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10. Tag

Mezidian Junction - Steward / Hyder

karte-10tag

Datum: 03. September, Dienstag
Fahrstrecke: 88 Kilometer
Campingplatz: Bear River Campground
Bewertung: XXXXXX

Einfacher Platz, eng, Duschen, Strom, Wasser, Abwasser, oft voll. 20 Dollar. Billigster Platz in Stewart/Hyder. ev. besser Camping in Hyder Alaska, teurer.


Bericht:

Wie sagte doch die Rangerin gestern, aufgepasst es hat Bären hier in der Gegend. Und tatsächlich, kaum haben wir heute morgen die Jalousien hochgezogen, was sahen wir, einen Schwarzbär. Mitten im Campground. Er war etwa 80 Meter von unserem Motorhome entfernt. Den Versuch Ihn zu fotografieren ist leider durch die Motorhomescheibe misslungen (unscharf). Habe dann schnell das Motorhome verlassen, konnte aber nur noch beobachten wie er sich direkt neben den WCs in die Büsche verkriechte. Heute morgen werde ich bestimmt nicht aufs WC gehen. 1 Stunde später haben wir dann den Campground verlassen ohne den Bär wiederzusehen.

DSCF1326 DSCF1332 In Meziadin Junction (eine Kreuzung mit Tankstelle und Shop) besteht die Möglichkeit nach Stewart/Hyder auf den Highway 37A abzuzweigen. Dieser Highway ist eine Sackgasse und endet in Stewart nach etwa 70 Kilometer. Die 37 führt weiter in die Einsamkeit des hohen Nordens. Der nächst grösser Ort ist Watson Lake und ist von Meziadin Junction 590 Kilometer entfernt. Auf der Strecke bis Watson Lake hat es diverse Abschnitte die immer noch ungeteert sind (Das befahren von Highway 37 wird von viele Motorhomevermietern nicht erlaubt). Anders der HWY 37A. Er führt am Bear River entlang durch eine beeindruckende Gebirgslandschaft mit Schneeberge und ist in hervorragendem Zustand. Einen kurzen halt ist am Bear Glacier zu empfehlen. Nur eine Seebreite von der Strasse. Im See trieben Eisschollen und man merkte, dass es empfindlich kalt war.

DSCF1444 DSCF1335 DSCF1333 Stewart liegt, umringt von hohen Gipfeln, am Ende des 150 Km langen Protland Canal, der natürlichen Grenze zwischen dem Südzipfel Alaskas und Kanada. Stewart hat Kanadas nördlichster eisfreier Hafen. Sehenswürdigkeiten gibt es in Stewart so gut wie keine, abgesehen davon, dass der Ort selber die Sehenswürdigkeit ist. Man fühlt sich etliche Jahre in der Zeit zurückversetzt. Die Tourist Office gibt nützliche Infos heraus betreffend Bären am Fishcreek. Unbedingt vorbeigehen. Im Bitter Creek Cafe kann man übrigens sehr gut zu Abendessen. Da es in Stewart und Hyder nur beschränkt Übernachtungsmöglichkeiten gibt ist es hier in der Hauptsaison schnell mal voll.

