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11. Tag

Eagle Plains - Inuvik

11-tag
Datum:
27. Juni 2010, Sonntag
Fahrstrecke: 377 Kilometer
Campingplatz:Happy Valley Campground
Bewertung: XXXXXX



Territorial Park Campground. Direkt in Inuvik. Vorteil: viele "Sehenswürdigkeiten" zu Fuss erreichbar. Ansonsten nicht sehr schön. Plätze sind eng. Dafür hat es Duschen, Waschmaschine, Wireless. Einige Plätz mit Strom. Ab 22.50C$.


Bericht:

Eines vorweg. Die heutige Strecke von Eagle Plains bis zum Mackenzie River, durch die Richardson Mountains, gehört zum Besten was der Dempster zu bieten hat. Wildnis Kino vom allerfeinsten. Nur leider macht das Wetter nicht so mit. Es ist trüb, wolkenverhangen und wir wären nicht überrascht, wenn es noch zu Regen beginnen würde.

Nach einer unruhigen Nacht, die Amerikaner neben uns waren trinkfester als wir dachten, sind wir heute morgen bereit, bis nach Inuvik zu fahren. Für die 365 Kilometer rechnen wir mit ca. 9 Stunden.

Eigentlich wollten wir um 8 Uhr aufbrechen, da wir hier aber Wireless Internet haben, kann ich natürlich wieder die Fussball Weltmeisterschaft in Südafrika verfolgen und da hat gerade um 8 Uhr "Yukonzeit" das Spitzenspiel England - Deutschland angefangen. Mann, jetzt wäre ich gerne hier geblieben und hätte mir dieses Spiel angeschaut. Aber eben, die Wildnis ruft und da gibt's kein Zurück. Gegen 8.30 Uhr verlassen wir Eagle Pains Richtung Polarkreis, gerade in dem Moment als Deutschland das erste Tor schoss. 

Auf den nächsten Kilometern, genauer gesagt von Km 369 bis zum Nordwest Territory Km 489, durchqueren wir die Richardson Mountains.

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Es ist genau 9.06 Uhr als wir bei Km 405.5 den Polarkreis erreichen. Es ist für uns das erste Mal, dass wir den 66.33 Breitengrad überqueren und somit in die Gegend eintauchen, wo die Sonne ab dem 21. Juni für 6 Wochen nie untergeht. Das Gegenteil ist dafür im Winter der Fall, dann wird es ab dem 21. Dezember für 6 Wochen keine Sonnenstrahlen mehr geben. Wir sind nur kurze Zeit allein, können die einsame Ruhe nur kurz geniessen. Wenige Minuten später fährt eine Gruppe Motorradbiker auf den Platz. Wir kennen uns bereits, haben uns in Eagle Plains und auch schon kurz vorher getroffen. Der weissbärtige Amerikaner, in der roten Jacke, lebt in der Nähe von Los Angeles, hat die Tour schon einmal mit seinem Freund gemacht, der inzwischen an Krebs verstorben ist. Jetzt ist er alleine hierher gefahren um die Asche seines Freundes am Polarkreis niederzulegen. Schöne Geste. Er hat von uns das Bild gemacht, das uns am Polarkreis zeigt. Für ihn ist somit die Reise beendet, erzählt er uns weiter. Er werde jetzt noch eine Zeitlang hierbleiben, an seinen Freund denken und dann wieder die Heimreise nach L.A in Angriff nehmen. Was für Geschichten man hier so hört. Gestern war da zum Beispiel in der Hotel Lobby der Junge Mann aus Montreal, der einfach nur so herumreist mit einem Rucksack und Hund. Ziel? Wo einem das Leben so hinbringt.

IMG_1125p Wir verlassen den Polarkreis wieder und fahren weiter nordwärds. Das Wetter wird immer schlechter, das Termometer zeigt nur noch 11 Grad an. IMG_1128p

Wir befinden uns jetzt in der Arktischen Tundra, wo es keine Bäume mehr gibt. Gleichzeitig wird die Gegend auch als "High Bear Area" bezeichnet. Die Chance hier einen Grizzly Bären zu sehen ist hoch. Bei Wanderungen sollte man also besonders vorsichtig sein. Leider können wir trotz intensiver Beobachtung nichts erkennen.

