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10. Tag

Palmer - Seward

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Datum:
3. Juli 2003, Donnerstag
Fahrstrecke:
328 Kilometer
Campingplatz:
Freie Übernachtung

 


Bericht:

Nichts beeindruckt den Neuankömmling in Anchorage mehr, als die traumhafte Lage inmitten einer wilden und buchstäblich unberührten Natur. Die Stadt mit 260'000 Einwohner liegt am Ende der als Cook Inlet bekannten Bucht des Gulf of Alaska. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt heute in der wirtschaftlich wichtigsten und grössten Stadt Alaska's. Obwohl Anchorage die grösste und wichtigste Stadt ist, Hauptstadt des Bundesstaates ist jedoch eine andere, nämlich Juneau im Süden des Landes. Im Sommer blüht Anchorage so richtig auf. Überall blühen Blumen, die Menschen sitzen in den Strassencafes, ja, manchmal kommt so richtiges südländisches Flair auf. Im Winter aber der harte Gegensatz. Eisigkalte Temperaturen, bis zu - 30 Grad, Tageslicht, das nur knapp die 5 Stundengrenze überschreitet. Anchorage ist nicht nur die grösste Stadt, sie ist auch die billigste. Nirgends im Land sind die Preise für Nahrungsmittel und Benzin so tief wie hier.

DSCF2863 DSCF2865 Bereits früh erreichte uns das Grossstadt Feeling. Den kurz nach Palmer (Km 516.5 ab Fairbanks) wechselte der Parks Highway, jetzt auch Glenn Highway, von 2 Spuren auf 4 Spuren. Auch der Verkehr nahm beträchtlich zu, obwohl wir immer noch über 60 Kilometer von Downtown Anchorage entfernt waren. Gegen Mittag erreichten wir Downtown und damit auch das Ende des Parks und Glenn Highways. 583 Kilometer sind es von der einen Grossstadt, Fairbanks, in die andere, Anchorage. Parkplatzprobleme in der Innenstadt gibt es eigentlich nicht. Wir hatten schnell mitten in Downtown ein Platz gefunden, wo wir unseren Van parkieren konnten.

PICT1515-p PICT1516 PICT1517 Erster Besuch galt dem Resolutions Park. Am westlichen Ende der 3rd Ave. steht das berühmte Captain Cook Monument. Hier hat man eine fantastische Sicht auf das Meer. Bei klarer Sicht sind sogar die Ausläufer der Alaska Range zu erkennen. Optimisten sagen sogar bei schönem Wetter sehe man von hier den Mt. McKinley.

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Die Innenstadt ist schnell erkundet. Sie entspricht ungefähr den Blocks zwischen 4th und 6th Ave sowie C- und H-Streets mit vielen Shops und Restaurants. Souvenirjäger kommen hier voll auf ihre Kosten. Wie überall in Alaska ist auch hier ein Besuch des sehr schönen Visitor Centers Pflicht. Hier werden auch geführte Touren durch Downtown angeboten. Eigentlich hat man nie den Anschein als würden hier 260'000 Menschen leben. Die Stadt ist ruhig und es herrscht überhaupt keine Hektik. Die vielen Sehenswürdigkeiten sind der Beweis, dass bei einem längeren Aufenthalt bestimmt keine Langeweile aufkommen wird. Da wir leider nicht gross Zeit hatten, beschränkten wir unseren Aufenthalt nur auf Downtown. Denn bereits 3 Stunden später hiess es wieder Abschied nehmen von Alaska's grösster Stadt.

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Auf unserer Weiterfahrt wechselten wir in Anchorage auf den Seward Highway. Der 204 Kilometer lange Highway folgt von Anchorage aus dem Nordufer des Turnagain Arm bis Portage, von wo er sich durch das Innere der Kenai Peninsula bis Seward zieht. Der Verkehr ist relativ stark, da der Highway die einzige Verbindung zur Kenai Halbinsel ist. Bei Kilometer 145 zweigt der Sterling Highway ab, der den Reisenden auf die Westseite der Halbinsel nach Kenai und Homer führt.

Lohnt es sich, den Sterling Highway bis nach Homer hinunterzufahren und dann wieder zurück? Nun, wir können es nicht richtig beurteilen. Generell gilt: Sehenswürdigkeiten, die den langen Weg nach Homer absolut unverzichtbar machen, gibt es kaum. Von der Abzweigung Steward/Sterling Highway bis nach Homer und wieder zurück sind es 430 Kilometer was mindestens 3 Tage Zeit voraussetzt. Bei knapper Reisezeit muss man Kenai und Homer demnach nicht unbedingt gesehen haben. Aber das ist natürlich auch immer Ansichtssache. Dagegen sollte man eine Fahrt bis Seward immer in Erwägung ziehen. Die Strecke ist wunderschön und führt den Reisenden an vielen Bächen, Gletschern und Seen vorbei. Ideal für Zwischenstopps.