DSCF1351 DSCF1344 Kaum 6 Kilometer hinter Stewart kommt die Grenze zu Alaska USA. Die Grenze in Richtung USA wird nicht kontrolliert. Kein Wunder, warum auch. Es führt keine Strasse weiter und man ist gezwungen Alaska auf dem selben Weg wieder zu verlassen. Gleich anschliessend kommt Hyder. Quer über der Strasse ist ein Transparent mit der Aufschrift "Welcome in Hyder Alaska" gespannt. Beim ersten Haus ertönt aus einem billigen Lautsprecher der Song "Welcome to Alaska...... . Alles ein bisschen kitschig. Kaum ist die Grenze passiert, hört auch die geteerte Strasse auf !!!!!!! . Das Wildwestliche Hyder, the friendliest Ghost-Town in Alaska, ist eine Augenweide. Die Zeit ist hier irgendwo um 1900 stehengeblieben. Verlassene Häuser, die nicht geschlossen oder bereits am verfallen sind, stehen zum Verkauf frei. Einen Lebensmittelladen gibt es nur im kleinstformat und die einzige Tankstelle ist auch nicht mehr in Betrieb. Eben eine Geisterstadt. Obwohl die Grenze parktisch bedeutungslos ist, teilt sie doch offiziell zwei Nationen. Stewart in Kanada und Hyder in Alaska, in beiden Orten gelten unterschiedliche Regeln und Gesetze, das betrifft sogar die Zeitzonen und die Währung. In Hyder gilt Alaska Time, theoretisch eine Stunde Zeitgewinn gegenüber Stewart. Halten tut sich aber niemand daran, weder an die Zeitumstellung noch an die Währung. Es kann, ausser auf der Postoffice, alles mit Kanadischen Dollars bezahlt werden. Es sei den, sie bezahlen irgendetwas mit ihrer Kreditkarte. Das hingegen wird in US-Dollars abgerechnet. Es ist eben doch amerikanischer Boden obwohl ausser den Flaggen und Nummernschilder der Autos, nichts daran erinnern würde.

DSCF1364 DSCF1360 8 Kilometer hinter Hyder, erreichbar auf einer mittelmässigen Schotterstrasse, befindet sich der Fishcreek. Die Touristenattraktion hier in der Gegend. Ein extrem frequentierentes Bärengebiet. Hier haben die amerikanischen Ranger einen breiten Steg (Aussichtsplattform) in die Wildnis gebaut um dieses Naturschauspiel öffentlich und ein wenig sicherer zu machen. Kaum haben wir unser Auto parkiert, kommt auch schon ein Ranger, der uns darauf hingewiesen hat, den Brettersteg ja nicht zu verlassen. Kein Problem, hatte eigentlich nicht vor hier grosse Wanderungen zu unternehmen. Von morgens um 6 Uhr bis abends um 10 Uhr patroulieren hier zwei Ranger, mit Pfeffersprey und Gewehr bewaffnet, damit es nicht zu unliebsamen Zwischenfällen kommt mit den Bären. Obwohl man sich eigentlich frei bewegen kann wird einem schnell mal klar, dass es besser wäre den Anweisungen der Rangers und den zahlreichen Hinweistafeln folge zu leisten.

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Schon als wir beim Parkplatz vorgefahren sind, haben wir bemerkt das die wenigen Touristen hier, in heller Aufregung waren. Ein riesiger Grizzly war vor wenigen Minuten anwesend und hat sich ein paar Lachse zur Mahlzeit genommen. Leider konnte ich Ihn nur noch aus der ferne fotografieren.

 

DSCF1354 Es gibt nur 2 Orte auf der Welt, wo man Bären beim Lachsfischen von so naher Entfernung Beobachten kann. Einer ist weit oben in der Wildnis von Alaska, der andere hier am Fishcreek. Was sich hier im Fluss abspielt ist beinahe so einzigartig wie die Bären. Riesige Lachse probieren im knöcheltiefen Wasser den Fluss hinaufzuschwimmen um zu Ihren Laichplätzen zu gelangen. Die zum Teil hilflosen Tiere sind den hungrigen Bären in allen belangen ausgeliefert. Kaum waren wir auf dem Brettersteg, kam uns ein beizender Geruch entgegen. Überall am Flussufer und auf den Kiesbänken lagen tote Lachse herum, die vor sich hinmoderten. Einige waren durch die Bären arg zerfetzt worden. Je nachdem wie die Wind blas, war der Kadavergestank kaum zum aushalten.

