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17. Tag

Frenchman Lake - Campbell HWY

17tag
Datum:
10. Juli 2003, Donnerstag
Fahrstrecke: 274 Kilometer
Campingplatz: Freie Übernachtung

 


Bericht:

Genau 583 Kilometer sind es von Carmacks über den Robert Campbell Highway Nr. 4 nach Watson Lake. 15% davon sind geteert. Der Rest ist eine gute bis mittelmässige Schotterstrasse. Der Highway wurde nach dem ersten Weißen Robert Campbell benannt, der als Pelzhändler der Hudson´s Bay Company bis in den Yukon vordrang. Diese ganzjährige Allwetterstrasse ist eine Alternative Strecke nach Dawson City, oder in unbekehrter Richtung nach Watson Lake und British Columbia. Der Campbell Highway wurde 1968 fertiggestellt und auf dieser Strecke ist die Fahrt von Dawson City nach Watson Lake ungefähr 32 Kilometer kürzer als über Alaska Highway und den North Klondike über Whitehorse. Für die einen ist der Campbell Highway eine langweilige, staubige, nichts bedeutende Strecke. Für die anderen verkörpert er den Inbegriff von Natur und Einsamkeit.

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Früh morgens am Frenchman Lake. Die mittelmässige Schotterstrasse die am Lake vorbeiführt stösst weiter vorne nochmals auf einen Lake namens Tatchun. Auch hier hat es einen sehr schönen Gouverment Campground. Wer die Schotterstrasse noch weiter fährt wird dann später auf den Klondike Highway treffen. Auf dem gesamten Campbell Highway befinden sich 7 solche Gouverment Campground's die alle sehr schön gelegen sind. Ausser zwei, haben alle anderen Seeanschluss.

DSCF3038 PICT2339 Gegen 10.45 Uhr fuhren wir dann wieder zurück auf den Campbell Highway. Der Highway ist hier in einem guten bis sehr guten Zustand. Auf den ersten 65 Kilometer kommt uns an diesem Morgen kein einziges Fahrzeug entgegen. Bei Kilometer 80 stösst der Campbell Highway auf den Little Salmon Lake, an dem er dann ca. 40 Kilometer lang folgt. Auch der Little Salmon Lake und eigentlich alle anderen Seen auch, sind hervorragende Fischgebiete.

DSCF3041 PICT2349 Bei Kilometer 167,7 erreicht der Highway die Stichstrasse die nach Faro führt. Das 384 Einwohner grosse Faro liegt von der Abzweigung aus 9 Kilometer entfernt. Faro ist der wichtigste Ort am Campbell Highway und besitzt alle wesentliche Service-Einrichtungen. Wir haben uns die Fahrt in den Ort erspart da wir eigentlich nichts brauchten und unser Tank auch noch zu zwei Dritteln voll war. Ansonsten sind Tankstellen am Campbell dünn gesät. Abgesehen von den Endpunkten befindet sich eine in Faro und eine weitere in Ross River. Das heisst, dass man mindestens einmal auf dem Campbell Highway Tanken muss. Bei der Abzweigung Campbell/Faro sind uns diese komischen Eisenbahnschienen aufgefallen. Was die hier mit dieser "Trans Yukon Railway" wohl vorhaben (Bild rechts) ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Nun, die ersten Geleise sind ja jedenfalls schon mal gesetzt.....

PICT2352 PICT2358 Wir fuhren dann weiter. Die Landschaft durch die der Campbell Highway führt kann man sich in etwa so vorstellen. Die Strasse zieht weitgehend an den miteinander verbundenen Seen und Flüssen vorbei und ist geprägt durch zahlreiche Flusstäler. Zwischen Carmacks und Ross River begleiten die Pelly Mountains und die Anvil Range die Strecke. Weiter östlich sind es die Berge der Campbell Range. Die Gegend ist sehr einsam und kaum von Menschen besiedelt. Am Lapie Canyon, Kilometer 218, machten wir eine kleine Pause um den Canyon ein wenig näher anzuschauen. Hier befindet sich auch ein sehr schöner Campground.

