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15. Tag

Engineer Creek - Dawson City

15-tag
Datum:
1. Juli 2010, Donnerstag (Canada Day)
Fahrstrecke: 236 Kilometer
Campingplatz: Gold Rush Campground (RV Park)
Bewertung: XXXXXX

Privater Campground direkt in Dawson City. Plätze sehr eng. RV Park mit Duschen (kosten zusätzlich), Waschmaschinen, gratis Wireless, Dumpstation. In der Hauptsaison Reservation erforderlich. Einziger Vorteil hier zu campen ist die Lage mitten in der Stadt. Ab 20C$


Bericht:

Der Dempster Highway zeigt sich wieder von seiner schlechten Seite. Dunkle Wolken, nebelverhangene Hügelketten, Nieselregen. Die Fahrt weiter Richtung Two Moose Lake ist alles andere als angenehm. Die Strasse ist mit unzähligen Löcher übersät und es rumpelt gewaltig in unserem Van. Gewisse Abschnitte können nur gerade mit 20km/h befahren werden. Vorteil des Regens, die Löcher sind voll mit Wasser und daher schon von weitem zu sehen. Slalomfahren auf dem Dempster, eine ganz neu Erfahrung.

IMG 1394 Beim Moose Lake, Km 104, halten wir nochmals an, um die Gegend zu erkunden. Ausser einem Fahrradfahrer mit überdimensionalem Gepäck sehen wir leider gar nichts. Schade, die Gegend ist bekannt für seine Elche. Der Fahrradfahrer macht irgendwie einen abgekämpften Eindruck und wäre wahrscheinlich nicht abgeneigt mit uns ein wenig zu plaudern. Uns ist aber an diesem verregneten Morgen nicht nach Small-Talk zumute und so machen wir uns wieder auf die Socken. Bis zum Dempster-Corner sind es ja nur noch 104 Kilometer und bis dahin muss sich der Fahrradfahrer halt gedulden, um einen Gesprächspartner zu finden.

IMG 1400 IMG 1410 Wir sind keine 500 Meter gefahren als wir im Gebüsch am Strassenrand Bewegungen wahrnehmen. Sofort halten wir an und siehe da, da sind sie, die erwähnten Elche. Es sind 3 Tiere. Zwei ältere und ein junges. Wir beobachten die Tiere eine Zeitlang. Auch sie schauen uns verwundert an, zeigen aber keine Scheu. Wir können ohne Problem bis auf 10 Meter an die Tiere heranlaufen. Zum Glück ist zwischen uns ein relativ grosser Graben mit einem Flüsschen, ansonsten ist es nicht ratsam so nahe an diese Tiere zu gehen und schon gar nicht wenn ein Junges dabei ist.

IMG 1412 IMG 2078 Elche können recht aggressiv sein und sind manchmal gefährlicher als Bären.  Wir lassen die Elche wieder in Ruhe und fahren weiter Richtung Tombstone Territory Park. Der nasse Highway zwingt uns zur Langsamfahrt. Im Tombstone Park ist nicht viel los. Der Campground ist leer und auch auf dem grossen Parkplatz vor dem Parkgebäude ist nur ein Auto zu sehen. Der Verkehr ist dermassen gering, dass einem schon beinahe langweilig wird beim Fahren.

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Gegen Mittag erreichen wir wieder die Zivilisation: Dempster-Corner, Km 0. Auch das Wetter hat sich, je weiter wir Richtung Süden gefahren sind, gebessert. Zweimal 734 Kilometer in einer Woche auf einem der schönsten Highways Kanadas. Wir sind froh, haben wir die Strecke ohne Zwischenfall erleben dürfen. Bevor es aber nach Dawson City geht, wollen wir unseren Truck noch vom Dempster Dreck befreien. Anschliessend gehen wir für einen kleinen Imbiss ins Tankstellen-Restaurant. Berauschend war's aber nicht. Eagle Plains hat definitiv das bessere Essen.

