Ich schoss ein paar Fotos und ging wieder ins Bett. Bin ja mal gespannt wie es dann im hohen Norden aussieht. Dort wird es ja in dieser Jahreszeit gar nicht dunkel.

Um 7 Uhr sind wir dann aufgestanden. Nachdem Frühstück ging ich den Weg hoch bis zur Schotterstrasse. Wollte mir mal ein Bild machen über den Zustand der Strasse. Gestern Abend sind wir ja diesen Waldweg hinuntergefahren zu unserer Rest Area direkt am See. Gestern hatte ich noch Bedenken, ob wir hier je wieder wegkommen, aber heute morgen bin ich optimistischer. Der Weg ist zwar extrem steil, eng, rupig und hat viele Wurzeln und Steine, aber mit unserem Vierradantrieb sollte dies kein Problem sein.

IMG_0641 IMG_0643 IMG 0642 Vor der Abfahrt erkundeten wir noch das Seeufer. Ein schmaler Pfad führt durch dichten Wald und führt immer wieder direkt an den See.  Eigentlich wäre jetzt unser Kanu das richtige Fortbewegungsmittel, aber der Aufbau würde jetzt zu lange dauern und zudem werden wir ja heute Abend wieder an einem See übernachten und da haben wir genügende Zeit für unser Kanu.

IMG 0632 DSC00163 IMG 0654 Gegen 9 Uhr sind wir abgefahren. Gabi ist die ersten Meter zu Fuss gegangen. Zum einen, um zu schauen,  dass nicht gerade einer von oben herunterfahren will, denn das wäre definitiv nicht gegangen und zum andern, um sicherzustellen, dass ich auf diesem schmalen Waldweg nicht sämtliche Bäume umholze. Zum ersten Mal konnte ich die Kraft von unserem Truck so richtig spüren. Bei knapp 1500 U/min geht es bereits zügig voran. Sogar die steilste Stelle, mit vielen Wurzeln übersät, bereitet diesem Fahrzeug keine Probleme. Die grosse Bodenfreiheit und der 4-Radantrieb sind in solchen Situationen Gold wert. Sollte es noch schlimmer werden könnte ich sogar noch die Untersetzung einschalten und dann braucht es schon sehr viel bis man stecken bleibt.

DSC00164 DSC00166 IMG_0649 Wir fuhren die Discovery Road zurück nach Atlin. Ein einziges Auto ist uns auf diesen 20 km entgegen gekommen. Die Gegend hier ist Goldgräberland. Auch heute noch, mehr als 100 Jahre später, sieht man überall die riesigen Kiesberge, die davon zeugen, dass wohl schon jeder Quadratmeter umgegraben worden ist. Dennoch IMG 0652 sehen wir noch einzelne Firmen, die versuchen dieses kostbare Metall aus dem Boden zu holen. Die Gegend ist dementsprechend nicht sehr einladend. 1.1 Kilometer vor Atlin befindet sich der alte Goldgräberfriedhof. Ein kurzer Halt hier kann nicht schaden, wenn man etwas von der Geschichte rund um Atlin mitnehmen möchte. Hier sind die zwei Goldgräber (Fritz Miller und Kenneth McLaren ) begraben, die 1898 in dieser Gegend auf Gold stiessen und den Hyp rund um Atlin auslösten. Nicht allen hat das Gold Glück gebraucht oder zumindest kein langes Leben: Auf vielen Grabsteinen wird das Alter Verstorbenen mit 27 oder 34 angegeben. Aus aller Welt sind sie gekommen, aus Schweden, Irland, Dänemark und jetzt ruhen sie hier umgeben von verwitterten Holzzäunen und nur noch die langsam verblassende Inschriften auf ihren Grabsteinen zeugen von all ihren Wünschen mit denen sie hierher gekommen sind. Rest in Peace.

Abschliessend können wir sagen, dass sich die Fahrt nach Atlin sicher gelohnt hat.

IMG_1845 IMG 1847 IMG 0655 IMG_1854 In Johnsons Crossing (km 1296.2) machten wir einen kurzen Halt. Hier gibt es eine Tankstelle, Campground und einen kleinen Laden. Die angebotene Ware wirkt nicht gerade einladend, was uns auch schon 2006 aufgefallen war, als wir auf dem Weg zu unserer Kanutour hier einen Stop einlegten. Unmittelbar hinter dem Crossing befindet sich die grosse Teslin River Bridge, mit 539 Metern die drittlängste Brücke auf dem Alaska Highway. Von hier aus könnte am auch mit dem Kanu nach Whitehorse rudern.

DSC00175 IMG_0663 Die South Canol Road. Bei km 1295 ab Dawson Creek zweigt diese Schotterstrasse Richtung Osten ab. An der Kreuzung sind neu ein paar alte Autofracks hingelegt worden, sozusagen zu Dekorationszwecken für die Touristen. Auch eine Restarea mit WCs wurde aus dem Boden gestampft. Das Yukon Government möchte so wohl die Canol Road den Touristen schmackhaft machen.

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Die Canol Road wurde 1942-44 im Zuge der Oelfelderschliessung im Mackenzie Delta gebaut. Bereits 1945 wurde die Strasse schon wieder geschlossen, weil sie angeblich nicht rentabel war. 1950 wurde sie dann wieder eröffnet und ist heute nur im Sommer befahrbar. Die Strasse wird heute unter zwei Namen geführt. Im Süden als South- und im Norden als North Canol Road.

