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22. Tag

Frances Lake Logde

frances-Lake
Datum:
15. Juli 2003, Dienstag
Frances Lake Wilderness Lodge

 


Bericht:

Unser letzter Tag auf der Lodge. Morgen werden wir wieder weiterziehen Richtung Whitehorse. Bereits früh zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Ganz wichtig natürlich wenn man den ganzen Tag im Kanu sitzen soll. Wetterprognosen sind hier in der Wildnis fast unmöglich. Die nächste Wetterstation steht in Watson Lake und ist gut 170 Kilometer entfernt. Daher muss man das Wetter halt so nehmen wie es am frühen Morgen daherkommt. Eine gute Ausrüstung wie Wasserdichte Jacke und Hose gehört daher immer in den Rucksack. Unsere heutige Kanutour wird uns von den seichten Gewässern des Westarms hinüber in den Ostarm führen. Anschliessend werden wir den Ostarm hinunterpaddeln um dann am eigentlichen Zusammenfluss von Ost- und Westarm wieder in den Westarm zurückzufahren. Hier geht es dann am Ufer entlang zurück zum Motorboot. Alles Klar! Nun, die Karte rechts zeigt in etwa die Tour (Uhrzeigersinn).

PICT2699 PICT2702 PICT2704 Der Wasserspiegel des Frances Lake schwankt sehr stark. Im Frühling wenn die Schneeschmelze Eintritt kann es schon mal vorkommen das die "Terrasse" überschwemmt wird. Im Herbst aber, wo wenig Wasser von den Bergen hinunterfliesst, ist der Wasserspiegel so tief das man sehr schön am Ufer entlang laufen kann. Auf den Bildern ist das Haupthaus zu sehen wie auch das einzige Plumps-WC auf der Lodge.

PICT2606 PICT2617 Heute stand also die Kanutour auf dem Programm. So eine Tour durch die Wildnis ist natürlich immer etwas spezielles. So ganz ohne Motorengeräusch durch das Wasser zu gleiten entspricht doch eher dem was man so von Wildnis und Abenteuer erwartet. Gegen 9 Uhr morgens machten wir uns also auf den Weg. Zwei Kanus und ein Kajak wurden auf das Motorboot geladen. Da wir 5 Personen waren, machte es natürlich Sinn das die einzelne Person ein Kajak nahm, da sie so viel schneller, kraftsparend und komfortabel vorwärts kam, als allein in einen eher schwerfälligen Kanu.

PICT2625 Um die ersten Seekilometer schneller zu überbrücken, fuhren wir mit dem Motorboot zuerst eine Weile den Westarm des Frances Lake hinunter. Als wir die Anlegestelle gefunden hatten, wechselten wir vom Motorboot in die Kanus. Das Motorboot liessen wir dort zurück da wir nach dem Rundkurs wieder an der gleichen Stelle zurückkommen werden. Da es heute sehr ruhig war und fast kein Wind herrschte, war der Frances Lake zu diesem Zeitpunkt Spiegelglatt was zum Teil sehr schöne spiegelungen hergab.

PICT2628 PICT2632 Durch eine wunderschöne, ruhige Landschaft führte uns die ersten Kanuschlägen. Das Wasser war hier in dieser seichten Gegend, zwischen Ost- und Westarm, nicht sehr tief. Den Seegrund konnte man sehr gut erkennen und manchmal zog sogar einer der Hechte an unserem Boot vorbei. Hätte ich doch hier nur mein Angelzeug dabei gehabt. Ach was, ein normales Netz hätte wahrscheinlich auch schon gereicht. So fuhren wie eine Zeitlang den Flussähnlichen See entlang immer mit einem Blick auf den Seegrund. Das hohe Gras und die geringe Wassertiefe ist eigentlich das bevorzugte Gebiet für Elche. Leider liess sich Mister Elch nicht blicken.

PICT2643 PICT2645 Kurz vor Mittag erreichten wir dann die Endstation des kleinen Sees am Westarm. Hier entstiegen wir unsere Kanus und packten sie auf unsere Schultern. Um in den Ostarm zu gelangen mussten wir hier unsere Kanus ca. 500 meter weit durch den Wald tragen. Zwecks dieser "Portage" wurde früher einmal eine Schneise durch den Wald geschlagen, wo man mehr oder weniger gemütlich sein Kanu hinübertransportieren konnte. Das mit dem tragen war ja nicht das Problem. Das viel grösser Problem waren die Moskitos. Wenn man ein Kanu trägt braucht es meistens beide Hände und ist daher den Viechern voll ausgeliefert. Hier habe ich zum ersten Mal mein Moskitonetz über den Kopf ziehen müssen. Ansonsten hätte ich die tragerei wahrscheinlich kaum überstanden. Da wir mit einem Mal nicht alles von der einen auf die andere Seite mitnehmen konnten, mussten wir dreimal durch die Moskitohölle gehen. Zweimal hin und einmal zurück.

