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14. Tag

Top of the World HWY - Dawson City

14tag
Datum:
7. Juli 2003, Montag
Fahrstrecke: 100 Kilometer
Campingplatz: Gold Rush RV Park
Bewertung: XXXXXX


Direkt in Downtown Dawson, RV Park mit allem Komfort, kein Feuer, enge Plätze, ab 16 C$


Bericht:

Auf Jack Londons Spuren. Der Ruf der Wildnis ist nirgendwo deutlicher zu vernehmen als im kanadischen Yukon Territory, dem Reich der Goldgräber. Dawson City, die Stadt die wir heute besuchen werden, gehört in diese Kategorie. Was früher hartes Leben war, ist heute nur noch Erinnerung. Aber gerade deswegen lohnt sich ein Besuch von Dawson City, das noch heute viel von damals übrig hat.

PICT1995-p DSCF2974 Die letzten 50 Kilometer auf dem Top of the World Highway waren schnell zurückgelegt. Die Strasse wurde aber nicht besser sondern je näher Dawson kam eher schlechter. Bei Kilometer 122.1, oder 4.6 Kilometer vor Dawson City, befindet sich ein sehr schöner Lookout. Direkt an der Strasse, anhalten nur möglich wenn es wenig Autos hat, geniesst man einen herrlichen Überblick auf Dawson City und den Yukon River der hier in der üblichen Farbe braun daherzieht.

PICT2001 PICT2000 Die Yukon-Fähre in Dawson City. Wer vom Top of the World Highway anreist, muss zwangsläufig die kostenlose Fähre benützen um in die Stadt zu gelangen. Das kann in den Hochsaisonmonaten schon mal zu einem Problem werden, da die Fähre nur begrenzt Platz bietet. Mehrere Stunden warten sind da keine Seltenheit. Auf dieser Seite befindet sich übrigens auch der sehr schöne Goverment Campground von Dawson City. Wer hier übernachten will hat einfach das Problem das er jedesmal die Fähre benützen muss um in die Stadt zu kommen. Dawson City ist aber von hier aus auch zu Fuss erreichbar und Fussgänger haben auf der Fähre immer Platz. Wir mussten hier nur kurz warten, aber die diversen Fahrlinien zeugen doch, dass man gewappnet ist, wenn hier Rushhour herrscht. Auf Dawson City Seite stauten sich an diesem frühen Morgen aber bereits schon die Motorhomes. Die Überfahrt dauert ca. 5 Minuten. Die Überquerung ist übrigens nur in den Sommermonaten gewährleistet. Im Winter ist der Fährbetrieb eingestellt. Der Yukon River gefriert im Winter vollständig zu und es ist sogar möglich mit dem Auto den River zu überqueren.

PICT2009 PICT2037 PICT2035 Wie immer wenn man in eine neue Stadt kommt, sollte der erste Besuch dem Visitor Center gelten. Auch hier bekamen wir nützlich Tipps und Infos. Gegenüber des Visitor Centers befindet sich das Visitor Centers der Northwest Territories, das einem gerne Auskunft gibt wenn man zum Beispiel über den Dempster Highway nach Inuvik fahren möchte.

Der Goldrausch begann im Sommer 1897 als die ersten erfolgreichen Goldsucher nach Seattle, Portland und San Francisco zurückkehrten. Dawson City wuchs damals 1898 auf über 30'000 Einwohner an und war damit vorübergehend grösste Stadt westlich von Chicago und nördlich von San Francisco. 1898 wurde Dawson City auch Hauptstadt des Yukon Territorys. Der Boom dauerte allerdings nur wenige Jahre. 1953 wurde der Regierungssitz nach Whitehorse verschoben und 1979 erlebte Dawson City mit 900 Einwohner der absolute Tiefpunkt. In den 80er Jahren wurde der Ort zum National Historic Site erklärt. Unter der Regie von Parks Canada wurden 35 historische Gebäude im Stadtkern mit grosser Sorgfalt restauriert oder neu eingerichtet. Der Aufschwung hat Wirkung gezeigt. Dawson City, nur 266 Kilometer vom Arctic Circle entfernt, entwickelte sich zu Besuchermagneten und zählt heute in den Sommermonaten 2019 Einwohner.

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Dawson City ist leicht zu erkunden. Die Stadt ist im sogenannten Schachbrettmuster erstellt worden. Nur die Front Street, die am Yukon River entlang läuft, ist geteert. Alle anderen Strassen sind geschottert. Das hat zur Folge dass im Sommer es recht staubig zu und her gehen kann. Anderseits ist es auch nicht gerade gemütlich die Strasse nach einem Regentag zu überqueren. Die meisten Gehwege führen aber über Holzstege. An diesem Morgen haben wir uns ein wenig in Dawson umgeschaut. Einfach so durch die Strassen zu flanieren und in den einen oder anderen Shop zu gehen ist ein sehr schöner Zeitvertreib. Ebenfalls besuchten wir das sehr interessante Dawson City Museum das einem die damalige Zeit sehr gut näherbringen kann.