Bei Km 446 kurzer Stop beim Rock River Campground. Diesen Campground mit rund 20 Plätzen werden wir bei der Rückreise anfahren.  Ausser zahlreichen Moskitos ist im Moment niemand hier.

IMG_1135 IMG_1138 IMG_1140 Bei Km 465 erreichen wir die Grenze zu den Nordwest Territorys. 4 Kilometer vorher war die Sicht noch recht passabel. Jetzt sehen wir gar nichts mehr. Dichter Nebel umhült uns und wir können froh sein, dass wir die Hinweistafeln überhaupt erkennen können. Gleichzeitig mit uns sind auch die Motorradfahrer angekommen. So herrscht hier ein Betrieb, der selbst dem Fuchs komisch vorkommt. Hier befindet sich übrigens die dritte Continetal Divide, diesmal die der Richardson Mountains. Flüsse die Richtung Westen fliessen enden im Pazific, Flüssen mit Richtung Osten im Arktischen Meer.

Da wir uns jetzt in den Northwest Territorys befinden, heisst der Dempster Highway offiziell Highway No. 8. Im Yukon ist er unter Highway No. 5 zu finden. Gleichzeitig ändern sich auch die Kilometerangaben, es fängt wieder alles bei 0 an. Die Milepost erwähnt das zwar, fährt dann aber mit der Kilometerangabe vom Yukon Territory weiter. Ich werde daher ebenfalls die Milepost Angaben übernehmen.

Detail: Hier ist noch Zeitzonenwechsel. Northwest Territorys haben Mountain Time, Uhren eine Stunde vorwärts stellen. Anstelle 10.20 haben wir jetzt schon 11.20 Uhr. Inuvik ist  noch 260 Kilometer entfernt.

Bei Km 489 erreichen wir den Wright Pass. Die Temperatur ist inzwischen auf 7 Grad gesunken. Die Strasse ist auch nicht mehr so breit. Zum Glück gibt es kein Gegenverkehr.

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Nur wenige Meter unterhalb der Passhöhe ist die Sicht wieder besser. Aber nun regnet es und die Strasse ist dermassen aufgeweicht, dass das Vorwärtskommen recht mühsam ist. Die Motorradfahrer haben es besonders schwer. Manche sind da nur mit 20 km/h unterwegs und da wir bei den misslichen Verhältnissen nicht überholen können, bleibt uns nichts anderes übrig als hinterher zu tuckern.
Wir befinden uns jetzt in den MacKenzie Lowlands. Die Gegend ist bekannt für die schöne Tundralandschaft. Wer vom Dempster Highway irgendwo in einem Magazin ein Bild sieht, der kann davon ausgehen, dass es hier gemacht wurde. 

IMG_1148 IMG_1150 Genau um 13 Uhr erreichen wir (Km 539) die Peel River Fähre. Die Government Fähre ist kostenlos und fährt im Sommer täglich während 14.5 Stunden. (9 Uhr bis 00.30 Uhr). Es gibt keinen Fahrplan: gefahren wird, wenn Fahrzeuge da sind. Im Winter besteht eine Eisbrücke. In der Übergangszeit, also wenn das Eis am zufrieren oder am schmelzen ist, besteht kein Übergang. Alle Ortschaften auf der anderen Seite des Flusses sind dann per Landweg nicht erreichbar.
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Die Landschaft ändert jetzt ihr Bild. Die Richardson Mountains sind vorbei und zu unserem Erstauen ist wieder viel Wald zu sehen. Wir haben so weit nördlich eigentlich keinen Wald mehr erwartet.

 

Bei Km 550 sehen wir die Abzweigung nach Fort McPherson. Wer knapp mit Benzin ist, kann hier auftanken gehen. Wir werden den Ort bei der Rückreise besichtigen.

