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17. Tag

Eagle - West Fork Campground

17-tag
Datum:
3. Juli 2010, Samstag
Fahrstrecke: 192 Kilometer
Campingplatz: West Fork Campground
Bewertung: XXXXXX

 
Government Campground am Tayler Highway. Nichts spezielles, Plätze sind aber in Ordnung. Auf dem Platz hat es einen Camping Hoster. 10US$


Bericht:

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Was soll man über ein Nest wie Eagle berichten? Nun, je nach Ansicht gibt es da einiges. Eagle liegt am Yukon River, ist 305 Meter über Meer und hat 129 Einwohner, im Sommer. Im Winter deutlich weniger. Eagle profitiert von seiner Lage am Yukon River, der im Sommer Boote mit Touristen von Dawson City herbringt. Nicht gerade viele, aber genug um ein wenig vom Tourismus leben zu können.

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Es gibt sogar eine Tankstelle und das für 129 Einwohner, im Sommer. Man errinnere sich an Faro am Campbell Highway, 400 Einwohner, ganzjährig und keine Tankstelle.
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Ansonsten ist Eagle ein verschlafenes Nest. Man sieht kaum Leute auf der Strasse, aber die, die man sieht grüssen freundlich. Das Visitor Center hat nur begrenzte Öffnungszeiten, kein Wunder, mangels Ansturm.

 

IMG 1637 DSC00574 IMG 1611 Ein grosses Postoffice sehen wir auch noch. Nach diesem zu urteilen müsste das Dorf 2000 Einwohner haben. Ist ebenso geschossen. Naja, ist Samstag heut. Mitten im Dorf steht ein Monument von Roald Amundsen, der 1905 hier in Eagle vorbeikommen ist. Dieser hat ja den Weg zur Nordwest Passage gefunden, oder finden wollen.

Im Zentrum, wenn man dem jetzt so sagen darf, ist noch ein Museum. Dieses hat, wie könnte es anders sein, geschlossen. Ob das wohl am Samstag liegt? Frage mich nur wie die Leute hier Geld verdienen wollen, wenn am Samstag alles geschossen ist.

IMG 1619 IMG 1625 Am Ende der Strasse sehen wir ein schönes Gebäude. Nichts wie hin. Es ist das Yukon-Charley Rivers National Preserve Visitor Center. Zu unserem Erstauen ist es offen. Welch ein Wunder. Der diensthabende Ranger will uns beinahe nicht mehr gehen lassen. Wir "müssen" einen Film anschauen, Bücher ansehen, zuhören, staunen, das ganze Program eben. Es wird uns die Geschichte erzählt vom grossen Eisaufbrech-Hochwasser im Jahr 2009, das mit Bildern überall dokumentiert wird. Er hat uns ein paar interessante Geschichten erzählt und erkärt uns auch warum im Winter eigentlich keine "Sau" hier leben möchte. Auch er werde, wenn der Sommer vorbei ist, wieder nach Amerika zurückkehren. Wir sind erstaunt, hören wir doch immer wieder, das die Amerikaner hier sagen, im Winter kehren wir nach Amerika zurück. Nun, für die Amerikaner ist Amerika eben nicht Alaska und Alaska ist nicht Amerika. Alaska ist eben Alaska und das ist ein Unterschied. Auf die Frage ob er sich denn nicht vorstellen könne hier zu leben, kam sofort die Anwort. "Hier in dieser Eisbox! Leben Sie gerne im Gefrierfach, das während 3 Monaten aufgetaut wird? Ich nicht, nie im Leben. Schauen Sie sich um, könnten sie hier leben?" Na ja, hat schon was. Uns wäre diese Gegend, obwohl jetzt im Sommer wunderschön, wohl auch zu "eisig". Wir kaufen uns noch ein Pin und ein Buch und verabschieden uns.

IMG 1655 IMG 1645 IMG 1643 Eine Sehenswürdigkeit die Eagle zu bieten hat, ist Fort Egberg. 1899 haben hier die Amerikaner einen Stützpunkt gebaut um dem Goldrausch im Klondike Gebiet Herr zu werden. Einige Gebäude stehen noch und wurden aufwänig restauriert. Eintritt ist frei. Wie überall in Amerika wird auch hier der Patriotisum gross geschrieben.

DSC00576 IMG 1635 Wer zum Campground fahren möchte, muss nicht nur auf den Gegenverkehr achten, es könnte auch was aus der Luft kommen. Die Wiese, die eigentlich auch ein Fussballfeld sein könnte, ist Start- und Landebahn des örtlichen Flughafens. Eine spezielle Tankstelle gibt's im Zentrum von Eagle. Hier wird nicht etwa Benzin getankt, nein, hier wird Wasser getankt. Es sieht so aus als hätten nicht alle Gebäude Wasseranschluss. Jedenfalls haben wir in der kurzen Zeit, in der wir in Eagle waren, einige Fahrzeuge gesehen, die dort ihre Wassertanks auffüllten.

