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13. Tag

Inuvik - Midway Lake

13-tag
Datum:
29. Juni 2010, Dienstag
Fahrstrecke: 232 Kilometer
Campingplatz: Freie Uebernachtung
Bewertung:



Unfreiwillige Uebernachtung am Midway Lake wegen schlechtem Wetter.


Bericht:

IMG_2040 IMG_2045 Nach dem Frühstück verlassen wir Inuvik, nachdem wir ein letztes Mal die MacKenzie Road zum Northern Supermarkt gefahren sind. Lebensmitteleinkauf nur für "reiche" Leute. Organgenschaft 8$, Brot 5$, Milch 4$. Ruckzuck sind 30 C$ weg und in der Tasche ist kaum was zum Essen. "Teuer hier" sagte schon heute Morgen am Campground der Biker mit Anhänger und GB Kennzeichen, der uns die letzten Tage immer wieder begegnete. Er sei in GB geboren, lebe aber jetzt in Toronto. "Boring, cold place here, nothing to do". Wer mit dem Zelt unterwegs ist, ist über das Wetter der letzten Tage sicher nicht erfreut. Er sei jedenfalls froh, ginge es bald wieder Richtung Süden.

Es ist 9.30 Uhr. Wir machen uns auf den Weg. Das Wetter ist gegenüber gestern nicht besser. Auch heute hätten wir wahrscheinlich nicht nach Tuk fliegen können. Dichter Nebel, Nieselregen, 8 Grad. Inuvik im Sommer 2010.

IMG_2050 IMG_2051 Bei so misslichen Verhältnissen ist es ein weiter Weg nach Dawson. Wir fahren den gleichen Weg zurück wie wir gekommen sind. Einige Punkte habe ich bei der Hinfahrt nicht erwähnt, die jetzt beschrieben werden, daher werde ich die Kilometer ab Dempster Corner angeben. Inuvik ist daher Km 734.

Bei Km 731 machen wir einen kurzen Stop und schauen den Aussichtspunkt vom Jak Territorial Park an. Leider sieht man gar nichts. Dicker Nebel versperrt die Sicht hinunter ins Tal. Ein paar Hinweistafeln liefern Infos zur Gegend. Über die nächsten 126 Kilometer gibt's nicht viel zu berichten. Es regnet in Strömen und die Strasse ist extrem rutschig. Gefährlich wird es, wenn ein Fahrzeug entgegenkommt, dann ist höchste Vorsicht geboten denn in der Mitte ist der Untergrund relativ fest aber auf der Seite ist dieser dermassen aufgeweicht, dass man Gefahr läuft von der Strasse abzurutschen.

IMG_1187 IMG_1191 Gegen 11.30 erreichen wir wieder die kostenlose Fähre über den MacKenzie River. Wir unterhalten uns ein wenig mit den Bikern, deren Gesichter wir schon vom Campground in Inuvik kennen. Nach 30 Minuten kommt die Fähre zurück vom anderen Ufer, wir können drauffahren und übersetzten.

Die Biker wollen heute noch bis nach Eagle Plains fahren. Sie sind aber skeptisch, ob das funktonieren wird. Es ist recht mühsam mit zwei Rädern auf diesen aufgeweichten Pisten zu fahren. Eine Stunde später bei Km 550 erreichen wir die Abzweigung nach Fort McPherson.

IMG_2057 Fort McPherson ist mit 791 Einwohnern der grösste Ort am Dempster Highway und liegt zwischen MacKenzie und Peel River. Die Strasse durch den Ort ist sogar geteert. Fort McPherson ist ein alter Hudson Bay Posten in dem die "Lost Patrol" begraben ist. Der Besuch des Friedhofs mitsamt der Kirche ist das Einzige was sehenswert ist. Die Besichtigung ist aber gar nicht so einfach, denn die Moskitos hier bringen einen fast um. Wieder einer dieser Orte, wo die Moskitos so zahlreich sind, dass ein Aufenthalt im freien fast unmöglich ist. Innerhalb weniger Minuten sind unsere T-Shirts nicht mehr weiss sonder schwarz. Fotografieren ist kaum möglich, da man immer am herumfuchteln ist. Ein alter Indianer, der uns auf dem Friedhof gesehen hat, schliesst uns freundlicherweise die Kirche auf, damit wir auch diese noch fotografieren können.

DSC00467 Die Grabstätte der Lost Patrol. Die Geschichte hat sich im Jahr 1910 zugetragen. Damals war Fort MacPherson noch ein Hudson Bay Posten. Den Dempster Highway gab es damals noch nicht und die Versorgung war eigentlich nur im Winter möglich da dann die Landschaft unter einer tiefgefrorenen Eisdecke lag. Die Verbindung zwischen Fort MacPherson und Dawson wurde damals mit Schlittenhunden durch die Mounted Police aufrechterhalten. 4 Männer, darunter der Chief, Inspector Fitzgerald verliessen am 21. Dezember 1910 mit ihren 15 Hunden, 3 Schlitten und Nahrung für 30 Tage Fort MacPherson um Post und sonstiges nach Dawson zu transportieren. Eigentlich eine Routinetour von 765 Kilometer. Am 12. Januar 1911 hätten sie in Dawson eintreffen sollen. Erst am 28. Februar verliess ein Suchtrupp unter Leitung von Korporal Dempster Dawson City. Am 22. März 1911 fand man die Körper der Lost Patrol nur 42 Kilometer von Fort MacPherson entfernt. Anhand der Tagebuchaufzeichnungen von Fitzgerald konnte man ungefähr rekonstruieren was zur Katastrophe geführt hatte.

