Reiseberichte, Mountainbiken und Videofilmen


2. Tag

Whitehorse

11. August 2006, Freitag


Bericht:

Pünktlich um halb 8 wurden die Motoren gestartet. Nicht bei uns, wir lagen zu diesem Zeitpunkt noch im Bett unter der warmen Decke, sondern direkt vor unserem Fenster. Gestern als wie hier ankamen war uns bereits die riesige Baustelle rund ums Hotel aufgefallen. Überall standen Baumaschinen herum, die nur darauf warteten die Strasse zwischen Hotel und Yukon neu zu teeren. An schlafen war also nicht mehr zu denken, wobei uns das eigentlich nichts ausmachte, schliesslich hatten wir viel vor heute mit unserem grossen Lebensmitteleinkauf.

Im Hotel zu übernachten hat auch seine Vorteile. Da war zum Beispiel der Fernseher.  Nicht, dass wir jetzt irgendwelche kanadischen Kultsendungen oder sonstigen Klatsch  anschauen wollten, von denen es beileibe genug geben würde - nein, unser Interesse galt dem kanadischen Wetterkanal The Weathernetwork. Kaum aufgestanden schaltete ich den Kasten ein und drückte auf Kanal 22.

Dieser bringt alle 10 Minuten die lokale Wettervorhersage, gleich wo man sich befindet. Sitzt man in Vancouver im Hotel erhält man die Vorhersage für Vancouver. Schaltet man den Fernseher in Whitehorse ein, kommen automatisch die Aussichten für Whitehorse. Eine tolle Sache. Natürlich ist das Wetter für uns die wichtigste Information. 7 Tage Regen auf dem Nisutlin - eine Horrorvorstellung. Aber es sieht gut aus. Morgen Samstag soll es noch ein bisschen Regen geben, anschliessend kommt eine Schönwetterperiode, die bis Mittwoch anhalten soll. Der Donnerstag sieht schlecht aus: Dauerregen, und auch der Freitag soll nicht viel besser sein. Wir werden es ja sehen; Wetterprognosen über eine Woche hinaus sind immer mit Vorsicht zu geniessen, zudem die Prognosen ja für Whitehorse gelten und wir paddeln ca. 150km Luftlinie entfernt. Die Temperaturen bewegen sich übrigens so zwischen 5 Grad am Morgen und 17 Grad am Nachmittag.

1567 1576 Nach dem Frühstück hiess es dann Lebensmittel einkaufen. Was wir Zuhause bereits aufgeschrieben hatten, sollte jetzt im Einkaufswagen landen. Wir sind 7 Tage unterwegs, es gibt 6 Übernachtungen. Am Mittag wollen wir uns jeweils mit einem Snack zufrieden geben, der vielleicht sogar im Kanu gegessen werden kann. Das Morgen- und auch das Abendessen sind daher die Hauptverpflegungspunkte. Sechsmal Abendessen, heisst zweimal Teigwaren, zweimal Reis und zweimal Kartoffeln. So sah etwa unsere Grundnahrung aus. Verfeinert werden sollte das Ganze dann mit Sauce, Pilzen, Gemüse usw. Ausserdem hoffte ich natürlich, den einen oder anderen Fisch an Land ziehen zu können. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen und genügend Nahrung mitnehmen. Das Morgenessen sollte aus Brot, Konfitüre und Kaffee bestehen. Ein bisschen Trockenfleisch sollte dabei nicht fehlen. Milch nehmen wir nur in Pulverform mit. Wir haben uns entschlossen normales Brot einzupacken, das sich ohne Probleme 3-4 Tage halten sollte. Danach wollen wir selber Brot backen. Wir haben das bereits in der Schweiz ausprobiert und es hat sehr gut geklappt. Das typische Wildnisbrot hier draussen nennt man Bancook und es wird aus Mehl und Hefe in der Bratpfanne zubereitet. Abgerundet wurde unser Speiseplan noch mit Früchten, Müsliriegeln und Schokolade. Fertigsuppen im Beutel und Gewürze hatten wir von daheim mitgebracht. Es gab viel zu kaufen an diesem Freitagmorgen. Kunststück ist es, eben nicht zu viel zu kaufen, was doch tendenziell der Fall ist, wenn man noch nie so was gemacht hat. Da steht man vor einem prall gefüllten Ladengestell und denkt, das könnte ich ja auch noch gebrauchen und dies wäre vielleicht auch noch nützlich. Es war nicht einfach bei dem riesigen Angebot Mass zu halten. Erschwerend kam hinzu, dass man in Kanada meist nur für unsere Zwecke viel zu grosse Family-Packs bekommt. Gott-sei-Dank hatten wir aber auch einen Supermarkt gefunden, in dem man sich diverse lose Lebensmittel selber abpacken kann, ähnlich wie wir Europäer das aus den Obstabteilungen kennen. Mit schwerem Gepäck und platten Füssen ging’s dann am Mittag zurück ins Hotel. Hier haben wir nochmals alles genau angeschaut und durchgecheckt. An der Hotelrezepetion habe ich mir dann noch eine Angellizenz mit 6 Tagen Gültigkeit gekauft. Auch wenn wir in der Einsamkeit unterwegs sind und wahrscheinlich keinem Kontrolleur begegnen werden, soll alles mit rechten Dingen zu und hergehen. Mit 20 C$  ist die Lizenz auch nicht sehr teuer und beruhigt zumal unser Gewissen.