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Die Gegend, die im Jahr 2009 vom Hochwasser zerstört wurde. Früher standen hier Häuser. Jetzt wird die Ufergegend neu planiert und verstärkt, in der Hoffnung, dass sowas nie wieder vorkommt. Ev. werden hier später wieder Häuser gebaut, so jedenfalls hat es uns der Ranger gesagt. In 5 Jahren könnte Eagle in dem Fall wieder anders aussehen.

Die einzige richtige Tankstelle in Eagle ist auch was spezielles. Gleichzeitig auch Tante Emma Laden ist das Sortiment für unsere Bedürfnisse extrem mager. Wer hier lebt hat nicht viel Auswahl an Lebensmittel. Frisches Gemüse und Früchte sieht man gar nicht. Auch frisches Fleisch ist Mangelware. Alles was irgendwie verderblich erscheint wird tiefgekühlt. Ein Leben aus dem Gefrierfach. Nicht verwunderlich wird Alaska auch Eisbox genannt. Der nette Mann an der Theke ist froh wieder mal Kundschaft zu haben und vorallem solche die zuhört. Die Einheimischen kennen wahrscheinlich seine Geschichten zur genüge. Es sei nicht einfach hier zu leben, erzählt er uns. Alles ist sehr teuer, weil das meiste über die Strasse hertransportiert werden muss. 380 Meilen (ca. 610 Km) sind es bis nach Fairbanks. Für die lange Winterzeit braucht es daher eine gute Planung. Vorallem das Benzin sei in den Wintermonaten ein Problem den dieses muss im September bestellt werden und muss bis April/Mai reichen, denn bis dann ist die Strasse (Taylor Highway) nicht befahrbar. Vorräte könnte man auch aus der Luft anfordern, aber Benzin, das geht nur über die Strasse. Das Benzin hat auch seinen Preis. Es ist das teuerste, das wir in Amerika getankt haben, aber immer noch billiger als in Kanada. Darum lassen wir unseren Truck auch volltanken. Das hat ihn dermassen erstaunt, dass es ihm beinahe peinlich war von uns 80 Dollar zu nehmen. Er hat dann abgerundet auf 70 Dollar! Eines war auch noch speziell, nur Bares, keine Kreditkarten... sowas....

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DSC00596 IMG 2101 DSC00601 Bei warmen 22 Grad und herrlichem Sonnenschein verabschieden wir uns von diesem ruhigen beschaulichen Ort. Die Strecke zurück nach Jake Wade Junction ist natürlich die Gleiche wie gestern bei der Hinfahrt. Und trotzdem ist der Blickwinkel ein ganz anderer. Dies ist uns auch schon auf dem Dempster aufgefallen. Eine Strasse zweimal zu fahren sollte daher kein Hinderniss sein, einen Ort wie Eagle zu besichtigen. 3 Stunden brauchen wir für die 105 Kilometer zurück zur Jake Wade Junction. Zwei grosse Tourbusse von Holland America sind uns entgegen gekommen und werden rechten Trubel im Ort auslösen. Ansonsten war wieder mal nichts los.

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Auf dem Taylor Highway gehts weiter Richtung Chicken. Zu unserem Erstaunen ist dieser Abschnitt in einem schlechteren Zustand als der Richtung Eagle. Das Verkehrsaufkommen hat auch wieder zugenommen: pro Stunde begegnen uns nun 4 anstatt nur eines. Wir fahren übrigens auf der gleichen Strecke wie schon 2003. Weitere Infos gibt es daher auch im Reisebericht 2003, Tag 13.

IMG 1674 IMG 1676 Chicken, Kilometer 107 auf dem Taylor Highway. Laut Statistik leben hier 21 Personen, im Sommer, im Winter deren 6. Kein Wunder, Chicken ist im Winter per Strasse nicht erreichbar. Seit unserem letzten Besuch im Jahr 2003 hat sich hier aber einiges verändert. Nicht am Ort selber, der besteht eigentlich immer noch aus drei Gebäuden, sondern in der Umgebung. Zwei grosse RV Campgrounds bevölkern jetzt das Tal. Ueberall sehen wir Amerikaner, die mit ihren Goldpfannen herumlaufen, in der Hoffnung gelbes Glück zu finden. Wahrscheinlich bleibts bei der Hoffnung. Der kommerzielle Tourismus ist in Chicken angekommen - Idylle ade.

Wir verbringen hier nur kurze Zeit. Uns hat es schon im Jahr 2003 nicht sonderlich gefallen und das hat sich auch 7 Jahre später nicht geändert. Kurz hinter Chicken beginnt die Asphaltstrasse, es ist das Ende unserer Gravelroads Abenteuer. Von jetzt an werden wir bis Whitehorse nur noch Teer haben. Bei km 78 erreichen wir den West Fork Campground, unser heutiges Ziel.

 

Links  
Eagle Alaska Der Ort Eagle
Eagle Hochwasser Das Eisbaufbrech Hochwasser im Jahr 2009
Chicken Ein spezieller Ort in Alaska

 

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