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21. Tag

Frances Lake Logde

frances-Lake
Datum:
14. Juli 2003, Montag
Frances Lake Wilderness Lodge

 


Bericht:

So ein Lodge Aufenthalt in der unberührten Wildnis des Yukon Territorys ist kein ganz billiger Urlaub. Wer einmal ein paar Tage auf so einer Logde verbringen möchte, muss ab ca. 200 kanadische Dollar aufwärts rechnen und das pro Tag und Person. Transfer in die Wildnis und wieder zurück natürlich nicht inbegriffen. Trotz des relativ hohen Betrages sollte man sich nicht gleich abschrecken lassen. Es wird einem auch viel geboten. Schon nur die täglichen Ausflüge hinaus in die faszinierende unberührte Landschaft ist meines Erachtens nach das Geld wert. Nebenbei war das Essen auf der Frances Lodge wirklich ausgezeichnet. Was da alles in der Küche hergezaubert wird schätzt man erst wenn man weiss, wo man sich eigentlich befindet. Ausser alkoholischen Getränken und der Fischlizenzen war auf der Frances Lake Lodge soweit ich weiss alles im Preis inbegriffen.

PICT2587 PICT2590-p Blick von der Logde aus auf den Frances Lake. Die Lodge ist sehr gut ausgerüstet mit allem was man so braucht in der Wildnis. Sogar eine Sauna steht den Gästen zur Verfügung. WC und Dusche sind in jeweils getrennten Cabins untergebracht und nur wenige Schritte von den Gästehäusern entfernt.

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Die Frances Lake Wilderness Lodge im Yukon Territory vom Kanu aus fotografiert.

 

PICT2524 PICT0343 Heute Morgen hat uns Hans-Kaspar und Marianne, das ältere Ehepaar, wieder verlassen. Sie werden den Dempster Highway hochfahren bis nach Inuvik und dann per Frachtdampfer den McKenzie River hinauffahren bis nach Fort Simpson. Auch keine schlechte Tour! Habe die zwei fast beneidet als sie sich am frühen morgen von uns verabschiedeten. Wir dagegen werden heute fischen gehen. Zu viert werden wir versuchen ein paar Hechte aus dem Wasser zu ziehen, damit es heute abend auch was zu futtern gibt. Der Ostarm war für dieses Vorhaben wie geschaffen. Also fuhren wir an diesem Morgen wieder den Frances Lake hinunter, um dann später in den Ostarm abzubiegen. Wiederum war Andrea unsere Führerin.Das Flugzeug das sich ebenfalls auf der Lodge befindet wird von Christoph pilotiert. Jedoch nur als Hobby, wir er mir erzählt hat. Passagiere darf er nicht mitführen. Es ist aber wohl ein beruhigendes Gefühl, wenn man weis, sollte mal was passieren, das man in wenigen Stunden per Flugzeug wieder in der Zivilisation ist.

PICT2545 PICT2537 PICT2527 Das Wetter sah heute sehr nach Regen aus. Dunkle Wolken hingen bereits früh am Morgen über dem See. Kaum waren wir im flussähnlichen Ostarm angelangt, sahen wir unseren ersten Elch. Bis jetzt waren Tiere am Frances Lake nämlich Mangelware. Ausser den immer wieder herumkreischenden jungen Bad Eagles war die Elchkuh heute morgen wirklich eine willkommende Abwechslung. Um zu den besten Fischplätzen zu gelangen, mussten wir in die seichten Gewässer des Ostarmes wechseln. Der niedrige Wasserstand an den Zu-oder Abflüssen führte dazu, dass Andrea zwischendurch immer wieder ins Wasser springen musste, um das Boot zu ziehen. Trotz langer Fischerstiefel hat sie sich so für uns immer wieder nasse Füsse geholt.

