Reiseberichte, Mountainbiken und Videofilmen


24. Tag

Atlin Lodge - Zürich

24tag
Datum:
17. Juli 2003, Donnerstag
Fahrstrecke: 89 Kilometer




Atlin Lodge - Whitehorse. Freie km, da Auto schon abgegeben.


Bericht:

Die letzte Nacht verbrachten wir nochmals in unserem Van auf der Little Atlin Lodge. Nach einem Kaffee sind wir kurz nach 9 Uhr morgens zu unserer letzten Etappe aufgebrochen. Da unser Camper heute am Flughafen dem neuen Mieter übergeben werden sollte, konnten wir selber Richtung Whitehorse fahren. Andri fuhr mit seinem Auto gleich mit, um die Übergabe am Flughafen für die Neuankömmlinge vorzubereiten.

PICT0371
Wir fuhren wieder über die Atlin Road zurück auf den Alaska Highway. Es war recht warm an diesem Morgen und der gestrige Regen war inzwischen dem Sonnenschein gewichen. Die Little Atlin Lodge liegt ca. 1 Fahrstunde von Whitehorse entfernt.

 

DSCF3133 DSCF3131 Die Fahrt auf dem letzen Teilstück des Alaska Highways bis Whitehorse ist ein bisschen interessanter als die lange Fahrerei gestern. Bei Kilometer 1366.8 trifft der Alaska Highway auf den Marsh Lake, dem er dann ein paar Kilometer folgt. Hier hat es einige schöne Campgrounds.

DSCF3130 Der Highway zieht wieder ein schwarzbraunes Band durch die Wildnis. Nach ca. 50 Kilometer fährt Andri mit seinem Auto links an den Strassenrand. Hier steht sein Briefkasten. Wir warten in unserem Van ein paar Meter dahinter und sehen, dass er hier wahrscheinlich nicht der einzige ist, der ab und zu seine Post abholt. Na super, jedesmal 50 Kilometer hin und 50 Kilometer zurück, nur um seine Briefe abzuholen. Das macht er natürlich nicht jeden Tag, wäre auch reine Zeitverschwendung. Aber einmal in der Woche kann man das gut mit einer Einkaufstour in Whithorse verbinden. Bei Kilometer 1403 erreichten wir wieder unseren ersten Campground, den wir uns am ersten Tag ausgesucht hatten. Wenige Meter dahinter folgt die Abzweigung, die uns vor 3 1/2 Wochen nach Skagway führte. Einen kurzen Augenblick dachte ich noch, wir es wohl wäre, wenn wir hier wieder abbiegen könnten. Aber daraus wurde leider nichts. Kurz darauf finden wir uns schon am Check-In-Schalter wieder. Es folgt ein letzter Burger (Frühstück) und so wechselten auch die letzten kanadischen Dollars noch ihren Besitzer.

DSCF3134 In 1.15 Stunden geht es erstmal nur bis Fairbanks. Der Flieger zeigt uns nochmals Whitehorse aus der Vogelperspektive. Später erblicken wir den Yukonriver, der immer noch träge in seinem Bett liegt, diesesmal aber weit unter uns. 4969 Kilometer waren es von Whitehorse durch den Yukon und Alaska wieder zurück nach Whitehorse. Die letzten 89 Kilometer gehörten zwar nicht zu uns, da wir ja mehr eine Überführung machten für Andri.

Wir waren jetzt schon zum dritten Mal in Kanada, aber diesesmal hatte ich sehr grosse Mühe wieder nach Hause zu gehen, was ich sonst so auf Reisen nicht habe. Der Yukon und auch Alaska entsprechen genau meinem Reise-Geschmack. Wir hatten zum grössten Teil Glück mit dem Wetter, dem Van und der Lodge. Wir haben viel gesehen und Neues gelernt. Haben Weite getankt für ein weiteres Jahr in der engen Schweiz. Haben am Whitepass gefroren und wurden am schönen Kulane Lake fast vom Winde verweht. Haben schöne Campgrounds gefunden, die eigentlich keine waren und auf dem Top of the World Highway auf den Sonnenuntergang gewartet, der gar nicht kam. Wir haben uns - meist erfolglos - gegen Moskitos gewehrt und sind in der Geschichte des Yukon herumgelaufen (Dawson City). Wir haben eine schier unglaubliche Landschaft im Kenai Fjord Nationalpark kennenlernen dürfen und haben den höchsten Berg Nordamerikas wolkenlos im Denali Nationalpark bewundert. Und nicht zu vergessen : wir haben unsere Kanuerfahrungen mal wieder aufgefrischt. Es war ein schöner Urlaub in einem Land, das nur 20 Meter hinter dem Highway heute noch so rauh und wild ist wie vor 100 Jahren. Und wir sind Menschen begegnet, die genau dies schätzen; die das enge Europa verlassen haben und bei denen der Schritt über den grossen Teich sicher nicht weniger Mut gefordert hat, als bei jenen Männer und Frauen, die 1896 zu den Goldfeldern am Klondike aufbrachen. Mögen sie ihr Glück finden und dabei dieses Land so rauh und wild lassen, wie es uns geschenkt wurde.

Ich hoffe, dem einen oder anderen Leser, der gerade seinen Urlaub in den Yukon oder nach Alaska plant, mit meinem Reisebericht etwas geholfen zu haben.

 

top,