Die 220 km lange South Canol Road wird in der Milepost als eng, kurvig und im Bereich des Lapie Canyon auch als schwierig bezeichnet. Strassenzustand und Wetterverhältnisse müssen unbedingt im Auge behalten werden. Im Weiteren sind etliche one Lane Brücken zu überqueren, die bei Regen recht rutschig sein können. Die Fahrdauer wird mit 4 Stunden angegeben, was ich doch als sehr sportlich bezeichnenen würde. Sowieso, für diese Strecke sollte man 2 Tage rechnen, da es viel zu sehen gibt und schöne Plätze zum Campen einladen. Für grosse Campermobile ist diese Road nicht empfehlenswert. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Service Station, also entweder in Johnston Crossing auftanken oder dann in Ross River am Ende der South Canol Road.

DSC00177 IMG 1857 Die ersten paar Kilometer auf der South Canal Road sind recht angenehm. Es hat wenig Schlaglöcher und wir kommen gut voran. Wir überqueren ein paar Creeks und eine 1-lane Holzbrücke. Weit hinten können wir schon die Big Salmon Range erblicken. An einigen Stellen sind noch Schneefelder zu sehen.  Bei km 49.2 erreichen wir die Abzweigung zum Sydney Lake. Hier wollen wir übernachten. Von der South Canol Road ist der See nicht zu sehen. Die Strasse, die zum See hinunter führt, ist sehr eng und es geht steil bergab. Mit einem Truckcamper kein Problem, sofern es keinen Gegenverkehr gibt. Es gibt keine Ausweichstellen und kreuzen ist nicht möglich. Die kleine Rest Area befindet sich direkt am See und bietet höchstens 3-4 Campern Platz. Gleich nach uns erschienen noch zwei weitere Fahrzeuge aber die kehren nach einer kurzen Besichtigung gleich wieder um. So bleiben wir vorerst allein. Da der Platz windgeschützt ist, sind natürlich die Moskitos besonders agressiv. Wir müssen uns mit einer gehörigen Protion Muskol einreiben.

DSC00189 Wir haben dieses Jahr ein Kanu gekauft, um die Seen und Flüsse der Schweiz zu erkunden. Wir entschieden uns für ein robustes Faltkanu der Marke Ally, mit dem man auch grössere Expeditionen unternehmen kann. Faltkanus haben den Vorteil, dass sie eben auseinandergenommen werden können. Das Packmass ist dann auf einem erträglichem Niveau und auch das Gewicht mit ca. 18-23 Kilo, je nach Grösse, ist akzeptabel. Mit diesem geringen Gewicht war es auch kein Problem das Kanu im Flugzeug mit nach Kanada zunehmen.

IMG_0666 DSC00187 Je nach Routine ist ein Ally Kanu in ca. 20-35 Minuten aufgebaut. Der Sydney Lake eignet sich sehr gut zum Kanufahren. Es ist auch das einzige Fortbewegungsmittel um mehr von dieser Gegend zu sehen. In dieser Einsamkeit gibt es verständlicherweise keine Wanderwege und  im dichten Unterholz ist ein Fortkommen fast unmöglich. Der See ist nicht sehr gross. Laut Google Earth 2 km lang und ca. 600 Meter breit. Wir umrunden den ganzen See, spiegelglatt und ohne wahrnehmbare Strömung. Zu unserem Erstaunen haben wir weder Zu- noch Abfluss gefunden.

DSC00186 IMG 1864 Wir sehen Enten und wenige Vögel. Es ist sehr ruhig. Als wir am hintersten Ende angekommen sind erblicken wir im tiefen Sumpf einen kollosalen Elch. Er steht da und lauscht, während wir langsam näher paddeln. Eine Zeitlang streift er noch durchs Gehölz, bis er schliesslich im Dickicht verschwindet. Schade habe ich nur meine kleine Kamera mitgenommen. Mit der grossen hätte ich jetzt sicher bessere Bilder machen können. Aber was solls, wir werden bestimmt noch weitere Elche zu Gesicht bekommen. Nach 90 Minuten auf dem See kehren wir wieder zurück zu unserer Rest Area.

IMG_1878 Zum Nachtessen gibt es Spare Ribbs. Leider müssen wir wegen der Moskitos drinnen essen. Blöde Viecher. So sitzen wir also in unserem gemütlichem Heim, schauen aus dem Fenster und sehen verzaubert wie die Sonne das gegenüberliegende Seeufer in goldenes Licht taucht. Und plötzlich hören wir ihn, weit weg zwar, aber klar und deutlich: den Ruf des Loon. Irgendwo an den dicht bewachsenen Ufern des Sees, die uns ein Aussteigen unmöglich machten, muss er wohl sein Nest haben. Hoffentlich stören ihn die verrosteten Fässer nicht, die wir hier und da am Ufer gesehen haben. Wohl Überreste vom Bau der Canol Road während des zweiten Weltkrieges. Nun, die Fässer verrosten, werden bald nicht mehr da sein. Hoffen wir, dass der Loon bleibt. 

Links:  
South Canol Road Eine Beschreibung der Canol Road

 

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