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Auf der anderen Seite bot sich dann ein faszinierendes Bild. Der Ostarm des Frances Lake war so ruhig das sich die Berge darin spiegelten. Hier setzten wir unsere Kanus wieder ins Wasser. Draussen auf dem See war dann das Problem mit den Moskitos endlich wieder gelöst.

PICT2653 PICT2658-p Die Sommermonaten sind hier wirklich unglaublich schön. Es ist kaum vorstellbar das im Winter die Landschaft so anders Aussieht. Eigentlich würde ich gerne mal so einen Yukon Winter erleben, anderseits machen mir Temperaturen weit unter Null Grad doch wirklich keine Freude. Wie ich im Gästebuch der Frances Lake Lodge lesen konnte, hatten sie im Jahr 2003 Temperaturen um die minus 40 Grad. Da waren mir die heutigen ca. 23 Grad doch bei weitem angenehmer.

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Mittagessen in der Wildnis. Auf einer Landzunge konnten wir es uns ein wenig gemütlich machen. Dieses Mal mussten wir kein Feuer machen da die Moskitos hier nicht sehr zahlreich waren. Das Wasser hatte trotz Yukon-Wetter beachtlich 16-18 Grad was für mich zum baden aber doch etwas zu kalt war.


DSCF3101 PICT2673 DSCF3108 Nach dem Mittagessen fuhren wir dann den Ostarm hinunter bis zum Zusammenschluss. Hier machten wir nochmals eine Pause. Anschliessend gings dann den Westarm hinauf bis zum Motorboot zurück.

PICT2678 PICT2685 DSCF3115 Bereits gestern als wir zum fischen gingen, haben wir am Ufer des Westarms etliche Adler beobachten können. Von weitem konnten wir dann sehen das es sich dort um ein totes Tier handelte. Heute sind wir wieder an dieser Stelle vorbeigefahren diesesmal aber mit dem Kanu. Und wieder hatte es ein paar Adler in der umliegenden Bäumen. Beim näheren hinfahren, was gestern mit dem Motorboot nicht möglich war, haben wir dann gesehen das es sich um einen toten Elch handelte. Wie das Tier umkamm hat man leider nicht sehen können. Wahrscheinlich, so vermutete Andrea, war das Tier krank und Starb auf diese Weise. Irgendwelche Kampfspuren oder aufgerissenes Fleisch, das von Bären her stammen könnte, haben wir nicht ausmachen können. Wir sind aber auch nicht sehr nahe an den Kadaver hingefahren, da der Gestank schon von weit her zu riechen war.

PICT2688 PICT2698 PICT2693 Eigentlich wäre ja beim Motorboot unsere Kanufahrt zu Ende gegangen. Nun, das schöne Wetter und einmalige Landschaft hat uns aber dazu bewogen zu viert mit den Kanus bis zur Lodge zurückzufahren. Andrea fuhr dann alleine mit dem Motorboot und dem Kajak weiter und wir paddelten mit den Kanus hinterher. Da sich die Frauen unbedingt ein Kanu teilen wollten, waren wir Männer mit unseren Kräften natürlich ein wenig im Vorteil. Aber die Frauen wollten es ja nicht anderes. So fuhren wir, immer im Schlepptau die Frauen, den Frances Lake hinauf. Mit dem Motorboot ist eine Strecke von ca. 6 Kilometer schnell mal zurückgelegt, aber mit dem Kanu am Ende eines langen Tages, das war doch ein hartes Stück Arbeit. Nach 2 Stunden und einer ganzen Seequerrung kamen wir endlich an der Lodge an. Hier musste wir dann noch eine Zeitlang auf unsere beiden Frauen warten, die auf den letzen Kilometer doch arg zu kämpfen hatten.

PICT2707 PICT2706 PICT2709 Am Abend konnten wir dann unsere Hechte verspeisen die wir ja gestern gefangen hatten. Waren die gut. Habe schon lange nicht mehr so guten Fisch gegessen. Auf den Bildern sind Aufenthaltsraum und die Essecke zu sehen. Hier befindet sich auch das Radiophone, die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Weil das Radiophone in etwa so funktioniert wie ein Funkgerät hat man hier immer wieder die Möglichkeit interessante Gespräche mitzuhören. Was natürlich auch heisst das alle anderen auch mithören können wenn man selber spricht. Einziger Nachteil ist, es können immer nur zwei miteinander sprechen. Ist die Leitung besetzt ist man gezwungen zu warten. Was bei einem Notfall doch arg ein Nachteil sein kann. Aber zum Glück gibt es ja noch die Satellitentelefone, die zwar teuerer, aber leider unentbehrlich sind wenn man weit ab der Zivilisation leben möchte. Solche Telefone werden übrigens auch auf mehrtägigen Kanutouren mitgenommen.

 

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