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Die nostalgische Original Post Office von 1901 beherbergt eine reguläre Dienststelle der kanadische Post. Aufgegebene Briefe und Karten werden vorschriftsgemäss befördert. Die neue und "richtige" Post ist allerdings nur wenige Meter entfernt. 

 

PICT2045 Ohne die Goldfelder wäre Dawson  City nicht, was es ist. Wo schon vor über 100 Jahren unendliche Sand- und Schottermengen wieder und wieder durchwühlt wurden, schürfen immer noch Unentwegte nach dem gelben Metall. Auch Touristen dürfen zur Waschpfanne greifen, aber nicht an beliebiger Stelle. Alle Claims sind abgesteckt. Die Bonanza Creek Road für den Touristen zu den meisten Sehenswürdigkeiten rund um Dawson City. Unter Anleitung kann man zum Beispiel hier am Claim 33 nach Gold schürfen. Wir haben den paar Touris ein bisschen über die Schultern geschaut. Gold findet hier natürlich jedermann, die Claims sind ja auch gut vorpräpariert. Der Spass kostet ca. 6 C$. Freies Goldwaschen ist dann rund um Dawson schon schwieriger. Claim 6 bietet sowas an, aber hier wird man auf die schnelle bestimmt kein Gold finden.

PICT2052-p PICT2053 Die Gold Dredge #4 sollte man sich sicher einmal anschauen. Der grösste je für die Förderung und Druchspülung goldhaltigen Gesteins gebaute Schwimmbagger war bis 1966 in Betrieb und wurde später in desolaten Zustand von Parks Canada übernommen und restauriert. Die Besichtigung wird durch erfahrene Park Rangers gemacht und sollte, wenn man schon in der Gegend ist, bestimmt gemacht werden. Kostet ca. 5 C$.

PICT2056 PICT2062 PICT2083 Wir haben uns natürlich dieses Vehikel anschauen müssen. Ein gewaltiges Ding steht da einem vor dem Gesicht. Die Dredge #4 belegt 2/3 eines Fussballfeldes und ist 8 Stockwerke hoch. Ihre Wasserverdrängung beträgt 2722 Tonnen. Jede ihrer Schaufeln hat ein Fassungsvermögen von 0,45 qm. Die Dredge konnte bis zu 17 Meter unterhalb und 5 Meter oberhalb der Wasseroberfläche graben. Die Dredge wurde mit elektrischem Strom betrieben, der von dem Wasserkraftwerk der Betreibergesellschaft über 48 Kilometer herangeführt wurde. Normaler Betrieb benötigte 920 PS. Die Dredge bewegte sich in einem von ihr selbst gegrabenen Teich vorwärts, indem sie vorne goldführendes Kies abbaute, das Gold in einer sich drehenden Trommel auswusch, und den übrigbleibenden Kies durch die Abraumleiter hinten auswarf. Ein Dredge-Teich konnte abhängig von dem Raum den das Tal bot, durch das die Dredge sich bewegte, 90 mal 150 Meter gross sein. Die Dredge war durchschnittlich 200 Tage im Jahr in Betrieb, beginnend im späteren April oder frühen Mail, und operierte 24 Stunden am Tag bis in den späten November hinein.

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Der Midnight Dome. Auf keinen Fall sollte man die Auffahrt zum Midnight Dome auslassen. Dieser tolle Aussichtspunkt hoch über der Stadt bietet einen schönen 360 Grad Rundumblick. Bei meinem Panoramablick immerhin 180 Grad. Hinauf geht es auf einer passablen geteerten Road über 9 Kilometer. Spektakulär ist hier der 21. Juni wo die Mitternachtssonnen nur für einen Augenblick hinter den Bergspitzen verschwindet.

DSCF2984 DSCF2985 In der Hochsaison kann es in Dawson City mitunter ausgesprochen schwierig sein, ein Hotelzimmer oder Campingplatz zu finden. Obwohl es in der Umgebung von Dawson etliche Campingplätze hat, ist doch der Gold Rush (mitten im Stadtzentrum) und der Gouverment Campground (auf der anderen Seite des Yukon's) die begehrtesten. Vorallem der Gold Rush ist mitten im Stadtzentrum gelegen und bietet allen Komfort was so ein RV-Park zu bieten hat. Viel Platz bietet er zwar nicht, jedoch kann man am Abend ohne Problem zu Fuss unterwegs sein und auch mal ein Bierchen mehr trinken. Einmal auswärts Essen ist da natürlich fast Pflicht nach diesen entlosen langen und einsamen Wildnisstrecken. Das Klondike's Kate Restaurant soll eines der besten in der Stadt sein und das können wir nur bestätigen. Übrigens kommen auch Nachtschwärmer in Dawson City voll auf ihre Kosten.

 

Links:  
Dawson City Die Goldgräberstadt am Yukon und Klondike River
Dawson City Eine Tour durch Dawson City
Jack London Der Schriftsteller der einige Zeit in Dawson City lebte

 

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