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1 1/2 Stunden später sind wir bei der zweiten Fähre (Km 608). Die Mackenzie Fähre ist ebenfalls eine Goverment Fähre und daher kostenlos. Die Gegebenheiten sind die genaugleichen wie bei der Peel River Fähre. Der Mackenzie ist mit über 1900 Kilometern Länge einer der grössten in Kanada.

  IMG_1171 IMG_2012 Vom MacKenzie River bis nach Inuvik sind es noch 126 Kilometer. Äusserst langweilige Kilometer: eintöniger Wald, keine Aussicht und es geht fast nur geradeaus. Der Strassenzustand ist recht passabel, wegen dem Regen können wir aber kaum schneller fahren als 60 Km/h. Mit dem Regen und der klebrigen Strasse wird auch unser Truck immer dunkler. Es ist kaum mehr möglich ohne dreckig zu werden in den Wohnraum zu gelangen. Dempster-Feeling der anderen Art. 

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Es ist genau 17.10 Uhr als wir nach 734 Kilometer Dempster Highway die Stadt Inuvik erreichen. Über 7 1/2 Stunden haben wir gebraucht um 377 Kilometer zurückzulegen. Inuvik befinden sich auf dem 68.19 Breitengrad. Weiter nach Norden kann man im Sommer mit dem Fahrzeug nicht mehr fahren. Hier ist definitiv das Ende von Kanadas Strassen.

Der erste Eindruck von Inuvik: Es entspricht nicht ganz unseren Vorstellung. Alles sieht irgendwie gruselig und schäbig aus. Es ist Sonntag und dementsprechend wenig los. Die wenigen Leute, die man sieht, sind herumhängende Indianer. Vor den meisten Häusern türmt sich Hausrat und alles in grosser Unordnung. Die Häuser sehen wenig einladend aus. Die Hauptstrasse, einzige Strasse die geteert ist, ist voll Schlamm und Schlaglöcher. Alle Autos haben eine ordentlich Dreckschicht auf der Haube. Irgendwie haben wir das Gefühl, Sauberkeit ist hier ein Fremdwort.

IMG_1177 Wir besuchen das Visitor Center. Ein schöner freundlicher Bau, der irgendwie nicht ins Stadtbild passt. Da wir Inuvik erst übermorgen wieder verlassen werden, möchten wir Morgen das Eskimodorf Tuktoyaktuk (ca. 1000 Einwohner) besuchen. (Die Einheimischen sagen einfach Tuk). Dieses Dorf befindet sich am Arktischen Meer und ist im Sommer nur per Flugzeug erreichbar. Die Dame im Visitor Center empfiehlt uns über Arctic Chalet einen Flug zu buchen. Das haben wir dann auch gemacht, für 400 C$ pro Person. Stolzer Preis, aber wenn man schon mal da ist, sollte sowas schon mal gemacht werden. Leider ist die Wetterlage für morgen alles andere als gut, aber wir hoffen doch, dass wir trotzdem unseren Ausflug machen können.

DSC00443 Anschliessend fuhren wir zu einem Abspritzplatz. Unser Truck sollte wieder die Farbe weiss bekommen, was gar nicht so einfach war, denn der Schlamm war inzwischen getrocknet und  pickelhart. Es war ein richtiger Krampf und anschliessend war der Truck sauberer als ich.



Am Abend sind wir dann in Inuvik Essen gegangen. Neben einigen Fast-Food-Ecken gibt es nur 2 normale Restaurants. Gegen 23 Uhr war Lichter löschen, so gut es ging. Trotz der Bewölkung und des Regens ist es um diese Zeit immer noch so hell als wäre es Nachmittag. Irgendwie werden wir schon schlafen können.

Links:  
Northwest Territorys Ferry Die Fähren in Nordwest Territorys
Northwest Territorys Transportation Strassenzustand in den Northwest Territorys
Arctic Chalet Spezialist für Touren Rund um Inuvik

 

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