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1554 Am Nachmittag spazierten wir am Schauffelraddampfer Klondike vorbei den Yukon entlang bis zur grössten Fischtreppe der Welt, gebaut von einem Energiewasserwerk, sozusagen aus Wiedergutmachung für die Verschandelung des Yukon Rivers und zum Wohle der darin lebenden Tiere. Das Wetter wurde wieder schlechter nachdem es doch am Morgen so gut ausgesehen hatte. Kurz bevor wir die Fischtreppe erreichten, tröpfelte es leicht vom Himmel. Wir schaffen es gerade noch ins kleine Visitorcenter bevor der Himmel seine Schleusen gänzlich öffnete. Die Lachse, die man hier zu Gesicht bekommt, haben eine 3monatige Reise vom nördlichsten Pazifik hinter sich während der sie keine Nahrung zu sich nehmen. Jeder Lachs, der die Fischtreppe passiert wird von den Studenten im Visitorcenter aufgeschrieben. Auf einer Wandtafel werden die Zahlen feinsäuberlich dokumentiert. Einige Fische werden sogar aus dem Wasser genommen und untersucht. Denn bis heute ist nicht bekannt, wie die Lachse nach 3000 Kilometer den Ort wieder finden, wo sie vor Jahren geboren wurden. Am Ort ihrer Geburt laichen und sterben sie dann, wenn Sie vorher nicht aus dem Fluss gezogen worden sind. Uns wurde übrigens erzählt, dass diese Lachse, bedingt durch die Strapazen der langen Reise, nicht mehr gut schmecken.

1588 Am späteren Nachmittag erreichten wir wieder Downtown Whitehorse und stöberten noch in diversen Geschäften herum bevor es dann ins Hotel ging zum Packen. Wir haben zwei wasserdichte Packsäcke bekommen, einen 115 Liter Sack, in dem wir unsere Kleider verstauen werden und einen 55 Liter Packsack, in dem das Zelt und die Thermoliegematten verstaut sind. Im Weiteren hat uns Yukonwide eine grosse wasserdichte Tonne (50 Liter) für die Esswaren mitgegeben. In einer weiteren kleineren Box befinden sich die gesamten Kochutensilien. Die grössere Box ist für zusätzliches Gerümpel bestimmt wie Grill, Seile, Säge, Beil, Plane mit Abspannseile usw. Bereits aus der Schweiz hatten wir jeder einen wasserdichte 50 Liter Packsack mitgenommen, der als eine Art Tagesrucksack fungieren wird. Sprich hier verstaut jeder seine persönlichen 7-Sachen drin wie Regenschutz, kleine Verpflegung, Fotokamera usw. Gegen Abend waren wir mit dem Packen fertig und es hatte tatsächlich alles Platz gefunden.

Nochmals im Restaurant gut essen gehen, das wollten wir an unserem letzten Tag in der Zivilisation natürlich nicht entgehen lassen. Als wir gegen 22 Uhr ins Bett gingen machte sich langsam eine gewisse Nervosität bemerkbar. Morgen geht’s los und wir wissen nicht was uns in den nächsten 7 Tagen so alles erwarten wird. Werden wir Menschen sehen, werden wir den Yukontieren begegnen, werden wir gute Schlafplätze finden. Viele Fragen auf die wir jetzt noch keine Antwort haben.

 

Links:  
The Weather Network Der Wetterkanal in Kanada
Fischleiter Yukon Energy informiert über die Fishleiter
Fisch Kamera Im Sommer ist eine Fischkamera in Betrieb

 

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