Reiseberichte, Mountainbiken und Videofilmen


12. Tag

Inuvik


Datum:
28. Juni 2010, Montag
Fahrstrecke: 17 Kilometer
Campingplatz:Happy Valley Campground
Bewertung: XXXXXX


Siehe Tag 11.


Bericht:

DSC00446 Das Wetter ist beschissen. Inuvik zeigt sich von seiner schlechtesten Seite. Es hat fast die ganze Nacht geregnet und heute Morgen ist es dermassen kalt, dass wir sogar die Heizung anstellen müssen. Unser Thermometer zeigt 6 Grad. Den einheimischen Kinder scheint das aber nichts auszumachen, die spielen draussen im T-Shirt. Nach dem Frühstück müssen wir zuerst mal unser Abwasser entsorgen und Frischwasser auffüllen. Anschliessend geht's Einkaufen. Wenigstens haben sie hier mit dem Northern Mart ein Einkaufcenter, wenn man dem so sagen darf. Wir rufen Arctic Chalet an um uns zu erkundigen ob der Flug nach Tuktoyaktuk stattfinden kann. Es sieht nicht danach aus, denn im Moment können wegen dem schlechten Wetter keine Flugzeuge fliegen. Wir müssen uns noch ein wenig gedulden und hoffen, dass sich die Lage gegen Mittag verbessert.

IMG_2018 DSC00445 So schlendern wir ein wenig durch die Stadt, in der Hoffnung, Inuvik doch noch von einer schönen Seite zu sehen. Leider vergeblich: eine Strasse ist so trostlos wie die andere. Schlaglöcher, Hausrat und Schrott fast vor jeder Haustür.  In ein paar Monaten ist sowieso wieder alles gefroren und dann ist das Auto auch nicht mehr dreckig und die Schlaglöcher vor dem Haus werden mit Schnee gefüllt und alles ist wieder in Ordnung. In vielen Geschäften müssen übrigens die Schuhe ausgezogen werden beim Betreten des Ladens. Das sagt eigentlich schon alles.

Gegen 12 Uhr rufen wir wieder Arctic Chalet an. Der Flug nach Tuktoyaktuk finden heute nicht statt. Absage wegen schlechtem Wetter. Schade, da bleibt uns nichts anderes übrig als den heutigen Tag in Inuvik zu verbringen. Angesichts des miserablen Wetter hätte es keinen Sinn gemacht heute schon wieder Richtung Dawson City zu fahren, denn bis zu unserem Campground Rock River wäre es viel zu weit gewesen. Vielleicht ist das Wetter ja morgen besser, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Inuvik ist Kanadas nördlichste Stadt und hat ca. 3500 Einwohner. Es liegt am Mackenzie Delta und ist 96 Kilometer von dem Arktischen Meer entfernt. Wer also das Arktische Meer sehen möchte kann das nicht in Inuvik. Für das wäre ein Flug nach Tuktoyaktuk notwendig.

Inuvik verfügt über eine komplette Infrastruktur, diese muss aber teuer hierher transportiert werden. Dementsprechend schlägt sich das auch im Preis nieder. Inuvik gehört zu den teuersten Städten im Yukon. Vorallem Lebensmittel wie Milch, Gemüse oder Fleisch sind extrem hoch. Benzin ist auch teuer, jedoch haben wir schon teureres gesehen. Eigentlich hatten wir erwartet auf dem Dempster mehr grosse Trucks zu sehen. Dem war aber nicht so. Wahrscheinlich werden in der heutigen Zeit viele Güter per Flugzeug transportiert.

Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei -10 Grad. Mit einer Niederschlagsmenge von jährlich 266 mm ist es eher trocken, da die Gebirgszüge im Westen den Regen weitgehend fernhalten. Nun, heute ist es eher nass als trocken.

IMG_2021 Sehenswertes: Nun, viel gibt's in Inuvik nicht zu sehen. Der Reisende, der hierher kommt, der kommt nicht wegen Inuvik sondern wegen dem Dempster Highway. Eine Sehenswürdigkeit ist die in Igluform errichtete Kirche des Ortes (Igloo Church Our Lady of Victory, 1960 von Maurice Larocque und Joseph Adam errichtet).