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6.5 Kilometer vor Seward zweigt eine Strasse nach Westen ab zum 15 Kilometer entfernten Exit Glacier, der zum berühmten und wunderschönen Kenai Fjords Nationalpark gehört. Die Besichtigung des Gletschers ist wegen dem Nationalpark gebührenpflichtig (5 US$). Ein kurzer Weg führt dann vom Parkplatz bis an den Fuss des Exit Glaciers, der zum grossen Harding Icefield gehört. Nirgendwo sonst im Kenai Nationalpark kommt man so leicht an einen Gletscher heran. Nicht nur die Gletscher in Europa ziehen sich zurück, auch in Alaska hat man mit der Klimaerwärmung zu kämpfen. Hinweistafeln mit Jahreszahlen dokumentieren den dramatischen Rückgang. Auf verschiedenen Trail's kann der Besucher einen interessanten Rundgang machen.

PICT1602 PICT1576 Am frühen Abend erreichten wir dann den Küstenort Seward. Was wir da sahen war kaum zu überbieten. Der Ort war mit Menschen überbevölkert. Nach kurzem staunen wussten wir auch gleich warum. Wir waren tatsächlich zur falschen Zeit am "richtigen" Ort. Morgen Freitag ist nämlich der 4. Juli, und das heisst nichts anderes als amerikanischer Unabhängigkeitstag. Zudem wird an diesem Tag auch noch das berühmte "Mount Marathon Race" durchgeführt, was soviel heisst wie, morgen ist der Tag, der Tage. Super, und wir mittendrin! Ein Lottosechser wäre wahrscheinlich einfacher zu realisieren gewesen, als ein freier Campingplatz in Seward.

Seward ist die einzige Hafenstadt an der Südküste der Kenai-Halbinsel. Heute leben hier ca. 3000 Einwohner, die sich mehrheitlich mit Tourismus und Fischfang beschäftigen. Seit der Gründung des Kenai Fjords National Park 1980, erhielt Seward auch den Beinamen "Gateway to Kenai Fjords National Park". Das Städtchen selber ist klein aber fein. Typisch amerikanisch eben. Nachdem wir uns endlich durch Seward durchgekämpft hatten, viele Strassen waren wegen dem Marathon Race bereits gesperrt worden, kamen wir gerade rechtzeitig zum Small Boat Harbor, um den Fischern zuzuschauen wie sie ihren Fang an Land brachten. Ein riesiges Schauspiel, das von unzähligen Menschen begleitet wurde.

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Gegen 18 Uhr mussten wir uns dann auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Das war fast eine unlösbare Aufgabe. In Seward selber war nichts zu machen, nicht mal auf einem normalen Parkplatz hätten wir uns hinstellen können, alles war besetzt. Hunderte von Motorhomes standen einfach so auf den Strassen herum. Keiner fragte sich, darf ich hier, oder darf ich hier nicht. Wir sind dann auf der holprige Lowell Point Road ein Stück weitergefahren Richtung Miller's Landing, da uns der Trubel in Seward doch zu gross war. Aber auch hier war alles besetzt. Schlussendlich wurden wir auf einen normalen Kiesplatz dirigiert für den wir auch noch 10 US$ hätten zahlen müssen. Geblieben sind wir, bezahlt haben wir aber nicht. Das war bei dem Durcheinander auch vergessen gegangen. Das Campingplatzangebot ist an "normalen Tagen" akzeptabel. In Seward selber wie auch in Miller's Landing hat es schöne Plätze direkt am Meer.

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Filetieren in Schnellzugstempo. Bei unserem abendlichen Spaziergang in Miller's Landing konnten wir an der Pier, den Fischern noch bei der Arbeit zuschauen.

 

Vielleicht noch ein Wort zu diesem Marathon Rennen. Immer am 4. Juli ist in Seward der Teufel los. Was Anfang des Jahrhunderts als Kneipenwette begann, ist heute ein sportliches Spektakel ersten Ranges. Es gilt den 1403 Meter hohen Mt. Marathon in weniger als einer Stunde zu besteigen. Mehr als 700 Frauen, Männer und Kinder nehmen an dem Rennen auf Seward's Hausberg teil. Die schnellsten brauchen für die Strecke hin und zurück weniger als 47 Minuten.

 

Links:  
Anchorage Daily News Alles über Anchorage
Anchorage Schöne Webseite über Anchorage
Der Seward Highway Die Hauptverbindung zur Kenai Halbinsel
Seward Die Hafenstadt Sewar

 

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