Ein kleines Fazit zum Dempster Highway. Wer den Dempster auf seiner gesamten Länge befahren möchte sollte mit ca. 6 Tagen rechnen. Es sind genau 1468 Kilometer hin und zurück. Es geht natürlich auch schneller, aber dann ist man wirklich nur am fahren und das wäre angesichts dieser grandiosen Landschaft wirklich schade. Für den Tourist sollte ohnehin der Weg das Ziel sein. Wer nur den Dempster fahren will um Inuvik zu sehen, der soll lieber hochfliegen. Was uns am meisten verwunderte, war der geringe Verkehr. Für eine Sackgassenstrasse, die eigentlich jeder zweimal fahren muss, sind uns überraschend wenig Fahrzeuge begegnet. Ob das am Wetter lag oder an der Jahreszeit, wir können es nicht sagen. Auf dem Rückweg von Eagle Plains bis Dempster-Corner sind uns gerade mal 5 Autos entgegen gekommen und das auf 365 Kilometer. Das Wetter hat natürlich auf so einer langen ungeteerten Strecke eine entscheidende Bedeutung. Wenn es regnet, und das hat es ab und zu mal, ist der lehmige Untergrund extrem rutschig. Fahren wie auf Schmierseife ist das. In jeder Kurve ein komisches Gefühl. Die Landschaft ist aber gewaltig, man fährt sozusagen durch verschiedene Vegetationen. Richtig schön ist die Strecke ab Eagle Pains bis MacKennzie River. Aber auch die anderen Streckenabschnitte haben ihren Reiz. Einzig der letzte Abschnitt vom MacKennzie River bis Inuvik ist eintönig und langweilig. Inuvik selber ist meiner Meinung nach nicht unbedingt sehenswert. Eigentlich gibt es gar nichts zu sehen und andereseits ist es wiederum interessant wie die Menschen dort oben, hoch im Norden, ihren Lebensunterhalt bestreiten. Da die Stadt ja auf Permafrost gebaut ist, können die Wasserrohre und sonstige Installationen nicht in den Boden verlegt werden und das sieht eben hässlich aus. Dazu kommt noch, dass die Hauptstrasse die einzige geteerte Strasse ist. Das hat zur Folge, dass auch die Hauptstrasse ein richtiger Dreckhaufen ist. Wer also den Dempster hochfahren will, sollte sich damit abfinden, dass es relativ "dreckig" sein könnte. Wer genügend Zeit und ein Auto hat, dem diese Strecke zumutbar ist, der sollte den Dempster Highway fahren. Es ist übrigens der einzige Weg in Kanada, der den Artic Circle (Polarkreis) überquert.

IMG 1425 Die 40 Kilometer bis Dawson sind schnell zurückgelegt. Tipp: Tanken ausserhalb der Stadt ist wesentlich billiger als in der Stadt. Am Ortseingang sahen wir wieder die wüsten, aufgeworfenen Schutthaufen der Minenmaschinen. In Dawson City angekommen suchten wir uns zuerst einen Übernachtungsplatz. Der Gold Rush Campground eignet sich dafür sehr gut. Nicht gerade schön, mehr von der Sorte Sardinenbüchse, dafür mitten in der Stadt und alle Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichbar. In der Hauptsaison kann's aber schwierig werden hier zu übernachten und ohne Reservierung läuft dann sowieso nichts.

IMG 1428 IMG 1429 Seit unserem letzten Besuch vor 7 Jahren hat sich Dawson City, Einwohnerzahl 1879, nicht viel verändern. Eigentlich können wir behaupten, es hat sich gar nichts verändert. Alles sieht noch so aus wie dazumal. Auch die beiden Visitor Center stehen noch an der selben Stelle. Das Yukon Visitor Center und das Northwest Territory Visitor Center sind die ersten Anlaufstellen für Reisende, die von hier aus weiter in den Yukon oder eben in die Northwest Territorys wollen. Für die, die den Dempster hochfahren möchten, ist ein Besuch des Visitor Centers benahe Pflicht. Beide Visitor Center liegen an der Front Street.

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Wir schlendern ein wenig durch die Stadt. Sehen uns diverse Gebäude an und den Schauffelraddampfer SS Keno, den wir 10 Minuten vor Schliessung sogar gratis besichtigen dürfen. In Dawson City gibt es eine komplette Infrastruktur, Hotel, Einkauf, Touristikcenter usw. Im Reisebericht von 2003 habe ich einen längern Bericht über Dawson City geschrieben, wer also Infos haben möchte kann da nachschauen.

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Die meisten Geschäfte liegen an der First/Front Street. Alles schön und nett anzusehen und für Reisende, die das erste Mal hier sind, recht nostalgisch. Auf unserem Rundgang sehen wir auch viele schöne Häuser mit ihren mini Gärten. Bunte Fassaden, manchmal vielleicht etwas zu sehr nach Disney-Art. Aber man gibt sich Mühe. Den Broadwalk gibt es noch, Klondike Kate und auch das grosse Museum können wir ebenfalls finden. Auch das älteste Haus in Dawson, steht immer noch schief in der Gegend und man würde meinen es erlebe den nächsten Schneesturm nicht mehr.

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Am Yukon entlang gibt es einen schönen Uferweg. Bei Spaziergang sehen wir noch den Abschluss der 1. Juli Feier. Ach ja, heute ist ja Canada Day, der Nationalfeiertag in Kanada. Haben wir irgendwie ganz verschlafen.


Wenn man in einer Stadt übernachtet und man die Gelegenheit hat mal wieder in einem Restaurant zu Essen, sollte man sich das sicher nicht entgehen lassen. Es hat unzählige gute Restaurants in Dawson und man hat sozusagen die Qual der Wahl.

Links  
Dawson City Die Goldgräberstadt am Yukon und Klondike River
Dawson City Eine Tour durch Dawson City
Jack London Der Schriftsteller, der einige Zeit in Dawson City lebte

 

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