PICT2366 DSCF3051 Auch Ross River, der zweite Ort am Campbell, befindet sich nicht direkt am Highway. Bei Kilometer 219,7 zweigt die Stichstrasse ab und führt den Reisenden in das 11,2 Kilometer entfernte Dorf. Hier mussten wir abbiegen da wir Benzin auffüllen wollten. Mit unserem grossen Tank (Reichweite ca. 800 Kilometer) hätte es wahrscheinlich gereicht in einem Zug bis Watson Lake durchzufahren. Mir war das aber zu riskant. Ross River ist ein sehr kleines Nest weitab der nächsten grösseren Zivilisation. Eine einzige Zapfsäule hat es im gesamten Dorf das mit 364 Einwohner nur wesentlich kleiner ist als Faro. Zitat aus dem Tagebuch meiner Freundin "Mein Gott ist das ein Kaff. Wer lässt sich hier schon freiwillig nieder -- die Tankstelle kombiniert mit Supermarkt ist ein dunkler vollgestopfter Alptraum, in dem es stinkt und die Klimaanlage und Gefriertruhe einen schönen Dampf abgeben". Tatsächlich ist Ross River vielleicht nicht gerade der Ort um sich niederzulassen. Ross River ist übrigens ein idealer Startpunkt für eine Kanutour auf dem Pelly River. Von hier aus sind es bis Pelly Crossing ca. 300 Kilometer für die man ca. 8-10 Tage einplanen sollte.

PICT2361 PICT2359 Ein wichtiger Versorgungspunkt stellt Ross River aber für alle da, die über den Pelly River fahren möchten um anschliessend die äusserst einsame und nicht weiterführende North Canol Road abzufahren. Die kostenlose Fähre bringt den Reisenden von Ende Mai bis Mitte Oktober über den River. Die etwas wacklige und zerfallend aussehende Fussgängerbrücke tut das seine für Personen (Ganzjährig natürlich). Die North Canol Road Nr. 6 beginnt hier und endet 232 Kilometer später an der Grenze zum Northwest Territories am Macmillan Pass. Die Strecke ist nicht geeignet für Motorhomes. An ihr gibt es keine Siedlungen, nur namenlose Flüsse, Seen und Berge. Beim Macmillan Pass ist dann auch Endstation für Fahrzeuge. Einst führte die Strasse bis Norman Wells am Mackenzie River. Da die Piste aber seit 1945 nicht mehr gepflegt wird, eignet sie sich nur noch für Unentwegte auf Gelände-Motorrädern oder Mountain Bikes. Sie gilt unter Survival Experten unter der Bezeichnung Canol Heritage Trail, ca. 372 Kilometer lang, als besonders anspruchsvolle Route.

DSCF3053 DSCF3047 DSCF3056 War die Strasse von Faro bis Ross River noch in einem guten bis mässigem Zustand, änderte sich das Bild ab Abzweigung Ross River dann schlagartig. Die Strasse führt weitgehend nur noch mit einem Fahrstreifen weiter, und ist zum Teil mit Schlaglöchern übersät. Der Verkehr war schon vorher sehr gering, jetzt bezieht er sich auf fast null. Trotzdem ist der Highway auch hier ohne Probleme mit einem Camper oder mit einem Motorhome zu befahren. Die Geschwindigkeit muss aber den Strassengegebenheiten stark angepasst werden. Auf den nächsten 360 Kilometer bis Watson Lake werden keine Siedlungen mehr kommen. Die Strasse führt durch einsames Angel- und Kanu Paradies in absoluter Einsamkeit. Bei Kilometer 227,6 zweigt die South Canol Road ab, die den Reisenden nach Johnson's Crossing an den Alaska Highway führt. Die 220 Kilometer lange Stecke führt durch die Pelly Mountains und ist an einigen Stellen, so wie wir erfahren haben, sehr eng und nicht geeignet für Motorhomes.

PICT2372-p Am Zusammenfluss von Hoole und Pelly River war dann Schluss für Heute (Kilometer 279,5). Wir nutzen den schönen und bestens geeigneten Ort um hier zu übernachten. Wenn man die Bilder und den Reisebericht so liest, ist alles schön und faszinierend und man könnte sich stundenlang in der Wildnis aufhalten, würde man meinen. Der Schein trügt. Die lästigen Moskitos machten uns das Leben besonders schwer. Vorallem an den Seen ist ein Aufenthalt nur von kurzer Dauer möglich. Trotz intensiver Ganzkörperbesprühung mit dem aggressiven Muskol, lassen sich die meisten Viecher nicht gross davon beirren. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar daran, ging mir jedenfalls so. Trotzdem ist man ständig am herumfuchteln was mit der Zeit einem so richtig auf die Nerven gehen kann.

 

Links:  
Faro Der "grösste" Ort am Robert Campbell Highway
Ross River Das Tor zur North Canol Road und zum Pelly River.

 

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