DSCF1388 Leider gibt es keine Garantie, das beim Besuch des Fishcreeks, Bären zu sehen sind. Wie wir von den Rangers erfahren haben, waren in diesem Jahr weniger Bären zu sehen gewesen. Vorallem die Grizzys nahmen ab. Obwohl die Lachse im Fishcreek am zunehmen sind, kommen immer seltener Bären hierher. Der beste Zeitpunkt um Bären zu beobachten ist Mitte August bis ca. Ende September. Auch wir mussten uns wiederum eine Zeitlang in gedult üben. Obwohl die meiste Zeit mit warten verbunden war, kommt eigentlich nie eine Langeweile auf. Die Spannung, wann endlich wieder ein Bär zu sehen ist, lässt die wartende Zeit schnell vergessen. Wir hatten Glück an diesem Tag. Kurz nach 14 Uhr kamen wir in den Genuss, eines ca. 2 stündigen Aufenthalts eins Grizzlys am Fishcreek. Weder das Surren der zahlreichen Kameras noch die an- und wegfahrenden Autos haben Ihn gestört.

(Info: Der Bär, der hier auf den Fotos zu sehen ist, hat die Markierung Nr. 25 und wird von den einheimischen "King" genannt. Seine Narbe am Hinterteil hat er sich von ca. 2 Jahren, bei einem Kampf, zugezogen.)

An den folgenden 4 Bilder habe ich nichts verändert (Originalkamerabilder). Es wurde beim fotografieren auch nicht gezoomt. Um zu zeigen wie nahe diese Bären kommen können, habe ich die Brennweite an meiner Kamera auf 48mm eingestellt. Diese Brennweite wird in etwa vom menschlichen Auge verwendet. Diese Bilder entstanden aus einer Entfernung von etwa 4 Meter.

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Das Schauspiel ist einzigartig. Ein Lachs nach dem andern muss daran glauben. Einfach scheint das aber nicht zu sein. Immer wieder verliert er auch da einen Kampf. Hat er einen zwischen den Zähnen, hört man es krachen beim zubeissen.

DSCF1427 DSCF1423 Eigentlich wollte wir ja den Umweg nach Stewart und Hyder nicht unter die Räder nehmen. Der Weg ab Kitwanga und zurück ist mit 450 Km sehr lang und man braucht für diesen Trip mindestens 3 Tage. Heute muss ich sagen, Es führt kein Weg an Stewart/ Hyder und dem Fishcreek vorbei. Ein absolutes Muss für Leute die den hohen Norden Kanadas besuchen möchten.

DSCF1442 Am späteren Nachmittag haben wir dann weiter oben am Fishcreek, ausserhalb der Aussichtsplattform, noch zwei jungen Schwarzbären bei ihrem treiben zuschauen können. Sie versuchten auch irgendwie etwas zum fressen zu bekommen. Einer diesen kleinen Teddys war aber sehr Wasserscheu und versuchte sein Glück vom Ufer aus, was Ihm nicht so gut gelang. Sein Kumpel hat wahrscheinlich schon mehrmals bei den grossen zugeschaut. Immer wieder sprang er in den Fluss, Kopf unter Wasser, auf der Suche nach einem fetten Lachs. Obwohl es zwar von Lachsen wimmelte, konnte auch er nicht den erhofften Erfolg buchen. Da ist wohl noch üben angesagt.

Vom Fishcreek aus besteht die Möglichkeit zum Salmon Glacier hochzufahren ca 30 Kilometer. Die Strecke ist sehr kurvenreich und war zu unserem Zeitpunkt, laut Ranger, in einem sehr schlechten Zustand. Mit Motorhomes sowieso nicht befahrbar. Landschaftlich soll sich die Fahrt aber lohnen. Eines sollte beachtet werden. Man befindet sich hier in absoluter Wildnis und es soll nur so von Bären wimmelt. Es ist absolute Vorsicht geboten. Vorrallem dann wenn Bären mit ihren Jungen gesichtet werden.

 

Links:  
Stewart und Hyder Stewart und Hyder Ortschaften und Sehenswürtigkeit
Stewart und Hyder Eine weitere Homepage über Stewart und Hyder
Der Fishcreek Das Bärengebiet um den Fishcree

 

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