Die 4 Männer, die Fort McPherson am 21. Dezember verliessen, hatten einen einheimische Führer, Esau George, der sie bis zur ersten Sektion begleitete. Fitzgerald fand anschliessend keine Verwendung mehr für ihn und schickte ihn nach Hause, im Wissen, dass ein anderer Begleiter, Carter, diese Tour schon mal gemacht hatte. Allerdings war dieser Carten nur auf einer einzigen Tour dabei gewesen, die noch dazu in umgekehrter Richtung stattgefunden hatte,  nämlich von Dawson nach Fort McPherson. In der eisigen Kälte und in den von vielen Tälern übersäten Richardson Mountains fand die Truppe dann den wegweisenden Fluss Forrest Creek nicht. Immer wieder wurden Täler abgelaufen, erkundet, in der Hoffung, es sei das richtige. Das Problem war, dass sie schon viel früher die Abzweigung Forrest Creek verpasst hatten und nun dem Little Wind River folgten, in der Annahme es sei der Forrest Creek. Am 12. Januar, als Sie eigentlich Dawson City erreichen sollten, entschlossen sie sich zur Umkehr nach Fort McPherson. Infolge Erschöpfung, Nahrungsmangel und den misslichen Wetterbedingungen, eisige Kälte bis -40 Grad, konnte die Truppe nur wenige, manchmal gar keine, Meilen zurücklegen. Zwischen dem 19. Januar und 5. Februar wurden wegen Nahrungsmangel etliche Hunde getötet. Am 5. Februar 1911, Tag 47, hat Fitzgerald seinen letzten Eintrag ins Tagebuch geschrieben.

IMG_1204 Auf der Weiterfahrt Richtung Peel River haben wir noch beim Nitainlaii Territorial Park angehalten. Hier hat es einen Campground und ein Information Center, in dem sich eine junge Indianerin zu Tode langweilt. Wir haben uns die Mini-Ausstellung angeschaut, die Einblick in das indianische Leben gibt. Solche Stops bieten immer etwas Abwechslung, wieder mal aus dem Auto steigen und die Beine bewegen. Und lernen kann man eigentlich in jedem Info Center etwas, englische Sprachkenntnisse vorausgesetzt.

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Um 14.45 erreichen wir die Peel River Fähre (Km 539). Gerade als wir zur Fähre fahren, legen 2 Kanus am Ufer an mit 4 halb verfrorenen Gestalten. Bei diesem Dauerregen Kanu zu fahren, nicht gerade angenehm.

 

IMG_2060 Nach der Überquerung des Peel Rivers wird der Nebel immer dichter und der Regen will und will nicht aufhören. Zu allem Übel hat ein Grader auch noch die Strasse neu gemacht. Das ist ja alles schön und gut, das Problem ist jetzt aber, dass dieser neue Belag noch nicht hart ist und durch den Regen noch zusätzlich aufgeweicht wird. Eine richtige glitschige, schlamige Angelegenheit. Immer wieder rutschen wir beinahe von der Strasse ab. Ohne zusätzlichen 4 Radantrieb wäre hier ein Weiterfahren höchst kriminell. Unser Fahrzeug sieht aus, als hätten wir an einem 4 Rad "Schlammwochenende" teilgenommen. Andere Fahrzeuge haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Die Strasse ist auch nur noch eine Fahrspur breit; es ist nicht ratsam die Mitte zu verlassen, da sonst ein Einsinken droht.

Bei Km 509 erreichen wir den Midway Lake. Hier findet jährlich ein Musik Festival statt. Keine Ahnung wann und von wo die Leute herkommen, aber das jetzt verlassene Gelände mit provisorischer Bühne und etlichen Holzschuppen ist recht gross und vermittelt den Eindruck, dass hier wohl einmal im Jahr so richtig die Post abgeht mitten in der Wildnis. Nach kurzer Besprechung entschliessen wir uns hier zu bleiben. Eine Weiterfahrt wäre angesichts des dichten Nebels und des Strassenzustandes viel zu gefährlich. Der Nebel ist manchmal so dicht, dass die Sicht auf höchstens 20 Meter begrenzt ist. Da wir wegen den Strassenverhältnissen immer in der Mitte fahren müssen, ist die Konzentration extrem hoch, da wir immer damit rechnen müssen, dass plötzlich ein Auto entgegen kommt. Besser nicht vorstellen, wenn dies ein grosser Truck wäre.

Als wir auf's Gelände fahren, steht bereits ein grosser Camper (Auto mit Wohnwagen) dort. Später erfahren wir vom Mann aus Saskatchewan, dass er bereits seit einem Tag hier ist. Er hat es gestern Nachmittag bei misslichen Bedingung gerade noch bis hierher geschaft. Heute musste das Ehepaar hier in dieser Einsamkeit pausieren. Eine Weiterfahrt mit Anhängerzug wäre nicht möglich gewesen. Wenn morgen das Wetter nicht besser ist, werden sie weiterhin hier bleiben müssen. Wir hoffen natürlich, dass wir mit unserem 4-Radantrieb morgen weiterfahren können.

Wir machen es uns im Camper gemütlich. Einen Spaziergang durch das Gelände brechen wir nach kurzer Zeit ab: Die Moskitos sind einfach mal wieder in der Überzahl. In der Ferne können wir so einmal pro Stunde einen hellen Lichtkegel beobachten, der durch die Landschaft wandert. Es fahren tatsächlich immer noch Autos auf dem Dempster. Als wir gegen 23 Uhr ins Bett gehen hängen die Wolken immer noch tief zwischen den umliegenden Hügeln. Und aus Pfützen werden kleine Seen. Ob wir morgen wirklich weiterfahren können?

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