 

IMG_2022 IMG_2034 DSC00454 DSC00448 In der Town Hall können sich Besucher einen gratis Pin abholen, ganz nach dem Motto "ich hab's bis hierhin geschafft". Wir fragen den diensthabenden Beamten, der noch möchte, dass wir uns in sein Gästebuch eintragen, über die unzähligen Rohre, die man überall in der Stadt sieht. Er erklärt, dass der Boden ja immer gefroren ist und deshalb die Wasser- und Abwasserleitungen nicht wie bei uns in Europa in den Boden verlegt werden können. Also werden die Rohre auf Stelzen gesetzt und oberirdisch geführt. Zudem müssen sie im Winter ständig auf 3 Grad geheizt werden damit das Wasser nicht zufriert. Auch die Häuser sind fast alle auf Stelzen gebaut damit die Wärme vom Haus nicht den Boden aufweicht und alles einsinkt. Sieht halt alles dementsprechend hässlich aus. Wenigstens haben sie in der Farbgebung ein wenig Fantasie gehabt. Bei der Tankstelle erzählt uns eine Frau, dass ihr Bruder täglich mit dem Boot nach Tuktoyaktuk fährt und uns morgen sicher mitnehmen könnte. Nun, leider sind wir morgen nicht mehr da. Im Buchladen, erzählt uns der Mann fast die ganze Geschichte von der Iceroad, die hier im Winter sehr bekannt ist. So ist auch Tuktoyaktuk im Winter auf dieser Strasse erreichbar und auch alle Gas und Minengesellschaften benützen den Winter damit sie schwerere Güter per Landweg bzw. per Iceroad zu ihren Minen weit draussen im Arktischen Meer transportieren können. Die schönste Zeit sei sowieso der April. Da sei es nur noch minus 20 Grad kalt und überall in den Communitys werden Frühlingsfeste gefeiert, erzählt uns der Buchhändler weiter, der uns beinahe nicht mehr gehen lassen wollte. Also gesprächig sind die Leute hier, wohl froh über die Abwechslung durch die wenigen Touristen hier oben.

IMG_2016 Die Strassen sind am heutigen Montag schon ein wenig belebter, was den Ort aber acuh nicht viel schöner macht. Wir verbringen noch einige Zeit in der Bibliothek, schauen Bücher an oder beantworten Mails, die dank gratis Wireless abrufbar sind. Zudem sind wir froh haben wir ein Plätzchen gefunden wo es warm ist. Den draussen sind knapp 7 Grad. Das sei aber für die Jahreszeit ganz normal, erzählt man uns. Es könnte sein das morgen bereits wieder 22 Grad sind. Im Sommer seien solche Temperaturschwankungen keine Seltenheit.

Im Visitor Center erfahren wir, dass es einen sogenannten Dempster Highway Passport gibt. Diesen bekommt man üblicherweise in Dawson, wo die meisten ihre Reise nach Inuvik beginnen. Mit diesem Pass hat man die Möglichkeit schöne Preise zu gewinnen. Bedingung ist, man fährt alle Sehenswürdigkeiten und Ortschaften an, die am Dempster Highway liegen und lässt das abstempeln. Wir hätten jetzt also die Möglichkeit beim Retourweg diesen Travel Pass mit Stempeln zu füllen. Mal schauen ob uns das gelingt. Wer übrigens ins Visitor Center geht und sagt er komme gerade per Fahrzeug über den Dempster Highway, der bekommt das "Dempster Highway Zertifikat" mit der Aufschrift "I drove the Dempster Highway". Alles ein wenig touristisch-kitschig angehaucht, aber nett gemeint und ein schönes Andenken.

Der Happy Valley Campground: Wer in der Stadt schlafen möchte muss zwangsläufig hier übernachten. Von hier aus sind die Wege kurz und man muss nicht immer das Auto nehmen. Wer es lieber gemütlicher und schöner haben will, der geht auf den Jak Park Campground bei Km 731 ausserhalb der Stadt. Der Happy Valley hat 17 und der Jak Park 36 Plätze. Es sind dies die einzigen Campgrounds in der Nähe von Inuvik. Sind nicht gerade viele, aber soviel Touristen verirren sich eh nicht hierher.

Links:  
Inuvik Nördlichste Stadt von Kanada
Tuktoyaktuk (Tuk) Eskimo Dorf am Arktischen Meer
Dempster Highway Passport PDF zum Herunterladen als Info
Camping Northwest Territory Camping Reservation für Northwest Territorys

 

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