PICT2559 PICT2553 Dann ging's aber los. Am Anfang hatten wir noch wenig Glück. Wir mussten noch ein paar mal unsere Position wechseln. Aber dann als wir die richtige Stelle gefunden hatten, ging die Post ab. Beinahe bei jeden Auswurf hing ein Hecht an der Angel. Die Fische haben recht um ihre Freiheit gekämpft und ordentlich an der Angel gezogen, so dass wir einige wieder verloren. Trotzdem konnten wir zu guter Letzt drei sehr schöne Exemplare aus dem Wasser ziehen.

PICT2561 PICT2557 Hier hatte Reto einen Riesenbrocken an der Angel, der uns aber leider wieder entwischte. Claudia, die Freundin von Reto, hatte alle Hände voll zu tun. Denn während wir, Reto und ich, beinahe im Minutentakt etwas an der Angel hatten, versuchte sie, mit dem Netz, so gut es ging den Hecht aus dem Wasser zu ziehen.

PICT2550 Bis zu meinem 15. Lebensjahr war ich ab und zu mal zum Fischen gegangen. Einen Hecht habe ich aber dazumal nie fangen können. Hier am Frances Lake war das ein kinderleichtes Unterfangen. Es gibt hier so viele Hechte, dass man sie sogar aus dem Boot heraus beobachten konnte.
Am Nachmittag fuhren wir dann noch weiter den Ostarm hinauf, um zu schauen ob wir wohl noch eine Riesenforelle angeln könnten. Wir versuchten es ein paarmal leider ohne Erfolg. Als dann dunkle Regenwolken auftauchten haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Leider kamen wir nicht trocken zur Lodge zurück. Noch im Ostarm erreichte uns ein starker Regen, der in Sekunden alles nass machte. Zum Glück hatte ich meine Regenhose dabei, so konnte ich wenigstens innerlich trocken bleiben.

PICT2562 PICT2569 PICT2570 Wie aus einem Hecht Filets werden. Nachdem wir platschnass die Lodge erreichten, inzwischen hatte es wieder aufgehört zu regnen, wurden aus den drei Hechten schöne Filets gemacht. Immer dabei beim Filetieren natürlich auch die zwei Hunde, Simba und Bronski. Die Fischabfälle wurden dann auf eine der vorgelagerten Inseln gebracht. Nur wenige Minuten nachher konnte man gut per Fernglas erkennen wie sich die Adler über die Reste hermachten. Den Fisch wird es dann Morgen Abend zum Nachtessen geben.

PICT0350 PICT0356 Diese Bilder wurden nicht von mir sondern von Gabi gemacht, die uns auf dem heutigen Angeltrip nicht begleitete und sich stattdessen zu Fuss in die Wildnis wagte. Ich überlasse also ihr das Wort: "Mir ging das laute Motorboot inzwischen etwas auf den Wecker, das entsprach so gar nicht meiner Vorstellung von Stille, die zu erleben ich eigentlich hier herausgekommen war. Also liess ich die anderen heute allein auf den See hinausfahren und machte mich auf den Weg hinauf zum Hügel, der sich direkt hinter der Lodge erhebt. Ich weiss nicht, was mir mehr zu schaffen machte, die Moskitos oder der steile Aufstieg durch den unwegsamen Busch. Knietief sackte ich zuweilen in das weiche Moos ein. Oben angekommen öffnet sich einem der Blick weit über den Frances Lake und nirgends wird das Auge aufgehalten von Strommasten, Häusersiedlungen oder anderen Errungenschaften moderner Zivilisation wie so oft an anderen Aussichtspunkten in Europa. Die schmiedeeiserne Parkbank, die die Besitzer der Lodge hier hoch transportiert haben ist zwar eine nette Idee, wirkt aber irgendwie komisch in mitten dieser Wildnis. Ich geniesse die Stille und die Aussicht, bis mich ein schriller Schrei aus meinen Träumen reisst: ein Adler zieht weit oben über mir seine Kreise und will wohl wissen, was ich in seinem Revier verloren habe. Keine Sorge Du Herr der Lüfte: ich bin nur ein Besucher auf Zeit und mache mich ein wenig wehmütig aber dankbar wieder an den Abstieg zur Lodge."

 

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